Die Kenterung der Oyster 825 Viva La Vida ist für Dick Beaumont eine Steilvorlage. Immer wenn eine große Yacht ihren Kiel verliert, reibt er sich die Hände – im übertragenen Sinn. Der Langfahrtsegler und Yachtentwickler hält moderne Fahrtenyachten mit angeschraubten Kielen für unsicher. Doch wie objektiv kann er sein?

Eine große Oyster kollidiert in den Whitsundays mit einem Riff, verliert dabei den unteren Teil ihres Kiels, legt sich auf die Seite, nimmt Wasser auf, kentert durch und treibt kieloben. Zehn Menschen werden gerettet. Offenbar handelte es sich bei dem Unglück um einen Navigationsfehler. Viva La Vida lief im Rahmen der World Oyster Rally – von Antigua nach Antigua –, die in die Hamilton Island Race Week eingebettet war, zwischen den australischen Whitsunday-Inseln auf ein kartiertes Riff. Unter Spinnaker bei 15 bis 20 Knoten Wind. Es war also ein Irrtum der Crew.
Aber dabei will es Dick Beaumont, der sich nach weit über 100.000 Seemeilen auf den Ozeanen als Blauwassersegel-Experte sieht, nicht belassen. Im Video-Podcast-Format Ocean Sailor, das in der Szene mit 12.600 Abonnenten durchaus Gehör findet, erklärt er: Zwar sei es nicht ausschließlich die Schuld der Werft Oyster. „Aber Oyster trägt definitiv eine Verantwortung, weil es um deren Konstruktion geht. Und genau das ist mein großes Problem.“
Seine These: „Diese Boote sind für echtes Blauwassersegeln nicht geeignet, weil sie einen grundlegenden Konstruktionsfehler haben.“ Egal, ob es sich um ein einzelnes Spatenruder oder zwei Ruder handele. „Ungeschützte Ruder sind beim Offshore- und Hochseesegeln einfach nicht mit der Aufgabe eines echten Blauwasserkreuzers vereinbar.“
Sein zweiter Punkt: Eine echte Blauwasseryacht müsse eine solche Kollision ohne größere Schäden aushalten können. Das sei aber bei dieser Oyster offensichtlich nicht der Fall. Für ihn bedeutet generell ein Kiel, der mit Bolzen unter den Rumpf geschraubt wird, bei einer echten Hochsee-Fahrtenyacht einen potenziellen strukturellen Schwachpunkt. Die Verbindung Rumpf–Kiel sei die Schwachstelle.

Die Diskussion ist interessant. Aber es gibt ein Problem.

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