Stephan Bodens Kolumne: Welche Folgen es haben wird, wenn auf Orcas geschossen wird

Ich schäme mich

Ich bin Segler. Nun hat sich herausgestellt, dass tatsächlich ein Segler oder anderer Sportbootfahrer auf den Orca Toñi geschossen hat. Ich schäme mich dafür. Und es wird Folgen für alle Segler haben. 

Wer auf Orcas schießt, gehört nicht auf See. Bild: WeWhale

Toñi, auch „Abuela Toñi“, also Großmutter Toñi genannt, ist das älteste bekannte Weibchen der Iberischen Orcas. Etwa 60 Jahre alt. Seit 60 Jahren lebt das Tier im Meer vor der spanischen Küste. Vor wenigen Tagen wurde sie mit frischen Verletzungen an der Rückenflosse entdeckt. Die Iberian Orca Guardians und WeWhale sprechen inzwischen von rund zehn Einschlägen, die nach Schrotmunition aussehen. Zwei oder drei Geschosse könnten die Flosse sogar durchschlagen haben. Wer geschossen hat, ist bislang nicht bekannt. Ich hoffe, er wird gefunden. 

Natürlich kann ich verstehen, dass Segler Angst vor diesen Tieren haben. Ich hätte sie auch. Denn wenn mehrere Tonnen Orca anfangen, sich mit meinem Ruderblatt zu beschäftigen, während ich mit meiner Familie auf einem Segelboot sitze, finde ich Orcas vermutlich auch nicht mehr besonders faszinierend. Seit 2020 gibt es Hunderte solcher Interaktionen. Die Tiere interessieren sich vor allem für die Ruder kleinerer und mittlerer Segelyachten, besonders für frei stehende Spatenruder. Ruder wurden beschädigt oder abgebrochen, Yachten mussten abgeschleppt werden, einige sind gesunken. Dann ist das Ganze keine Naturbeobachtung mehr, sondern eine echte Seenotsituation. Eine teilweise lebensgefährliche. Aber daraus folgt nicht, dass wir anfangen dürfen, auf die Tiere zu schießen. Das ist völlig inakzeptabel. Und ziemlich dumm. 

Das wird fatale Folgen für alle Segler haben

Mitgliedschaft erforderlich

Sie müssen ein Mitglied sein, um auf diesen Inhalt zuzugreifen.

Mitgliederstufen anzeigen

Already a member? Hier einloggen

11 Kommentare zu „Stephan Bodens Kolumne: Welche Folgen es haben wird, wenn auf Orcas geschossen wird“

  1. PL_dietmar.nuetzenadel

    sagt:

    Ich steh voll zu Stephan, wir müssen uns anpassen und nicht versuchen die Natur zu regeln. Wer war denn zuerst da? Der Skipper oder der Orca. Stellt euch vor jemand würde täglich in deinem Zuhause mit z.B. einem Motocross Moped deinen Garten durchpflügen. Ich würde auf jeden Fall nicht auf Ihn schießen, sondern eine Nagelkette hinters Gebüsch legen. Wir sind geduldet auf den Meeren, nicht erwünscht.

    1
    3
  2. Nicht mit mir

    sagt:

    also wenn ich da lang fahren würde und ein Orca signalisiert „Interesse“ an meinem Schiff würde ich auch ohne mit der Wimper zu zucken abdrücken. Wenn ein Imoca bei einem Offshorerace einen schlafenden Wal umnietet u evtl schwer verletzt heisst es danach doch auch nur: oui, hoffentlich sind die Foils nicht beschädigt! Insofern ist dieses „ich schäme mich“ getue hier nur noch zum Fremdschämen, peinliche Doppelmoral…

    9
    22
    1. peinlich bist nur du. ekelhafter Kommentar.

      8
      5
    2. Der Kommentar fängt schon ganz falsch an im Bezug auf die IMOCAs. Walkollisionen stehen seit Jahren heftig in der Kritik. Auch wir auf Segelreporter haben bereits vor Jahren vermutet und publiziert, dass die Kollisionen, die früher pauschal als „UFOs“ tituliert wurden, häufig Wale sind. Damals wurde immer unter dem Deckmäntelchen Euro Paletten, Container, Müll kommuniziert. Das hat sich grundlegend geändert. Auch weil der Druck stieg.

      In der IMOCA-Klasse gibt es inzwischen konkrete Bestrebungen, Kollisionen mit Walen zu vermeiden. Im Proekt „EXOS24“ werden Radar, AIS sowie optische und thermische Kameras mit KI kombiniert, um Tiere und andere Hindernisse möglichst früh zu erkennen. Langfristig sollen daraus sogar automatische Ausweichvorschläge entstehen.

      Zusätzlich nutzen die Skipper ein sog. Hazard Reporting System, über das Sichtungen und Beinahe-Kollisionen direkt an nachfolgende Teilnehmer gemeldet werden können. Die Daten fließen zugleich in das übergreifende Marine Log ein und sollen helfen, Risikogebiete besser und früher zu erkennen.

      Das größte ungelöste Problem bleiben Wale, die knapp unter der Wasseroberfläche schwimmen: Sie lassen sich mit heutiger Technik nur schwer zuverlässig erkennen. Aber auch da wird dran gearbeitet.

      Und nun am besten nochmal neu reinkommen.

    3. Martin krah

      sagt:

      Macht euch wale und orcas zum Feind und ihr werdet sehen was passiert! Sie sind extrem schlau und waren lange vor euch da.

      2
      2
  3. Christian Bücking

    sagt:

    Orcas sind bekanntlich schlaue Tiere und wenn sie durch solche dummen Aktionen den Menschen als Feind bewerten ist zu befürchten das die Angriffe auf Boote dann eine andere Dimension bekommen.

    12
    9
  4. PL_m.walther

    sagt:

    Hach Stephan, du sprichst mir aus dem Herzen! Danke, dass du die Relationen mal wieder in die richtige Bahn rückst.

    Ich ergänze vielleicht noch kurz: Wir bewegen uns auf dem Lebensraum der Orcas aus Spaß und als Freizeitbeschäftigung (nur wenige verdienen damit ihr Geld). Uns sollte allen sehr daran gelegen sein, dass der Lebensraum, den wir zeitweise mal betreten und genießen dürfen, so vielfältig und schön bleibt, wie nur möglich.

    Gerne hätte ich geschrieben, dass wir den Lebensraum so erhalten sollten, wie er jetzt ist… Durch unseren CO2 Eintrag in die Atmosphäre, immer saurere und wärmere Ozeane und viele Gifte die täglich im Meer landen (ist da nicht gerade vor dem Oman eine Ölkatastrophe?) werden wir dies aber eh nicht schaffen.

    Daher muss es unser Anspruch als Segler sein, nicht ein weiterer Störfaktor zu sein, der unsere Meere stört (also neben dem Antifouling, kleinen Dieselresten, die beim Tanken mal daneben gehen, akustischen Belastungen die beim Motoren entstehen…). Wir sind bereits eine Belastung, sollten diesen Aspekt aber nicht auch noch durch solch idiotische Ideen verstärken, wie zum Beispiel auf Wale zu schiessen.

    Das zeugt von einer derartigen Distanz zur Natur, dass ich denjenigen, die sowas für ein adäquates Mittel halten empfehlen möchte, sich mit Virtual Skipper zu begnügen.

    25
    12
    1. Michael, ich habe diese Thememebene mit dem Lebensraum bewusst weg gelassen, weil ich aus Erfahrung weiß, wozu das führt. Leider.

      Grüße und Durchhalten

      10
      8
      1. thorstenmarkwart33@gmail.com

        sagt:

        Danke für den Artikel, stimme uneingeschränkt zu.

        4
        9
    2. Orcafreund

      sagt:

      Nir wenige verdienen ihr Geld im Yachtgeschäft? Haben sie eine rosarote Brille auf oder sind Tieschützerin? Besuchen sie mal die Boot Düsseldorf und dann können sie die Dimension erahnen No

      4
      4
      1. Und alle Aussteller auf der boot fahren ständig gewerblich durch die Straße von Gibraltar? Kühne These! da muss es ja an Auslieferungen und Überführungen nur so wimmeln. Hab gar nicht mitbekommen, dass die Branche so dermaßen boomt.

        15
        2

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert