Die 29. Auflage der Schifffahrtsregatta, traditionell von Schleimünde nach Ærøskøbing

Schifffahrt unter vollen Segeln zum Erfolg

Bei idealen Windverhältnissen starteten am Samstag um 9 Uhr 139 Yachten zur 29. Peter Gast Schiffahrtsregatta auf der Ostsee.

Drei klassische Traumyachten. Die 12er Trivia, Sphinx, Evaine. Foto: Hinrich Franck

Schon am Freitag trafen sich die persönlichen Gäste des Veranstalters Peter Gast Shipping in Kappeln in der Halle am Hafen der Werft Henningsen & Steckmest. Beim traditionellen Spanferkelessen konnten sich die Mannschaften finden und Strategien für den nächsten Tag oder die nächsten Monate und Jahre schmieden. Prominente Gäste waren unter anderem Hans-Joachim Otto MdB, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Technologie Koordinator der Bundesregierung für die maritime Wirtschaft oder Frank Horch, Senator der Wirtschaftsbehörde Stadt Hamburg.

Dieter Gast an Bord seiner „Pegasus“ an der Spitze der Auslaufparade aus Kappeln: Über 150 Schiffe verlassen die Schlei. Foto: Hinrich Franck

Am Samstag hieß es um 7:30 auslaufen. Prächtig beflaggt fuhren über 150 Regattateilnehmer und Begleitboote die Schlei Richtung Mündung in einer langen Parade zur Startlinie in Nähe der Ansteuerungstonne Schlei auf der Ostsee. Die Regattastrecke forderte die Segler und Gäste. In 5 Starts und 9 Klassen wurden die Yachten auf den Regattakurs „Bahn 1” geschickt. Nach der Startkreuz zu einer Regattatonne südwestlich unter Land ging es auf einen langen, spitzen Spikurs. Bahn 1 Kurs 19,5 Grad 10,5 Seemeilen zu einer gelben Warntonne eines Übungsgebiets für U-Boote vor der Flensburger Förde.

An dieser Wendemarke ballten sich die Boote, es gab spannende, enge Tonnenmanöver. Obwohl die folgende Kreuz zur östlichen Untiefentonne Pøls-Rev mit 2,3 Seemeilen relativ kurz war, konnten gewitzte Segler etliche Meter gutmachen, indem sie die Winddreher optimal ausnutzten. So konnten sich einige kleinere Schiffe wieder nach vorne arbeiten. An der Untiefentonne ging bei den meisten Booten der Spi hoch, mit Kurs 22 Grad. Nach genau 8,1 Seemeilen sollte ein Regattabegleitboot vor Skjoldnaes, an der Nordwestspitze der Insel Ærø liegen. In Windrichtung hing eine schwarze Wolke am Horizont und versprach Wind, was einige Yachten wohl dazu veranlasste, den Spinnaker nicht zu setzen. Doch statt Wind kam Regen und ein Winddreher um fast 20 Grad, so dass einige Boote noch vor Ærøs Spitze halsen mussten. Jetzt galt es weitere 9 Seemeilen zum Ziel vor Ærøskøbing möglichst schnell hinter sich zu bringen. Ein anspruchsvoller, spitzer Kurs, vor allem für die, die kein dafür speziell entworfenes Leichtwindsegel wie eine Genua oder einen Code 0 besitzen.

Erstes Boot im Ziel: die TP52 Audi A1. Foto: Hinrich Franck

Während der Zieleinläufe hörte dann passenderweise der leichte Regen auf, so dass die Mannschaften das von der hanseboot gestiftete Einlaufbier im Cockpit richtig genießen konnten. Schnell füllte sich der Hafen und bot mit den hunderten Flaggen und der Mischung aus Hightech Regattabooten, klassischen Yachten und Fahrtenseglern einen tollen Anblick. Erstes Schiff im Ziel mit einer Segelzeit von 3 Stunden und 38 Minuten war die schnelle TP52 Audi A1. Sieben Stunden und 23 Minuten nach dem Start um 9 Uhr war die letzte Yacht, der Gaffelkutter „Fair Dawn”, im Hafen. Damit war eine schöne Wettfahrt mit fairem und anspruchsvollen Segeln beendet. 138 der gestarteten Yachten kamen ins Ziel, es gab nur eine Aufgabe und keine Proteste, und damit außer der Indikation der vielen falschen Segelnummern wenig Arbeit für Wettfahrtleiter Marcus Böhlich.

Während sich die Teilnehmer auf die Abendveranstaltung vorbereiteten, begann der dänischen Spielmannszug zu musizieren. Traditioneller Auftakt ist jedes Jahr der Rundgang durch das idyllische Dorf Ærøskøbing hinter dem Spielmannszug. Die Bewohner kannten das schon und begrüßten die über 1000 Gäste herzlich durch Winken und Zurufe.

Da die Teilnehmerzahlen mit den Jahren stetig gewachsen sind, musste mehr Platz her, die örtlichen Gegebenheiten boten nicht mehr genug Raum. Heute wird jährlich für einen Tag eine Zeltstadt aufgebaut, und dank der vielen Sponsoren gibt es nach dem Abendessen mit der Preisverleihung eine Vielzahl an kulinarischen Genüssen und Livemusik. Der Germanische Lloyd als Hauptsponsor umsorgte die Teilnehmer mit Freibier, Hotdogs und der BMW-Shuttle-Service bot denjenigen Seglern, die nicht an Bord schlafen konnten, eine sichere Fahrt in die umliegenden Unterkünfte.

