Deutsche 470er-Teams: Olympia-Enttäuschungen – Neue Pläne für 2024 im Mixed-Modus

„Ich kann es so nicht beenden"

Vor einem Monat entschied sich bei der Weltmeisterschaft in Vilamoura die Olympia-Qualifikation im 470er. Für etliche Teams endete mit dieser WM auch der gemeinsame Weg – der 470er bleibt zwar olympisch, wird ab 2024 aber im Mixed-Team gesegelt. Wer im olympischen Segelsport bleiben möchte, muss sich also neu orientieren. Wir blicken auf die Titelkämpfe in Portugal zurück, zeigen erste Pläne für die Zukunft auf und stellen neue Teamkonstellationen vor.

Die WM in Portugal in Hinblick auf die Olympischen Spiele noch einmal zusammengefasst: Während sich bei den deutschen 470er-Frauen sich in der nationalen Ausscheidung Luise Wanser und Anastasiya Winkel durchsetzten, konnten die deutschen 470er-Männer nicht das Nationenticket im Rahmen der europäischen Qualifikation für Tokio sichern.

Simon Diesch und Philipp Autenrieth starten 2021 bei der 2021 noch einmal in gewohnter Crew-Konstellation. © Lars Wehrmann

Für Simon Diesch und Philipp Autenrieth endete die Weltmeisterschaft in Vilamoura „bittersweet“, so beschreibt es Vorschoter Philipp Autenrieth: Im letzten Rennen kam das Team auf dem zweiten Platz ins Ziel. „Wir haben fast jeden Tag einmal gezeigt, dass es geht, dass wir vorne mitfahren können“, sagt Philipp Autenrieth, „aber vor Vilamoura fehlte uns die Konstanz“. Diesch/Autenrieth und ihre Trainingspartner Malte Winkel/Matti Cipra hatten vor der WM intensiv mit einem schwedischen und einem spanischen Team trainiert, die bei der WM Podiumsränge erreichten. Mit Blick auf die portugiesischen Costa-Brüder, die Vizeweltmeister wurden und das letzte europäische Nationenticket sicherten, fügt Autenrieth hinzu: „Hätte mir vor der WM jemand gesagt, dass man Weltmeister werden muss, um den letzten Olympiaplatz für europäische Teams zu ersegeln, ich hätte ihm nicht geglaubt.“

Simon Diesch und Philipp Autenrieth haben mit dem Revier vor Vilamoura noch eine Rechnung offen, treten bei der Europameisterschaft Ende April in gewohnter Team-Konstellation an. Wie es danach weitergeht? „Mir macht Segeln immer noch wahnsinnig viel Freude, ich will weitermachen“, sagt Philipp Autenrieth entschlossen. Ebenso wie Steuermann Simon Diesch nimmt er die Olympischen Spiele 2024 in Marseille in den Blick. Finanzieller, logistischer und zeitlicher Aufwand hielten sich im Vergleich zu Japan in Grenzen, dies sei ein zusätzlich motivierender Faktor für eine weitere Kampagne, so Autenrieth.

„Ich unterstütze meine Frau bei ihrem Weg zu den Olympischen Spielen“

Anastasiya und Malte Winkel sind seit 2017 verheiratet. © DSV/Felix Diemer

Auch für Malte Winkel und Matti Cipra endete in Vilamoura der Traum von der gemeinsamen Olympiateilnahme. Das Team aus Mecklenburg-Vorpommern zeigte bei der WM immer wieder gute Platzierungen, aber „wir konnten unsere Stärken vor allem im Bereich Technik unter den herrschenden Bedingungen nicht ausspielen“, sagt Malte Winkel. Mit jedem Tag, an dem die portugiesischen Costa-Brüder ihre nahezu makellose Serie fortsetzten, schwand die Hoffnung der deutschen Teams. „Wir haben im letzten Jahr intensiv trainiert und natürlich ist es bitter, dass wir am Ende nicht die Leistung zeigen konnten, welche wir aus unserer Sicht in der Lage sind zu zeigen“, so der Steuermann.

Malte Winkel nimmt sich eine seglerische Auszeit, in der er seine Frau Anastasiya und ihre Teampartnerin Luise Wanser auf ihrem Weg zu den Olympischen Spielen in Tokio bestmöglich unterstützen will. Auch das Studium rückt für Malte Winkel wieder in den Fokus.

„Jetzt wird erstmal ein neues Kapitel aufgeschlagen“, sagt der 27-Jährige: „Jetzt können neue Dinge passieren.“ Auch die werden mit Sicherheit mit Wind und Wasser zu tun haben, denn „der Tag, an dem ich keine Lust mehr habe aufs Segeln, der wird nie kommen!“

Malte Winkels Vorschoter Matti Cipra hat bereits ein neues seglerisches Kapitel aufgeschlagen: Er startet bei der Europameisterschaft in Vilamoura mit Theres Dahnke in der Mixed-Wertung. Dahnke und ihre Vorschoterin Birte Winkel waren bei der Weltmeisterschaft in Vilamoura überraschend als führendes deutsches Team ins Medal Race gegangen und bei der nationalen Entscheidung für die Olympia-Qualifikation nur knapp Luise Wanser und Anastasiya Winkel unterlegen.

„Ich kann es so nicht beenden, dafür habe ich zu hart gearbeitet“

Anna Markfort will weitermachen und nimmt die Olympischen Spiele in Marseille 2024 in den Blick. © DSV/Lars Wehrmann

Frederike Loewe und Anna Markfort hatten bei der Weltmeisterschaft 2019 das Nationenticket für die deutschen 470er-Frauen ersegelt und waren als Favoritinnen in die nationale Ausscheidung gegangen. Auf den jungen Frauen lastete vor der Weltmeisterschaft in Vilamoura hoher Druck – der sich noch steigerte, als klar wurde, dass eine einzige Regatta über die Olympiateilnahme entscheidet.

Loewe und Markfort erfuhren davon im Trainingslager in Vilamoura, wo sie bereits fast zwei Monate mit ihrem Trainer Steven Lovegrove verbracht hatten. Die enge „Bubble“, in der sich nur Coach und Team sehen konnten, ließ wenig Raum für den nötigen geistigen Abstand, wie Anna Markfort im Nachhinein feststellt. Doch die Corona-Beschränkungen hätten eine Heimreise vor dem Event mit einer zu langen Quarantänezeit verbunden.

Der lang erwartete Regatta-Auftakt verlief für das Berliner Team ganz anders als erhofft: Die Bedingungen waren komplett andere als während der Trainings, sehr lokal geprägt und schwer vorhersehbar. Alle Top-Teams leisteten sich etliche Ausrutscher. „Konservatives Segeln wurde nicht belohnt“, so Anna Markfort. Nur bei wenigen Wettfahrten konnten Loewe/Markfort ihr Potenzial zeigen, am Ende reichte es nicht.

„Ich war sehr traurig, dass Fredi und ich es nicht zusammen geschafft haben“, so die Vorschoterin. Was ihr wichtig ist: „Wir haben als Team zusammengehalten.“

Aus der Enttäuschung ist bei Anna Markfort auch Trotz und neue Energie erwachsen: „Ich kann es so nicht beenden, dafür habe ich zu hart gearbeitet.“

Daniel Göttlich, hier mit seinem ehemaligen Vorschoter Linus Klasen, der auf den Laser Standard umgesattelt hat. © DSV/Lars Wehrmann

Die 27-jährige startet bei der Europameisterschaft in Vilamoura mit Steuermann Daniel Göttlich. Der 20 Jahre alte Berliner wurde 2019 mit Linus Klasen Junioren-Vizeweltmeister im 470er. Bereits vor einem Jahr fragte er Anna Markfort, ob sie sich eine gemeinsame Kampagne vorstellen könnte. Die erfahrene Vorschoterin freut sich auf die neue Erfahrung in der Mixed-Konstellation: „Das hilft mir sicherlich, die Enttäuschung zu verarbeiten und nach vorne zu schauen.“

Ihren in Tokio startenden Teamkolleginnen hat Anna Markfort Unterstützung angeboten, sei es bei Fragen zum Revier oder als Trainingspartnerin im Team mit Daniel Göttlich. Auch bei der Verladung des Olympiaboots von Luise Wanser und Anastasiya Winkel packte sie mit an. Einen fremden 470er auf die Reise nach Japan zu schicken sei natürlich hart gewesen, so Anna Markfort, aber sie versuche, in größeren Dimensionen zu denken: „Mir ist es wichtig, dass unser Segelsport in der 470er-Klasse vorne vertreten ist“. Und dafür will auch sie als Aktive weiter ihren Beitrag leisten.

Die Europameisterschaftsrennen der 470er beginnen am 2. Mai in Vilamoura (Portugal). Am 7. Mai segeln die jeweils besten zehn Frauen-, Männer- und Mixed-Teams ihr Medal Race.

Quelle: Deutscher Segler-Verband

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

sechs + 13 =