Sexualisierte Gewalt am Segelverein: Trainer verurteilt

Abgründe

Der Spiegel rekonstruiert anonymisiert, wie es bei einem Hamburger Segelverein zu sexuellem Missbrauch in zehn Fällen kommen konnte. Ein Trainer wurde zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt. Ein am Rande mitbetroffener Segelclub informiert über die Hintergründe.

Alster
Die Alster.

Seit dem Artikel im Spiegel über den Trainer, der schon vor einem Jahr verurteilt worden ist, wird in der Segelszene spekuliert, um welchen Verein sich handeln könnte. Denn die Namen der Beteiligten wurden von der Redaktion geändert. Nun aber ergießt sich Online-Wut über verschiedene Hamburger Vereine, die mit dem Fall nichts zu tun haben.

Auch vor diesem Hintergrund hat ein mitbetroffener Nachbarverein eine Erklärung abgegeben, der die Umstände genauer erklärt. Darin heißt es: „Es war ein langer Weg bedingt durch die Revision, die von Seiten des Trainers eingelegt wurde. Nun haben wir die Bestätigung erhalten: Die Revision wurde vom Bundesgerichtshof im März 2026 abgelehnt.“ Zur Begründung der Erklärung: „Wir möchten Euch heute transparent über die Hintergründe informieren, da dieser Fall uns als Verein sowie die Segelvereine Hamburgs tief bewegt hat.“

In der Beschreibung der SVAOe wird erzählt, wie der Fall vor einem Jahr vor dem Hamburger Landgericht verhandelt wurde. Es ging um Fälle aus den Jahren 2015 bis 2023, „19 angeklagte Taten von sexuellem, teils schwerem Missbrauch, von denen letztlich 10 zur Verurteilung führten.“ Die männlichen Opfer waren zu den Tatzeitpunkten zwischen 10 und 14 Jahren alt. 

„Die massiven Spannungen und das offensichtliche Fehlverhalten führten in der Folge zu einer Reihe von Krisengesprächen. Beteiligt waren neben dem SVAOe auch der Deutsche Segler-Verband (DSV), der Hamburger Sportbund (HSB), der Hamburger Segel-Verband (HSgV) und die Hamburger Segeljugend. Ziel dieser Gespräche war es, das eklatante Fehlverhalten aufzuarbeiten.

Im Nachgang zum Urteil wurden vom DSV Empfehlungen an den YCM ausgesprochen: Der komplette Vorstand sowie alle PSG-Verantwortlichen sollten ausgetauscht werden, um eine glaubhafte Aufarbeitung der Geschehnisse zu ermöglichen. Nach unseren Informationen ist der ehemalige Vorstand des YCM jedoch bis heute nicht offiziell von seinen Ämtern zurückgetreten. Statt durch einen sofortigen Rücktritt Verantwortung für die Fehlentscheidungen zu übernehmen, ließen sich die Verantwortlichen lediglich bei der letzten Wahl nicht erneut aufstellen. Aus unserer Sicht ist dies ein weiterer Beleg für ein mangelhaftes Verantwortungsbewusstsein und fehlende Courage.“

Es geht um sogenanntes „Grooming“: Die Täter gewinnen das Vertrauen der Kinder und überschreiten dann nach und nach die Grenzen ihrer minderjährigen Opfer. Die Kinder liebten den Trainer, schildern Eltern und Clubmitglieder im Spiegel-Bericht. Sie seien ihm hinterhergelaufen. Er sei in den Augen der Kinder ein cooler Typ gewesen.

Zuletzt gab es im Segelsport durchaus ähnliche Fälle. In Deutschland machte vor sieben Jahren der Fall aus Gunzenhausen Schlagzeilen. International brachte die argentinische Nacra17 Olympiamedaillengewinnern 2025 ihre Geschichte an die Öffentlichkeit

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