2022 endete Guy de Boers Golden-Globe-Abenteuer nach 14 Tagen auf den Felsen von Fuerteventura. Vier Jahre später steht der 70-jährige Amerikaner wieder auf der Meldeliste – mit repariertem Rumpf, notorisch knapper Kasse und dem festen Willen, den Schiffbruch von damals vergessen machen zu lassen.

Wovon „lebt“ eine Regatta wie das Golden Globe Race (GGR) wirklich? Was „kann“ ein Rennen, wenn man es als solches überhaupt bezeichnen darf, das seine Segler auf Retro-Booten im Slow-Down-Modus sieben bis acht Monate lang alleine und nonstop um die Welt. Die Antwort fällt allen leicht, die beide bisherigen Ausgaben des Golden Globe Race verfolgt haben: Abenteuer, Nostalgie und kernige Typen, wie man sie nur noch selten im modernen Hochseezirkus erleben darf.

Guy de Boer ist ein solcher Fall. Wer den Amerikaner beim Start 2022 in Les Sables-d’Olonne erlebt hat, erinnert sich an einen Seebären, der das Klischee dieser Haudegen der Meere nicht nur bedient, sondern erfüllt: Zigarren, große Klappe, noch größeres Sendungsbewusstsein, dazu der unüberhörbare Wille, ausgerechnet in einem Rennen mit Sextant, Papierkarten und Windfahnen-Autopiloten etwas zu erreichen, was noch kein Amerikaner geschafft hat – der Sieg bei einer Solo-Nonstop-Weltumseglung!
Das Publikum mochte ihn vor vier Jahren sofort. Viele hatten sich regelrecht auf ihn „eingenordet“, verliehen ihm sogar einen Favoritenstatus. Und dann war alles viel zu früh nach 14 Tagen vorbei: Strandung und Schiffbruch! In der Nacht zum 17. September 2022 lief seine Tashiba 36 „Spirit“ vor der Nordküste Fuerteventuras auf einen Lavastein-Felsen, nur wenige Stunden nachdem er das sogenannte Film-Gate, durch das man obligatorisch beim GGR segeln muss, bei Lanzarote passiert hatte.
Das Schiff saß zunächst ohne größere ersichtliche Schäden auf dem vorgelagerten Riff fest, doch die zunehmende Brandung setzte dem Rumpf massiv zu. Während schwere Wellen das Boot immer wieder hart auf den Untergrund hämmerten, machte de Boer die Rettungsinsel klar. Er zögerte jedoch, sein Boot in der Dunkelheit bei der schwer einschätzbaren Brandung und den scharfkantigen Felsen zu verlassen. Diese Entscheidung erwies sich als richtig: Die Gewalt der Wellen hob das Boot schließlich über den Felsen und trieb es näher an den Strand. Erst dort, im flacheren Wasser, konnte de Boer sich in Sicherheit bringen.

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