Deutsch-französischer Jugendaustausch: 10 Optisegler in der Bretagne

Endcool, diese Franzosen

Jugendaustausch, Optimist

Was heißt nochmal “Raum” auf Französisch? © Meyer

Zehn Deutsche und zehn französische Kids quälen sich durch die Menhir-Allée von Carnac: „Boaf, gähn, Steine! Obelix? Die spinnen, die Franzosen.“ Zehn Mädchen und zehn Jungen sitzen im Hochseesegel-Simulator des Eric-Tabarly-Museums in Lorient. Filme suggerieren einen Transatlantik-Törn, Wellen schlagen „übers Deck“, Wind nimmt ihnen den Atem. Klatschnass kommen alle wieder hinaus in die gleißende bretonische Sonne: „Komisch, was die alles so machen, diese Franzosen!“

Zwanzig 12-14jährige werden auf eine MOD70 im Hafen von Quiberon geladen. Das Technik-Team erklärt den riesigen Trimaran bis ins kleinste Detail, jede(r) will mindestens ein Mal im kippbaren Sessel am Ruder hinter der Windschutzscheibe („Das brauch’ ich im Opti auch!“) thronen. „Cool, was diese Franzosen so alles segeln!“

Jeweils fünf Kids in vier Beneteau 7,50 Kielbooten rasen mit einem Reff im Groß bei 4-5 Bf. durch die Bucht von Quiberon, segeln Matchraces gegeneinander, trainieren Halsen wie die Großen, hängen auf der Kante, probieren waghalsige Manöver aus, schenken sich keinen Meter, kommen strahlend wieder zurück in den Hafen. „Endcool, was die uns alles so machen lassen, diese Franzosen!“

Jugendaustausch, Optimist

Starke Truppe © meyer

Ab zum Atlantik

Es war mal wieder deutsch-französischer Kinder- und Jugendaustausch der Optimisten. Rencontre franco-allemand, wie die „andere Seite“ sagen würde. Großzügig unterstützt vom deutsch-französischen Jugendwerk (DFJW) schickte der DSV in diesem Jahr 10 Optisegler vom 29.06 bis zum 13.07 auf die bretonische Halbinsel Quiberon, ins Centre Nationale de la Voile, ein Segelstützpunkt wie man ihn sich erträumen würde.

Fünf Mädchen und fünf Jungen aus ganz Deutschland, die sich auf eine eigentlich merkwürdige Weise für dieses Abenteuer qualifizierten… indem sie sich nicht qualifizierten! Denn unter den besten Optiseglern Deutschlands kommen traditionell all diejenigen in den Genuss einer Frankreich-Fahrt, die sich nicht für die EM oder WM qualifizieren konnten. Was also zunächst wie ein Desaster aussah, konnte sich ganz schnell zu einem Glücksfall entwickeln…

Jugendaustausch, Optimist

Schutzscheibe am Steuer? Brauch ich auf dem Opti auch! © Meyer

Dieses große Los zogen in diesem Jahr Jacob Ahlers, Philipp Royla, Julius Neszvecsko, Finn Kenter, Lennart Kuss, Jolanda Lene Müller, Sofie Schöne, Carolin Schaaff, Theresa Heilingbrunner und Theresa Löffler.

Fünf Boote auf den Hänger und den Bus, fünf Youngster auf die Sitzbänke verteilt, reichlich Hörspiele an Bord und dann in zwei Etappen 1900 km von München und von Hamburg gefahren – Mitja Meyer (24, NRV, zuständig fürs Seglerische und fürs Grobe) und Charlotte Metzger (21, RCR, zuständig für die Kommunikation und stärkende Kleinigkeiten) brachten „ihre“ Schützlinge in endlos erscheinenden Autofahrten sicher an die Französische Atlantikküste. Und auch später wieder zurück.

Immerhin schon zum 37. Mal fand der Austausch statt und dennoch gab es in diesem Jahr ein Novum: Erstmals wurden Deutsche Teilnehmer bei der (dem Training traditionell anschließenden) Französischen Opti-Meisterschaft gewertet und mussten nicht außer Konkurrenz starten. Eine Premiere, die noch manchem Kopfzerbrechen bereiten sollte…

 “Wer redet mich jetzt in den Schlaf?”

Die deutschen Kinder und Betreuer wurden ausgesprochen „edel“ im neuen Centre Nationale de la Voile untergebracht, jeder im Einzelzimmer mit Bad, was jedoch nicht überall Anklang fand („Und mit wem soll ich mich nun in den Schlaf quatschen?“). Doch das war ein Problem, das sich durch eine gewisse Müdigkeit am Abend bald von alleine klären sollte.

Denn die Tage waren ziemlich gefüllt: Morgens Kultur, nachmittags segeln. Bei Ersterem standen Museums- und Schiffsbesuche (siehe oben) genauso auf dem Programm wie der Check beim Hafenmeister oder bei der Segelmacherin. Gemeinsam mit 10 französischen Kids, von wegen Kennenlernen, Sprache, Gepflogenheiten und so, wurde in mehreren Bussen die Gegend unsicher gemacht. Vom Shopping bis hin zum Strandspaziergang an der Cote Sauvage war einfach alles dabei.

GER immer vorne dabei. Immer! © meyer

GER immer vorne dabei. Immer! © meyer

Und nachmittags dann segeln. Natürlich wussten alle Deutschen, dass die Franzosen eine große Segelnation sind, doch Respekt wollte diesbezüglich nicht unbedingt aufkommen. Jedenfalls fuhren „unsere“ den „anderen“ schon beim Training gehörig um die Ohren. Und das hätte auch so bleiben können, wären da nicht so gemeine Faktoren wie etwa „kippende Tide“, Strömung, Algenteppiche, Riesenquallen, Unterwasserwracks und eine Schwarze Flagge ins Spiel gekommen. Aber davon später mehr.

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4 Kommentare zu „Deutsch-französischer Jugendaustausch: 10 Optisegler in der Bretagne“

  1. avatar Sven sagt:

    Sehr schöner Bericht! Gut geschrieben!
    Find ich gut, so ein Segleraustausch. Hilft sicherlich sehr, andere Nationen und Arten des Segelns kennenzulernen.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 21 Daumen runter 0

  2. avatar Schnellschuss sagt:

    Charlotte, you made my evening. Genial geschrieben. Segeln mit Spaß und viel Abwechslung zu vermitteln und zu üben, scheint ein sehr guter Weg zu sein…

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 15 Daumen runter 0

  3. avatar Alex sagt:

    Toller Bericht über zwei unvergessliche Wochen! Nicht nur seglerisch, sondern auch für’s Leben eine wunderbare Erfahrung (Vater eines Teilnehmers). Charlotte und Mitja, dafür “libben wir Euch”!

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  4. avatar Susanne sagt:

    Wunderbar geschriebener und interessanter Artikel über die wohl besten zwei Segelwochen unserer Optisegler in dieser Saison! Wir können uns den Vorrednern nur anschließen, diese Zeit wird für die “deutschen Franzosen und Französinnen” unvergessen bleiben, herzlichen Dank an das DFJW und den DSV, und natürlich an die Superbetreuung!

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