Onboard-Video zeigt, wie schwierig Segler für die Berufschifffahrt werden können

Enge Kiste

Kiel nett sich zu recht „Sailing City“. An schönen Sommertagen ist die Förde voller Segler, die in einem der am stärksten befahrenen Wasserstraßen der Ostsee ihrem Lieblingshobby nachgehen. Einer, der das Revier aus beruflichen Gründen befährt, hat nun ein OnBoard-Video während er Kieler Woche veröffentlicht. Es zeigt, wie anspruchsvoll das Ganze für große Schiffe ist.

Enge Kiste Kieler Förde. © Torben Lüdtke (Screenshot, bearbeitet)

Während auf der Kieler Förde an schönen Tagen hunderte Segler mit der Windrichtung und Kreuzkursen kämpfen,  auf dem Weg zum nächsten Hafen sind oder einfach nur herumfahren, läuft der Schiffsverkehr auf einer der wichtigsten Seeschifffahrtsstraßen Deutschlands unvermindert weiter. Wie eng diese beiden Welten während der Kieler Woche aufeinandertreffen, zeigt ein Onboard-Video, das ein professioneller Schiffsführer auf seinem Instagram-Kanal veröffentlicht hat.

Wenn man das Video sieht, möchte man nicht tauschen

 


<Direkter Link zum Instagram Video>

Thorben Lüdtke teilt regelmäßig Aufnahmen von Handelsschiffen und dokumentiert Manöver aus einer Perspektive, die wir Segler nur selten zu sehen bekommen und die wir auch nicht erahnen können. In einem seiner neustens Videos zeigt die Kamera die Ausfahrt eines Chemikalien- beziehungsweise Produktentankers aus dem Nord-Ostsee-Kanal raus auf die Förde Richtung Kiel Lighthouse.

Schon kurz nach dem Passieren der Schleusen wird deutlich, was auf das Schiff zukommt: unzählige Segler kreuzen den Kurs des Schiffes oder passieren den Bug. Dabei wirken die Abstände teilweise ausgesprochen gering. Die meisten Boote verhalten sich wie im Lehrbuch, anderen sind Abkürzungen wie KVR oder SeeSchStrO offenbar nicht geläufig. 

Nadelöhr Kieler Förde. Screenshot Orca Marine Navigation

Die Lage ist übrigens eindeutig. Nach § 25 der Seeschifffahrtsstraßen-Ordnung haben Schiffe, die dem Verlauf des Fahrwassers folgen, Vorfahrt gegenüber Fahrzeugen, die das Fahrwasser queren. Ergänzend bestimmt Regel 9 der Kollisionsverhütungsregeln, dass Segelfahrzeuge die Durchfahrt von Schiffen nicht behindern dürfen, die innerhalb eines engen Fahrwassers sicher navigieren müssen.

Von einer Brücke wirkt es völlig anders

Das Video vermittelt eindrucksvoll, wie anspruchsvoll die Navigation für die Besatzung auf der Brücke werden kann. Jeder, der sich mal eine Weile an die Kieler Förde hockt, kennt die ständigen Warn-Schallsignale der Berufsschifffahrt. Viele wissen gar nicht, warum der Kahn da hinten das Horn benutzt. Der Grund: Aus dem Cockpit einer Segelyacht erscheinen einige Dutzend Meter Abstand häufig noch ausreichend, komfortabel und sicher. Von der Brücke eines rund 150 Meter langen Tankers wirkt dieselbe Situation völlig anders. Der Blickwinkel ist ein anderer, das Schiff reagiert deutlich träger, beim „Bremsweg“ sprechen wir von Kilometern und jede Kursänderung muss frühzeitig geplant werden.

Vorm Bug vorbeigehuscht © Torben Lüdtke / Instagram (Screenshot, bearbeitet)

Hinzu kommt, dass der Schiffsführer nicht nur ein einzelnes Segelboot beobachten muss. Nicht nur während der Kieler Woche befinden sich oft Dutzende Yachten gleichzeitig im Sichtfeld. Einige kreuzen von Backbord, andere von Steuerbord, wieder andere laufen parallel. Hinzu kommen Motorboote,  kleine Angelboote, StandUp-Paddler, eFoils, Kanuten. Für die Brückenbesatzung entsteht daraus eine ziemlich komplizierte Bewertungslage.

Daher sind diese Aufnahmen sicherlich für jeden Segler spannend und aufschlussreich. Sie zeigen  warum es zu ausreichendem Abstand zu großen Schiffen keine Alternative gibt und warum das Kreuzen vorm Bug keine gute Idee ist.  

Zu Torben Lüdtkes Instagram Kanal

2 Kommentare zu „Onboard-Video zeigt, wie schwierig Segler für die Berufschifffahrt werden können“

  1. https://www.instagram.com/p/DZ2HPZgI_m0/

    Da war doch nicht eine knappe Situation dabei.

    1. Das sieht der Ersteller des Videos sicher anders.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert