Stephan Bodens Kolumne: Über die gefährliche Verführung mancher YouTube-Kanäle

Wenn Influencer influenzen

Zwei Fälle in der letzten Zeit zeigen sehr anschaulich, wie problematisch manche Segel-Youtube-Kanäle sein können. Es werden oft  Welten verkauft, die es kaum gibt und wenn etwas schief geht, wird ein klickrelevanter Grund ausgedacht oder wie im jüngsten Fall ein neuer Kanal gegründet, um gleich mit einem echten Hammer zu starten. Die Follower jubeln. Der Segler staunt. 

Bringt Klicks. © Youtube Tatventure Sailing

Es gibt eine sehr merkwürdige Beziehung zwischen YouTube und Segeln. Manchmal scheint es, je weniger Ahnung jemand vom Zweiten hat, desto besser funktioniert das Erste. Ein fragwürdiger GFK-Eimer, keine Erfahrung, eine Drohne, ein paar pathetische Sätze über das große Abenteuer, cineastische Musik aus der Free-Library und das Motto „Lebe deinen Traum“ – schon wird aus einem fragwürdigen Projekt mit deutlichen Risiken eine angebliche Erfolgsstory. Was nicht passt, wird weggeschnitten. So läuft das Spiel.

Tatventure liefert dafür dieser Tage das passende Anschauungsmaterial. Kaum ist die erste Rostlaube in England entsorgt, steht schon das nächste Boot im Bild, diesmal ein ziemlich ausgelutschter, problematischer GFK-Eimer und wieder begleitet von der gleichen Mischung aus Selbstüberschätzung und zurechtgelegten Geschichten. Kritik von Seglern mit Kenntnissen wird freundlich weggelächelt, weil sie den Erzählfluss stört. Warnungen von erfahrenen Segler, die vom Kauf abraten, werden einfach nicht kommentiert und schon gar nicht beachtet. Stattdessen unzählige Kommentare nach dem Motto „wie toll, dass ihr euren Traum lebt!!!“ – und die werden natürlich beantwortet.  

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25 Antworten zu „Stephan Bodens Kolumne: Über die gefährliche Verführung mancher YouTube-Kanäle“

  1. Friedrich

    sagt:

    Hallo Stephan,

    diese Influencer Kanäle sind doch keine pädagogischen Videos zum Nachmachen, sondern zuerst und vor allem Unterhaltung. Wie Du richtig schreibst, wird so manches gescriptet und ist vielleicht oder vielleicht auch nicht so geschehen. Na und?

    Dass Leute ohne echte Segelerfahrung und mit wilden Seelenverkäufern in See gestochen sind, ist eine uralte Geschichte und musste nicht auf Youtube erfunden werden. Pars pro Toto der sicher von uns allen verehrte verstorbene Grand Seigneur der Langfahrt und des Abenteuers, Wilfried Erdmann. Wie man in „Kathena war mein Schicksal“ wundervoll nachlesen kann, ist er zu Beginn seiner Karriere ohne jede Segelkenntnis mit einem wurmstichigen uralten klapprigen Holzkielschwerter zur Weltumseglung aufgebrochen, bei dem täglich mehrfach die Bilge gelenzt werden musste, von einer funktionierenden Maschine ganz zu schweigen. Das war alles, aber keine vorbildliche „Seemannschaft“, verantwortungsbewusst oder was auch immer man hätte fordern können.

    Als Jugendlicher habe ich das Buch verschlungen, so wie heute mancher den angeblich wagemutigen Influencern treu „followed“ und jedes Video begierig aufsaugt. Würden wir Erdmann vorwerfen, dass sein Bestseller ahnungslose Nachahmer verführt hätte? Würden wir Lindemann Fahrlässigkeit vorwerfen, weil er darüber schrieb, wie er mit dem Klepper Faltboot ohne Essen und Wasser über den Atlantik gepaddelt und getrieben ist?
    Youtube bietet neben Schminkie-Tipps und allem was es auf der Welt gibt und nicht gibt auch Unterhaltung auf „seglerisch“. Wenn’s blöd ist oder langweilig, schaut es keiner und dann versinkt es im ewigen Datenmeer. Das Tattoo-Päärchen scheint ein Publikum zu haben. Na denn, sollen die sich unterhalten lassen.

    Ich werde das Gefühl nicht los, dass Du, lieber Stephan, auch gern mal Bessersegler bist und in Deinen Kommentaren den Zeigefinger erhebst. Auch das funktioniert, nicht zuletzt als Unterhaltung. Ungeachtet dessen erschiene mir eine etwas breitere, gelassenere Einordnung des Segel-Influencer-Phänomens in der journalistischen Aufarbeitung noch interessanter, als das allfällige Wedeln mit der „Seemannschaft“.

    VG von einem treuen Abonnenten der ersten Stunde…

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    1. Moin Friedrich.
      Ich weiss, worauf Du hinaus willst. Auch ich habe Wilfried Erdmanns Bücher verschlungen, manche kann ich mitsprechen. Der große Unterschied: Von Erdmann konnte ich lernen, Wahrheiten herausziehen, Situationen einschätzen. Das war ehrlich durch und durch, keine Beschönigung der Realität. Und Erdmann hat Unschönes nicht weggelassen.
      Allein, wie häufig er sich die Frage gestellt hat, warum er das eigentlich macht und er rüberbrachte, wie sehr er oft leiden musste, hat schon Respekt gegenüber der See geschaffen.
      Das ist auf vielen TY Kanälen anders. Nimm nur die beiden Beispiele: Das neueste Video der Niederländer und die Kommentare: Nachfragen werden nicht beantwortet, Fan-Nachrichten sehr wohl. Von Orcas ist jetzt vordergründig nicht mehr die Rede – einfach weg lassen. Was aber geblieben ist: die Medien in Europa sind voller alter Meldungen von Niederländern, die auf der „Flucht vor Orcas“ gestrandet sind. Nicht nur viele Follower glauben und übernehmen das, auch Medien und deren Leser – mit Folgen auf diese ganze Orca Thematik.
      Die beiden Tätowierer sind ja eher harmlos, meiner Ansicht nach kokettieren sie viel mit – ich nenne es mal „Naivität“. Aber auch das übertragen sie. Und auch das nehmen Menschen auf. Auch das ging schon durch die regionale Tagespresse.
      Ich persönlich würde nie auf die Idee kommen, dort zu kommentieren. Mir sind solche Kanäle persönlich völlig egal.

      Was anderes ist es, wenn man journalistisch unterwegs ist – dazu gehört auch eine solche Einordnung, zumal in einer Kolumne. Hier auf SR wird ja auch immer wieder mal über andere Kanäle berichtet und Videoprojekte vorgestellt, in jüngster Zeit auch wieder, unter anderem über das „Women and the Wind“ Projekt, früher z.B. über die Sailing Conductors etc.
      Die sind übrigens ein gutes Beispiel: ohne Erfahrung um die halbe Welt, dort Musik gemacht. Die waren aber ehrlich, nicht naiv, haben keine falschen Bilder erzeugt. Und die sind übrigens mehrheitlich in den Kommentarspalten verrissen worden. Ich habe die deswegen damals sehr unterstützt, hab ihrer Crowdfunding Kampagne zum Erfolg helfen können, stand mit Hannes auf der Bühne etc. Weil ich sie ehrlich fand. Das was Ben jetzt macht, interessiert mich eher nicht, weil das für mich persönlich zu sehr Raffaelo-Welt ist.

      Zur Berichterstattung gehört nicht nur, Kanäle und Projekte vorzustellen, sondern auch einzuordnen, wenn es etwas einzuordnen gibt, so wie in diesen beiden Fallbeispielen, die ich bewusst gewählt habe, weil ich beide als Beispiele für das eher negative Thema geeignet fand.
      Das kannst Du von mir aus Bessersegler nennen. Das ist Dein gutes recht, und wenn man öffentlich publiziert sollte man aushalten, dass andere Menschen, Leser, Zuschauer und Follower anderer Meinung sind und auch das Geschriebene selbst anders bewerten als man selbst. Das gehört dazu und das ist auch gut so. Jedenfalls besser als blinde Follower, die alles toll finden.
      Was meinst Du, was ich früher kritisiert wurde, als ich mit 18 Fuß auf der Ostsee monatelang unterwegs war. Zum Teil hielten mich Leser als lebensmüde, dann wieder für ein Weichei, weil ich bei 7 Bft im Kattegat nicht ausgelaufen bin. Ich kenne das gut.

      Grüße und bis zum nächsten mal, ansonsten schönes Fest,
      Stephan

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      1. Friedrich

        sagt:

        Moin Stephan,

        das ist eine durch und durch kluge und lesenswerte Widerrede zu meiner These und damit eine (mich) bereichernde Diskussion! Du hast Recht mit Deiner Differenzierung zwischen Erdmann und manchen Youtubern. Zum Glück ist das so!

        Ich freue mich über jeden, der auf oder ans Wasser geht und darüber – egal in welchem Medium – unterhaltsam und ehrlich (oder toll und authentisch erfunden, vergessen wir nicht den Roman) erzählt.

        In diesem Sinne wünsche ich viele schöne Segelbücher unterm Baum…

        Friedrich

  2. Moin,

    ich denke, hier wird ein generelles, nenne es mal einfach „Youtube-Phänomen“ , nicht nur beim Thema Segeln, deutlich.
    Ist man selber in einem Thema etwas tiefer drin, verdreht man oft ungläubig die Augen, wie minderwertig, vom Fachwissen betrachtet, Inhalte sein können.
    Das das unter Umständen auch gefährliches und fehlerhaftes Halb- oder Unwissen, sowie Leichtsinn vermittelt, wird ebenso klar.
    Eine Linie kann man aber sicherlich zwischen Unterhaltung und Fachwissen ziehen.
    Anfänglich habe ich versucht, die Beiden auf gröbere Gefahren und deutlich erkennbare Fehler hin zu weisen, was im etwas „eingeschnappten“ Diskurs nicht besonders gefruchtet hat. Alleine die unwissenden Aussagen betreffend „Ein paar Meilen Mittelmeer“ lassen jeden halbwegs erfahrenen Segler ratlos mit offenem Mund zurück.
    Das Follower, und ggf. auch Creator, die keine Ahnung haben, das natürlich nicht toll finden…egal, die kommen in der Regel nicht mal vom Sofa runter, da kann ich gut mit leben.
    Die Beiden spielen, etwas tollpatschig, genau diese Karte und sind im realen Leben sicher ein wenig schlauer, zumindest als einige unwissende Follower, die wahrscheinlich auch nie irgendwo auf dem Wasser anzutreffen sein werden. Von daher vielleicht doch eher unproblematisch.
    Persönlich betrachte ich diese Art der Kanäle zwar „kritisch“, denke aber auch, dass man schon zwischen Unterhaltung und Fachwissen unterscheiden kann und auch besser sollte. Man ist nicht für die gesamte Dummheit der Menschheit verantwortlich.
    Genannter Kanal ist sicherlich keine ernst zu nehmende Plattform, um fundiertes Segelwissen zu bekommen…aber was nicht ist, kann ja vielleicht noch besser werden.
    Die Geschichten der Beiden sind bewusst und nicht mal unclever auf Clicks, und damit monetär, ausgelegt…wie bei so vielen eben.
    Für meinen Teil, habe ich aufgehört, gegen Unwissen anzukämpfen. Die Zeit ist meistens vergebens. Muss sich jeder seine eigene Meinung bilden und Erfahrungen sammeln. Ob nun Creator oder Follower.
    So lange viele Menschen RTL2 schauen, oder eben solche Kanäle für bare Münze halten…so lange muss man wohl auch resigniert die Schultern zucken.
    Zum Glück sind die wenigsten in der Lage, den Blödsinn nach zu machen. Das beruhigt etwas.

    Just my 2 ct´s und ernsthafte Segler erkennen schnell, wo da der Hase lang läuft. Das sollte genügen.

    Gruß Christoph

    1. Unterschied zwischen Journalismus und Kommentarspalten ist Dir geläufig?

      Hier noch ne Aussage zu den Holländern (YouTube“Spiral of Life“) die „vor Orcas“ geflohen sind: “ The 1st of December, just after 5 am, a 20 m fishing vessel left the Porto da Nazaré and saw this sailing boat coming up from the south heading straight towards them.

      They were motor sailing, so the boat leaving the port had right of way.

      When the captain of the fishing vessel noticed that nothing is happening on the other boat he took evasive action to prevent a collision. The sailing vessel passed a few meters from them, there was nobody on deck.

      The boat came out of the water Thursday last week, there was not the slightest sign of Orcas having touched this boat and be it ever so gently: the thin film of marine growth on the antifouling was completely undisturbed everywhere. Well, yes, of course no bite-marks on the rudder (which was completely intact the moment they hit the beach) etc… “

      Ich hatte auch ne Anfrage an die Behörden. Antwort ist gekommen. Dazu später mehr. Soviel zum Unterschied Social Media Kommentar und journalistische Arbeit.

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      1. Hallo Stephan,

        ich bin der Autor des Kommentares der hier eingangs zitiert wurde mit dem Hinweis dass es ja wohl einen deutlichen Unterschied zwischen echtem Jounalismus und Kommentaren bei social media geben wuerde.

        Gebe ich Dir voellig Recht, man muss da sorgfaeltig abwaegen.

        Ich bin kein Journalist. Ich bin Segler mit umfangreicher Erfahrung, seit geraumer Zeit in Nazaré mit dem Re-Build meines Schiffes beschaeftigt und von der oertlichen Fishing-community in ihrer Mitte aufgenommen worden.

        Bei dem genannten Fischerboot handelt es sich um „Avó Ricardo“, die Information ueber die beinahe Collision wurde mir vorvorgestern von José Maciel, dem Captain des Schiffes, erzaehlt.

        Die Art und Weise wie ich die nuechternen Fakten beschrieben habe sollte eindeutig genug sein.

        So viel zu manchen Kommentaren auf Social media.

        Fair winds, Dody

        1. Hallo Dody. Danke für deinen Kommentar. Ich habe in dieser Sache wohl insgesamt drei Tage recherchiert, Mails geschrieben, Hintergrundgespräche geführt, portugiesische Behörden angefragt, bevor eine öffentliche Einordnung erfolgte.
          In den Kommentarspalten wird eher reflexartig geschrieben, nicht recherchiert und kaum hinterfragt.
          Das verlieren Viele leider aus dem Blick.

          1. Stephan, wie viele andere auch war ich vor Ort.

            Auf die Nachricht zum Vorfall durch 1. Autoridade Marítima, 2. Câmara Municipal, 3. beide Orca-Gruppen gab es viele Kommentare Die meisten von denjenigen die kommentiert haben sind locals die in der einen oder anderen Form nach dem Auflaufen involviert waren.

            Ist nicht ueberall so wie in Deutschland.

            Fair winds, Dody

  3. Thomas Hermann-Hueber

    sagt:

    Ich muss mich schon ein bißchen wundern, was hier so geschrieben wird, vor ein paar Jahren ging das Gebashe über Blue Horizon rauf und runter, die haben nicht nur überlebt, sondern inzwischen mehr Seemeilen im Kielwasser als die meisten Sofasegler hier.
    Daß die Tatventurerer jetzt das 2. Mal ein Schiff gekauft haben, ohne fachlichen Rat, das ist schon ziemlich dämlich, aber deren Bier.
    Und was heißt schon: Das Boot ist zu klein für ne Weltumsegelung, nein ist es nicht, wenn man nicht Klimaanlage, Waschmaschine, Induktionskocher, einen Winecooler und Co. an Bord haben muß, geht Weltumsegeln auch mit 26ft. Es kommt halt auf die Ansprüche an.
    Ich habe aus der Berichterstattung der letzten Jahre den Eindruck, daß weit mehr große Schiffe in Unfälle und Havarien auch mit tödlichem Ausgang verwickelt waren als kleine. Aber vielleicht auch nur, weil inzwischen unter 45ft ja „zu klein“ ist, das Sicherheitsgefühl oft trügerisch.

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  4. Jürgen Scharlach

    sagt:

    S. Boden: Stimmt alles! Für mich ist auch die Ästhetik und damit verbunden die. Pflege eines Bootes unabhängig vom Baujahr, Teil von Seemannschaft!

  5. PL_marc

    sagt:

    Ich habe den Kanal, um den es geht, nicht gesehen. Aber Blue Horizon haben genau so angefangen, mit einem alten Kahn, naiv und mit null Ahnung. Ich fand es als alter Segler faszinierend, beneidenswert und dachte öfter mal: man bereut eher die Sachen, die man nicht gemacht hat, als die, die man gemacht hat. Leonie und Thilo haben sich nach und nach viel Seemannschaft erarbeitet. Aber am Anfang stand der Mut und die innere Erlaubnis, einfach mal anzufangen.

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  6. Fabian

    sagt:

    „ziemlich ausgelutschter, problematischer GFK-Eimer“

    Wie kommst du da drauf? Habe das Video auch gesehen. Ordentlich gebraucht das Boot. Aber das es jetzt problematisch oder ausgelutscht ist konnte ich aus den paar Aufnahmen nicht schlussfolgern. Sicherlich gibt es Anzeichen, dass das Boot nicht top gepflegt ist, aber ich konnte erst mal nix problematisches Erkennen. Aber da fehlt mir vlt das Auge und die Erfahrung. Wenn ich das richtig sehe, steht das Schiff jetzt an Land für Inspektion. Also eigentlich alles richtig?

    Frage mich auch wie diese Beurteilungen zu der Kritik der besserwissenden „Sofasegler“ passt. War jemand dort und hat eine besser Beurteilung des Bootes gemacht?

    2 Menschen haben sich ein Boot gekauft und ein Video drüber gemacht. Ersteres schön für sie, zweiteres eigentlich egal.

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    1. Das Boot ist innen drin voller Wasser- und Stockflecken, es ist undicht. Der Motor sieht nicht so aus, als hätte da jemand jemals eine Wartung gemacht. Die Anmerkungen eines Seglers, der denen von diesem Boot abrät, wurden wie folgt kommentiert: „Moin, das Boot muss uns 2 Jahre durchs Mittelmeer bringen, mehr nicht. Danach steigen wir auf etwas größeres um. Erstmal ans Segeln kommen und ein paar Seemeilen und Erfahrungen sammeln“
      Ah, okay – zwei Jahre im Mittelmeer – da muss man auf Seetüchtigkeit ja keine Acht geben, oder?

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      1. Fabian

        sagt:

        Mh. Eigentlich alle Boote die ich jemals hatte, gepfleg, repariert oder gesehen habe waren irgendwo undicht (von oben). Dieses hier ist einiges alt und hatte mal Feuchtigkeit was der Einrichtung nicht gut bekommen ist. Aber das ist ja erstmal nicht schlecht für die Seetüchtigkeit? Undichtigkeit von unten habe ich nicht mitbekommen. Zieht es Wasser? Das wäre dann wohl zweifelhaft, ja. Habe ich in dem Fall verpasst.

        Der Motor, tja. Alt. Und auch im feuchten gelebt, wie die meisten Segelbootsmotoren. Ob da Filter und Öl usw gewechselt wurden kann ich da nicht beurteilen. Schmutz und Rost usw ist ein Zeichen, dass man genauer hinsehen muss. Bedeutet aber nicht, dass es nodwendigerweise nicht seetüchtig ist.

        Generell finde ich die Idee des Erfahrungsammelns gut. Besser als direkt zu versuchen den Traumkahn zu kaufen und ab auf den Atlantik?

        Wenn ich sehe mit was viele Menschen über den Atlantik und zurück segeln. Oder über die Nordsee usw, kann ich erstmal nix schlimmes daran sehen, dass man mit nem alten Boot 2 Jahre auf dem Mittelmeer rumschippert. Man muss ja erstmal keine grossen Strecken segeln… Soweit ich das verstehe war der Voreigner gerade ein paar Monate mit seiner Famillie unterwegs. Der Kahn scheint also zu schwimmen.

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        1. Fabian

          sagt:

          PS: Ich habe einige Kommentare gelesen, die meinten, das Boot ist zu klein für eine Weltreise. Und da ist der Kommentar bzgl 2 Jahre Mittelmeer durchaus angebracht.

          Ich finde die Beiden nicht besonders sympatisch und muss mir das auch nicht weiter antun. Aber ein bissl Lockerheit ist da schon angebracht. Das Vorhaben jetzt ist auf jeden Fall deutlich besser als mit dem alten Kahn über die Irische see und den Kanal zu wollen….

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        2. Das letzte Mal, als „Erfahrung gesammelt“ wurde, mussten die britischen Seenotretter kommen. Frag die mal, wie die das fanden…

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          1. Fabian

            sagt:

            siehe oben:
            „Das Vorhaben jetzt ist auf jeden Fall deutlich besser als mit dem alten Kahn über die Irische see und den Kanal zu wollen….“

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      2. Volker König

        sagt:

        „nur 2 Jahre durchs Mittelmeer bringen- mehr nicht…. und ein paar Seemeilen und Erfahrung sammeln.“
        Die BAYESIAN – story, das Ende von HELISARA und. und, und spricht da wohl eine andere Sprache.

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        1. Fabian

          sagt:

          Mh, also du kannst jetzt nicht wirklich die Bayesian mit dem Kahn hier vergleichen? Völlig andere Welten und auch überhaupt nicht relevant. Die hatte denke ich mal einen gut gewarteten Motor und keine Stockflecken in der Einrichtung…
          Die Helisara ist von der Mooring abgegangen, wenn ich mich richtig erinnere? Auch nicht relevant, oder?

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          1. Volker König

            sagt:

            Hast meinen Punkt nicht verstanden. Wollte darauf hinweisen, dass auch das Mittelmeer kein Ententeich ist wo man mal ohne Segelerfahrung“ ein bisschen segeln und ein paar Meilen sammeln“ kann.
            Wenn es selbst die angeführten Superyachten bei den auftretenden extremen Wetterereignissen “ erwischen“ kann.

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  7. XANADU

    sagt:

    Hallo,
    was bewegt Euch dazu gerade diese beiden in diesem Format so direkt an den Pranger zu führen ? Allerdings ist auch Negativwerbung eine Werbung und dies noch bei der allgemeinen Sensationslust – insofern habt ihr ihnen ja sogar geholfen:)

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    1. Rike

      sagt:

      Die beiden von Tatventure sind eben extren leichtsinnig und unbelehrbar und es müssen sich dann andere in Gefahr begeben um sie zu retten, wenn der Kahn absäuft.
      Das Argument mit der Werbung habe ich beim letzten Artikel über diesen Kanal auch gebracht, aber Stefan meinte die Klicks die er damit generiert würden keinen Unterschied machen. Ich glaube er ist dem Ragebait auf den Leim gegangen 😉 statt sich in einem zweiten Artikel zu empören würde ich die beiden totschweigen, sowas hat keine öffentliche Aufmerksamkeit verdient

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    2. Danke für den Kommentar. Es geht nicht darum, einzelne Personen „an den Pranger zu stellen“, sondern darum, auf ein Muster hinzuweisen, das inzwischen viele Einsteiger in eine völlig falsche Vorstellung vom Segeln führt. Wer seine Inhalte öffentlich verbreitet, Reichweite aufbaut und damit Einfluss ausübt, trägt auch Verantwortung dafür, was gezeigt wird – und was nicht. Und diese beiden Kanäle sind nun mal aktuelle Beispiele. Andere haben längst aufgegeben oder Boot gegen Camper gekauft, weil „‚#Vanlife“ gerade so gut läuft.

