America’s Cup: Ainslie in Nöten – Amis, Italiener auf Kurs – Neuseeländer (noch?) überlegen

Höchststrafe

Was die America’s Cup World Series über die Form der Teams aussagt. Ben Ainslie hat noch viel Arbeit vor sich. Luna Rossa und American Magic segeln auf Augenhöhe. Kiwis können sich nicht sicher fühlen.

Das ist die Höchststrafe. Ben Ainslie muss sich mit seinem INEOS Team UK im letzten Rennen der ersten und einzigen Vorregatta für den in drei Wochen startenden Prada Cup überrunden lassen.

Symbolbild. So geht es den Briten. NAch angespanntem Race-Modus sieht das nicht aus. (Vermutlich) Giles Scott sieht auf dem Vorschiff etwas gelangweilt aus. © COR 36 | Studio Borlenghi

Schon beim Start macht er keine gute Figur gegen die Neuseeländer. Verpasst die Layline zum Pin-End, auch weil er mehr damit beschäftigt ist, das Boot auf den Flügeln zu halten. Die Positionierung in der Startbox ist diesmal sekundär. Er weiß schon, was bei diesen Bedingungen um 8 Knoten passiert. Das neue Boot der Briten ist wie schon befürchtet nicht konkurrenzfähig.

Nach dem Rennen sagt Ainslie: “Noch 25 Tage bis zum PRADA Cup. – Der Wettlauf gegen die Zeit hat begonnen. Das war die wichtigste Woche in unserer Kampagne. Es ist für jeden offensichtlich, dass wir mit unserer Geschwindigkeit zu kämpfen haben, sowohl bei leichtem Wind aber auch generell. Wir haben drei Wochen Zeit, um unsere Leistung zu verbessern, damit wir im PRADA Cup bei allen Windverhältnissen mithalten können.”

Was aussieht, wie ein enges Rennen, ist es nicht. ETNZ (r.) hat die Briten gerade überrundet, schafft es aber nun auch nicht mehr auf die Foils – und ins Zeitlimit. © Emirates Team New Zealand

Er versucht nüchtern zu bewerten, was in den vergangenen vier Tagen passiert ist und in diesem letzten Rennen besonders hart zu Tage tritt. Die Neuseeländer fliegen auf ihren Foils über den Kurs – “Britannia” klatscht bei der ersten Wende ins Wasser und treibt danach als Low Rider über den Parcours. Die Welt kann sehen, wie weit die Briten davon entfernt sind, tatsächlich den America’s Cup zu gewinnen.

So war es auch vor vier Jahren in Bermuda, als Ainslie erstmals mit eigenem Team um den Cup kämpfte. Schon bei den ersten Trainings zeigte sich, dass die Konstruktion nicht schnell genug war. Sein Land Rover BAR Team wurde zwar bis zu den ersten zählenden Rennen besser, war technisch aber nie auf dem Niveau der besten Herausforderer.

126 Millionen Investment von INEOS

Ein Folge dieser Erfahrung war der Abschied von Sponsor Land Rover, nachdem INEOS Chef Jim Ratcliff den Einstieg mit 126 Millionen Euro angekündigt hatte. Damit brachte Ainslie die Füllung seiner Kriegskasse auf ein Niveau, das ihn diesmal von Anfang an auf Augenhöhe mit den Herausforderern bringen sollte.

Aber das Ergebnis lässt nun erst einmal auf sich warten. Das britische Schiff ist deutlich das langsamste der vier neuen AC75. Und das nicht nur bei dem leichten Wind, der am letzten Renntag herrschte. Auch bei stärkerem Wind fehlten ein paar Knoten.

Ob das Defizit in der kurzen Zeit noch aufzuholen ist? Auszuschließen ist wohl die These, dass die Briten bewusst nicht ihr Potenzial gezeigt haben. Zu wichtig sind die Daten, die im direkten Vergleich gewonnen werden können. Zu kurz ist die Zeit, in der man Grundlegendes ändern könnte. Aber vielleicht fehlt nicht so viel, wie es scheint. Vielleicht konnte man sich genug bei den Gegnern abschauen, um den/die Fehler zu finden. Anders als vor vier Jahren hat Ainslie diesmal zumindest die finanziellen Kapazitäten, um Änderungen vornehmen zu können.

Amerikaner und Italiener auf Augenhöhe

Das gilt allemal auch für die Gegner bei der Herausforderer-Serie. Amerikaner und Italiener zeigten sich auf Augenhöhe, und sind durchaus dran an den Verteidigern vom Team New Zealand – auch wenn es schließlich auf der Ergebnisliste noch nicht so aussieht.

Aber im letzte Rennen der America’s World Series hatten die Italiener die Kiwis wahrlich am Rande einer Niederlage. Sie gewannen bei leichtem Wind den Start klar und lagen am Luvtor knapp 300 Meter vorne. Als die Neuseeländer die Anliegelinie nicht trafen und von den Tragflächen fielen, flog der Gegner auf 800 Meter davon – klatschte nach einer Halse aber selbst ins Wasser.

In kürzester Zeit lagen die Kiwis wieder mehr als 500 Meter vorne, das Rennen setzte sich auf Tragflächen fort und Luna Rossa kam – nach einem kurzen Touch Down der Kiwis – wieder bis auf 30 Meter ran. Am letzten Luvtor fehlen aber wieder 18 Sekunden im Ziel. Nach einem spannenden letzten Vorwindkurs waren es noch 16 Sekunden.

Das spannendste der zwölf Rennen: Luna Rossa vs Team New Zealand

Verlauf des 12.Rennens zwischen Team New Zeland (rot) und Luna Rossa

Die Entscheidung: Luna Rossa befand sich länger in der Lowrider-Phase (gelber Balken)

Zweite Kreuz: Die Kiwis gleichen einen kurzen Touchdown nach einer Wende durch höheren Amwind-Speed aus

Auf der letzten Vorwind sind beide Boote nahezu gleich-schnell. Die Italiener holen zwei Sekunden auf.

In den Interviews bekunden die Herausforderer, wie viel man jetzt arbeiten man jetzt noch arbeiten müsse, um den Vorsprung des Verteidigers aufzuholen. Aber auch die Neuseeländer können sich längst nicht beruhigt zurück lehnen. Der Vorteil mag trügerisch sein.

Interviews:

Kommentator Nathan Outteridge äußert sich überraschend harsch über die vermeintlichen Schwächen von Peter Burling im Vorstart. Tatsächlich sieht er sich drei Teams mit überaus erfahrenen Match Racern gegenüber, einer Disziplin, in der er noch  nicht glänzen konnte.

Match-Race-Qualitäten können wichtig werden

Der neue Kurs beim America’s Cup mit einem Start gegen den Wind spielt den erfahrenen Duell-Seglern durchaus in die Hände. Wenn die Neuseeländer kein deutlich schnelleres Schiff in Händen haben, könnten sie wahrlich Probleme bekommen, nach einem Rückstand noch zu überholen. Das hat das letzte Rennen gegen Luna Rossa gezeigt.

Und der Verteidiger hat nun keine Chance mehr, die Vorstarts effektiv zu trainieren, da er vor dem America’s-Cup-Match nicht mehr gegen die Herausforderer antritt. Diese werden dagegen beim Prada-Cup nur noch besser in dieser Disziplin.

Wenn am 6. März der America’s Cup beginnt, wird das Emirates Team New Zealand auf einen Herausforderer treffen, der sich bei den Duellen vom 15. Januar bis 22. Februar in Höchstform gebracht hat.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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