Boris Herrmann über die neue Malizia IV. Verbesserungen im Zehntel-Knotenbereich

„Das Boot muss einfach das Schnellste sein.“

Mit Hochdruck arbeitet das Team um Boris Herrmann am Neubau von „Malizia IV“. Im Interview mit dem NDR hat er nun Details über das neue Schiff verraten. Vieles werde sich auf den ersten Blick kaum unterscheiden – doch im Detail stecken entscheidende Veränderungen.

© Team Malizia / Facebook

Große Leistungssprünge erwartet Hermann  nicht. „Heutzutage kann man bei so einem Neubau keinen revolutionären riesigen Schritt erwarten. Wenn es im Zehntel-Knoten-Bereich Verbesserungen gibt, sind wir schon absolut zufrieden“, sagt er im NDR-Interview.

Der Neubau profitiere vor allem von den Erfahrungen der vergangenen Jahre. So schreibt das aktuelle Klassenreglement einen noch stabileren Mast vor. Dieser sei zwar schwerer als bisher, dafür aber deutlich robuster. Gleichzeitig setzt das Team auf eine schlankere Rumpfform mit geringerem Wasserwiderstand sowie Foils, die bereits bei niedrigeren Wind- und Bootsgeschwindigkeiten effizient arbeiten sollen. Ziel sei es, den IMOCA schon bei weniger Wind auf die Foils zu bringen als mit der bisherigen Malizia III.

Entscheidend sei am Ende aber vor allem natürlich der Speed. „Es gibt einfach nichts Härteres und Frustrierenderes, als da draußen mit einem Regattaschiff zu sein und sagen zu müssen: Die anderen sind jetzt einfach einen halben Knoten schneller.“ Schon nach wenigen Tagen könne ein solcher Rückstand dazu führen, dass die Konkurrenz ein anderes Wettersystem erreiche und nicht mehr einzuholen sei. Deshalb bringt Herrmann seine Priorität auf einen einfachen Satz: „Das Boot muss einfach das Schnellste sein.“

Trotz des kompromisslosen Fokus auf Performance habe das Team auch an die Bedingungen an Bord gedacht. Die Ergonomie soll gegenüber der aktuellen Malizia III nochmals verbessert werden. Außerdem soll die schlankere Rumpfform dafür sorgen, dass das Boot in der Welle weniger hart aufschlägt und sanfter durch die See läuft.

Gleichzeitig beschreibt Herrmann die technische Entwicklung der IMOCA-Klasse als enorme Herausforderung. Die Boote entwickelten sich immer mehr zu einer „Formel 1 der Meere“. Besonders die Foils seien heute hochkomplexe Bauteile. Nach einer Beschädigung reiche längst nicht mehr etwas Spachtelmasse. Stattdessen seien aufwendige Ultraschalluntersuchungen notwendig. Ein neuer Foil-Satz benötige rund sieben Monate Bauzeit und koste inzwischen so viel wie vor zehn Jahren ein komplettes IMOCA-Boot. Das mache den Einstieg neuer Teams in die Klasse zunehmend schwieriger.

Das vollständige Interview mit Boris Herrmann wurde vom NDR veröffentlicht und ist dort als Video abrufbar.

Am kommenden Montag wird die neue Malizia der Öffentlichkeit vorgestellt. Segelreporter ist vor Ort. 

4 Kommentare zu „Boris Herrmann über die neue Malizia IV. Verbesserungen im Zehntel-Knotenbereich“

  1. Steffen

    sagt:

    schade um das ganze Geld, was da mal wieder verschwendet wird, Perlen vor die Säue…verstehe nicht, wer da immer noch finanziert bei NULL outcome und Looser-Mentalität in den letzten 10 Jahren. Schicker Haarschnitt u gutes Reden alleine kann es doch nicht sein?!

    9
    13
    1. jorgo

      sagt:

      Das Geld ist verschwendet. Egal ob das Ergebnis hinterher stimmt oder nicht. Aber was tut man nicht alles für den Umweltschutz…….. Wenn die Welt gerettet werden soll muss man investieren, investieren, investieren. Anders ist das Rennen ja nicht zu gewinnen. Immerhin hat Boris es geschafft auch Steinmeier aufs Wasser zu locken. Das bringt bestimmt noch mal einen richtigen Schub!
      Aber klar: ohne Geschwindigkeit ist ein Rennen nicht zu zu gewinnen – auch wenn manche es nicht glauben wollen. Der Eine oder Andere denkt ja dass Wettfahrten mental zu gewinnen sein könnten…. aber am Ende kommt es dann doch auf die Geschwindigkeit an. Und Die soll nun um einen halben Knoten besser werden. Das versteht selbst auch jeder Gala Leser, denn das kennt er von der Autobahn ( wenn grade mal kein Stau ist.) Allerdings geht es da nicht um halbe Knoten zwischen BMW und Porsche.
      Was mir persönlich nur noch nicht ganz so klar ist: Wie macht man denn da draußen auf See alleine Ultraschalluntersuchungen wenn zum Beispiel aus Versehen ein verlorener Container oder Wal vor das Foil geschwommen ist? Gibt es da schon wasserfeste Mobilgeräte?

      6
      9
      1. Ulrich Jäger

        sagt:

        Ich verstehe nicht, wie man beim Neubau eines Regattabootes von Geldverschwendung schreiben kann ? Höre ich da wieder die Fraktion der Deutschen Bessersegler aus der dänischen Südsee, die im Jahr 200 nm mit 3 kn Average Speed, und nicht mehr als 10kn Wind morgens um 6 h los Motoren, um den besten Liegeplatz im 5 sm entfernten Hafen zu bekommen? Da gibt es einen ! Erfolgreichen Regattasegler in der Liga der Besten. Und ihr schreibt so‘n Blödsinn. Begeisterung geht anders.

        8
        6
        1. jorgo

          sagt:

          Nichts gegen Regattasegler die sich mit den Besten der Welt messen – absolut nicht!
          Aber Wasser predigen und Wein trinken hat ein Geschmäckle.
          Herr Herrmann verschreibt sich dem Klimaschutz und baut auf der anderen Seite zweijährlich neue Boliden. In Hamburg unterstützt er einen Volksentscheid mit weitreichenden Konsequenzen für „die kleinen Leut“ (über die Wirkung auf das globale Klima darf man zweifeln) – lebt selbst jedoch wenig nachhaltig. Daran ändert auch die gefühlt 1000ste „Klimaforschungsreise“ nichts.
          Es mangelt nicht an Daten – sondern an der Konsequenz im Handeln – vor Allem in wohlhabenden Kreisen. Der Über-Konsum zerstört die Umwelt. Diese Erkenntnis muss nicht erst immer wieder aufs Neue bewiesen werden.
          Es ist längst erwiesen das mit dem Grad des Wohlstands i.d.Regel der ökologische Fussabdruck (hier CO2-Verbrauch) steigt. Insofern bewegt man sich auf recht dünnem Eis wenn man objektiv Umweltunfreundliche Veranstaltungen wie die Vendee Globe versucht mit aktivem Klimaschutz zu verbinden. Kritik daran muss man aushalten.

          14
          5

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert