Bei einem neuen IMOCA wird gern über die großen Linien gesprochen: Konstruktion, Foils, Kampagne, Kalender, Weltumsegelung. Am Morgen nach dem Stapellauf schrumpft all das für einen Moment auf sehr einfache Dinge zusammen: ein Taucher im Hafenbecken, ein Kran am Kai, eine Schlinge am Kiel und ein Vermesser, der Abstände zum Wasser notiert.

Gestern schwamm Malizia zum ersten Mal, heute lag der IMOCA schon quer. Kaum ist die erste Aufregung des Stapellaufs abgeklungen, kaum steht der Mast, kaum hat der Hafen von Lorient die neue Malizia 4 als weiteres Carbonmöbel in sein Bild aufgenommen, folgt der nächste Punkt auf der Liste. Nicht Segel setzen und hinaus in die Biskaya. Und schon gar nicht erste sensationelle Bilder auf den Foils mit Gischt und Sonnenlicht. Nein, erst wird gekentert. Natürlich nicht richtig, sondern kontrolliert. Wobei kontrolliert in diesem Fall heißt: ein Kran am Kai, ein Taucher im Wasser, eine schwere Schlinge um den Kiel, die komplette Crew an Land und auf den Begleitbooten, ein IMOCA-Vermesser mit Messgerät – und ein 60-Fuß-Renner, der langsam auf die Seite gelegt wird, bis der Mast eine waagerechte Linie über dem Hafenbecken zeichnet.
Der 90-Grad-Test gehört zu den Momenten, in denen Offshoresegeln kurz sein romantisches Hemd auszieht und darunter sehr viel Vermessungstechnik zum Vorschein kommt. Es geht dabei nicht um Pose, sondern um Stabilität, Schwerpunkt, Aufrichtmoment und den Nachweis, dass dieses Boot im Extremfall „eigenständig“, ohne Hilfe von außen, sich wieder aufrichten wird.

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