Von links nach rechts: Dr. Harald Vogelsang/Vorstandsprecher der Hamburger Sparkasse; Hermann Ebel/Vorstand der Hansa Treuhand; Dr. Detlef Thomsen/Vorsitzender des Hamburgischen Verein Seefahrt e.V.; Uli Wachholz/Präsident der Unternehmensverbände Nord. Foto: Hinrich Franck

Neben den Veranstaltern Dieter und Christian Gast begrüßte auch der stellvertretende Bürgermeister von Ærø, Leo Holm, die Gäste. Frank Horch, Senator der Wirtschaftsbehörde Stadt Hamburg, betonte in seiner Rede, die Bedeutung der Schiffahrtsregatta als Möglichkeit für einen informellen, ungezwungenen Gedankenaustausch. Weitere prominente Gäste waren Uli Wachholz (Präsident der Vereinigung der Unternehmensverbände in Hamburg und Schleswig-Holstein e.V.), Dr. Vogelsang (Vorstand der Hamburger Sparkasse), Nicholas Teller (Chef E. R. Capital Holding), Erik Santer (BMW AG Niederlassung Hamburg), Bernd Aufderheide (Hamburg Messe & Congress GmbH), Götz Jungmichel (boot Düsseldorf), Andreas Christiansen (Vorstand NRV), Herr Dr. Henning Winter (Vorstand Kieler Yachtclub), Horst Frank (Vorstand des Flensburger Segelclubs) und viele andere.

Sieger Klasse ORC-Club A: J/V 42 „Elena Nova. Foto: Hinrich Franck

Mit der Ehrung von Marcus Böhlich für seine vielen Jahre im Team der Wettfahrtleitung begann die mit Spannung erwartete Preisverleihung. Nur nur ein optisches Highlight waren die drei klassischen 12er Evaine, Sphinx und Trivia. Mit 4 Stunden und 26 Minuten zeigte der Zwölfer Trivia, dass er nicht zum alten Eisen gehört, gewann zum 3. Mal die Klassiker-Wertung und damit endgültig den Wanderpreis der Hammonia Reederei. Sieger in der Klasse ORC-Club A wurde die „Elena Nova” von Christian Plump, eine brandneue J/V 42, übrigens seit vielen Jahren der erste deutsche für ORC-Regatten optimierte Einzelbau. Veranstalter Dieter Gast zeigte mit seiner Halber Rassy „Pegasus” dass er nicht nur tolle Feste organisieren, sondern auch gut segeln kann, und gewann in der Klasse 2 Yardstick. Erik von der Noordaa, Vorstandsvorsitzender des Germanischen Lloyds, gewann den von Marinepool gestifteten Sonderpreis für das beste Spinakermanöver und damit die Möglichkeit, auf einem der extrem schnellen Extreme 40 Katamarane mitzusegeln.

Nach der Siegerehrung verteilten sich die Gäste in der Zeltstadt, hier gab es Raum für Gespräche, z. Beispiel am „Coolsten Place“, einer Bar aus Eis von der Besiktas Shipyard Auch an der Nord Capital Plattform-Versorger Bar konnte man sich effektiv versorgen. Die Band „Max und Friends“ heizte den tanzwütigen auf dem Rasen im Zeltstadt-Innenhof kräftig ein. Seefahrt macht hart – Schifffahrtsleute zeichnet ein besonderes Durchhaltevermögen aus. Erst in den frühen Morgenstunden leerten sich die Zelte.

Am nächsten Morgen konnten sich die Segler beim Frühstück der Messe boot Düsseldorf treffen und sich für die Rückfahrt in die Heimathäfen stärken. Das war notwendig, denn Böen über 30 Knoten Stärke versprachen einen anstrengenden Segeltag.

Die erste Regatta wurde bereits von Peter Gast im Jahre 1983 ins Leben gerufen. Peter Gast nimmt immer noch aktiv an der Regatta teil, hat aber in den letzten Jahren die Organisation an die nächste Generation, seine Söhne Dieter und Christian Gast abgegeben. Um dieses Event organisieren zu können, hat die Peter Gast Shipping GmbH mit der „Peter Gast Schiffahrtsregatta GmbH“ inzwischen eine eigene Veranstaltungsfirma gegründet. Die Wettfahrtleitung sowie das Organisationsteam bestehen aus ca. 40 Personen, die auf 12 Begleitschiffen, Schlauchbooten und Sicherungsbooten teilnehmen.
Die Idee hinter der Regatta liegt nicht so sehr im sportlichen Wettkampf, sondern in der Möglichkeit zu einem maritimes Zusammentreffen. Das Event soll als Kontaktbörse, als Plattform für interessante Gespräche und die erste Anbahnung von Neugeschäften dienen. Während der Wirtschaftskrise ermöglicht es die Schiffahrtsregatta vielen Teilnehmern, wieder enger zusammenzurücken, sich auszutauschen und gemeinsam in lockerer Atmosphäre
Lösungen zu finden. Das Segeln im Team ermöglicht es unkompliziert geschäftlich miteinander umzugehen.
Am 25. August 2012 fällt der Startschuss zur 30. Auflage.


Hans Genthe
hg@gentcom.de

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