      Kritik an fragwürdigen Darstellungen ist kein Pranger, sondern Teil eines notwendigen Diskurses. Wenn Kanäle riskantes Verhalten verharmlosen, grundlegende Kenntnisse ausblenden oder sich nachweislich widersprüchliche Geschichten zusammenbasteln, betrifft das nicht nur sie selbst, sondern auch Menschen, die sich daran orientieren. Genau deshalb gehört es thematisiert.

      Ob das am Ende als „Werbung“ für die Betroffenen wahrgenommen wird, kann sein. Follower, die dort über diesen Beitrag landen, werden sicher differenzierter sein.

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      1. Martin

        sagt:

        Ahoi Stephan.

        Die Aussage, dass Segler zum Vanlife wechseln, weil das grad „so gut läuft“, ist ein guter Indikator, dass Du diesen Teil der Gesellschaft (also die, die gern in den sozialen Medien von ihrem Leben berichten) nur dann genau zu betrachten scheinst, wenn es einen Aufhänger für eine Story gibt.

        Tatsächlich ist es nämlich genau andersherum. Viele Vanlifer, so Du die so nennen willst, (also jüngere, reiseinteressierte Menschen, positiv gesehen) wechseln vom Camper aufs Boot, weil es mit der Freiheit an Land eben seine Grenzen hat. Wer vom Boot an Land wechselt, sind wohlhabende ältere Segler, die ihr Schiff nicht mehr bewegen können/wollen und nun zur Landyacht greifen. Aber das nur am Rand.

        Auch ich wundere mich, wie andere Kommentatoren, darüber, dass Du immer wieder solche Storys hervorkramst, um einzelne Protagonisten für deine Kommentare ins Rampenlicht zu stellen. Wenn es ein systemisches Problem ist, also zu hunderten, tausenden, Menschen mit Seelenverkäufern auslaufen, mag das seine Berechtigung haben, das zu thematisieren. Auch, wenn es Menschen sind, die große Reichweite haben und damit Multiplikator für Mist sind, hat ein Beitrag dazu seine Relevanz.

        Aber wie sieht die Realität denn aus? Wir sollten doch eher froh sein, dass sich neue Menschen aus neuen Umfeldern für das Thema interessieren – und vielleicht als Journalisten, zu denen auch du dich zählst, die Informationsangebote schaffen, dass Low-Cost-Refits mit Hand und Fuß umgesetzt werden.

        Interessant ist auch, mal den Blick schweifen zu lassen. Die Ansprüche an eine seegehende Yacht sind im Mittelmeer-Raum und auch an der französischen Atlantikküste ganz andere, warum funktioniert das dort?

        Schaue ich auf meine eigene Segelvergangenheit zurück, würde ich sicher nicht mit Steinen werfen, es war nur einfach damals noch nicht üblich, ganz alltäglich auch digital zu leben und von seinem Tun zu berichten. Dass es aber heute einfach „mit dazu“ gehört (Sinn hin oder her), solltest Du als Medienprofi doch auch wissen – und drüber stehen.

        Das Argument mit der Gefährdung Dritter klingt immer gut, aber jeder Drängler auf der A7 gefährdet morgens auf dem Weg zur Arbeit ganz vorsätzlich mehr Leute, als eine Handvoll naiver Bootsneulinge.

        Lange Rede kurzer Sinn: „Segelreporter berichtet, erklärt, steckt an“. Vielleicht könntet ihr das einmal in diesem Kontext ganz aktiv machen?

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