Ein rein deutsches 470er-Podium ohne Finale und eine hauchdünne Bronzemedaille im 49erFX für Sophie Steinlein und Catherine Bartelheimer vom NRV Hamburg – das sind die größten Erfolge für den Deutschen Segler-Verband im olympischen Teil der Kieler Woche.
Eine weitreichende Flaute ließ am Mittwoch (24. Juni) nur vier von zwölf geplanten Medaillenrennen zu. Das beraubte auch die ILCA-7-Asse Ole Schweckendiek (Kiel) und Philipp Buhl (Sonthofen) als Vierter und Fünfter der Chance, noch aufs Treppchen des Sailing Grand Slams zu steigen. Die fünf weiteren Goldmedaillen gingen an die Schweiz (49er), Kanada (49erFX), Italien (ILCA 7), Dänemark (ILCA 6) und Großbritannien im Nacra 17.

Ein nervenzehrendes Geduldspiel endete am Finaltag zunächst für die 49erFX-Frauen, die schon zum Auftakt als einzige Klasse zu Wettfahrten gekommen waren. In den beiden hochspannenden Medal Races wechselten die Positionen im Sekundentakt. Am Ende gab es Schampus aus einer Neoprensocke für die überlegenen Gesamtsiegerinnen Georgia und Antonia Lewin-Lafrance aus Kanada. „Wir lieben die Kieler Woche mit der exzellenten deutschen Organisation“, dankte die Vorschoterin direkt nach dem Zieleinlauf.

Nachdem Helen Pais und Helen Ausman aus Estland Silber sicher hatten, wurde es dramatisch. Hinter den Tagessiegerinnen Steinlein/Bartelheimer erkämpften sich Johanne und Andrea Schmidt aus Dänemark im Ziel den vierten Platz. Punktgleichheit! Doch was gibt dann den Ausschlag? Nach Anhang A 8.1 der Wettsegelregeln der erste Platz im Vergleich zum vierten. Steinlein, die am Gardasee zuhause ist, jubelte mit ihrer Kieler Vorschoterin und den Olympia-Sechsten Marla Bergmann/Hanna Wille (Hamburg/Kiel), der besten Finalcrew, für die es aber nur noch zum sechsten Platz reichte.
Im Männer-Skiff war die Entscheidung um Gold knapper. Die Schweizer Joshua Richner und Nilo Schärer hatten den Bug vor der israelischen Crew Illy Wureit und Yuval Barnoon. „Das war mental eine Riesen-Anspannung im Finale, aber wir haben uns fokussiert und auf uns selbst konzentriert“, sagte Nilo Schärer, „dass es sogar noch zu Gold gereicht hat, freut uns natürlich sehr.“ Vom neuen Olympia-Format sind die Schweizer weniger begeistert, obwohl die Rechnung für sie aufging. Bronze gewannen Nevin Snow und Ian Macdiarmid aus den USA. Richard Schultheis, der auf Malta wohnt, uns sein Kieler Vorschoter Fabian Rieger hatten bereits nach der ersten Wettfahrt (7.) keine Medaillenchance mehr und beendeten die Kieler Woche auf dem achten Platz.
Nervenstark zum Kieler-Woche-Sieg im 49er: Joshua Richner und Nilo Schärer aus der Schweiz. Foto: Sascha Klahn/Kieler Woche
Trotz Sommerhitze nun auch in Schleswig-Holstein spielte die thermische Seebrise der Segelgemeinde am Mittwoch nicht in die Karten. „Der schwache Gradientwind hat lange dagegen gearbeitet“, erklärte Meteorologe Sebastian Wache von der Kieler Wetterwelt, „es gab immer wieder Flautenlöcher und starke Winddreher.“ Selbst dicht unter Land vor dem Eingang zur Kieler Innenförde baute sich keine stabile Brise auf.
Leidtragende waren die ILCA 6 und 7, die keine Wettfahrt mehr segelten. Kieler-Woche-Sieger im ILCA 7 wurde dadurch der Italiener Attilio Borio vor dem Franzosen Lorenzo Mayer und John Frederik Wolff aus Dänemark. Den beiden deutsche Medaillenanwärtern Schweckendiek und Buhl blieb nur ein Schulterzucken.
Im ILCA 6 gab es einen Doppelsieg für Danish Dynamite: Helena Wolff (Schwester von John Frederik ) gewann vor Anna Munch. Bronze ging an die Italienerin Chiara Benini Floriani.
Auch die Nacra 17 blieben mangels Wind und Finalrennen im Hafen. John Gimson und Anna Burnet aus Großbritannien sind damit Sailing Grand Slam Champions. Sie gewannen überlegen vor Emil Jarüdd und Hanna Jonsson (Schweden). Punktgleich müssen sich die Australier Ruben und Rita Booth mit „Bronze“ begnügen.

Auch die Weltmeisterschaft der Flying Dutchman startete nach einer bunten Eröffnung am Vorabend zunächst nur an Land. Erst zwei, dann drei Stunden Startverschiebung von Wettfahrtleiter Stephan Giesen, dann wurde der WM-Auftakt ganz abgesagt. Am Donnerstag soll es um 11 Uhr losgehen, während die weiteren internationalen Klassen mit dem Eurocup der 29er für 13 Uhr angesetzt sind.
Ergebnisse Kieler Woche 2026
Quelle: Kieler Woche/Andreas Kling
Die Pressemitteilung des DSV:
Kieler Woche: Goldenes Heimspiel für deutsche Seglerinnen und Segler
Kiel, 24, Juni 2026 – In sechs olympischen Klassen holten die deutschen Seglerinnen und Segler bei der 132. Kieler Woche vier Medaillen. Das 470er-Mixed-Podium besetzten sie alleine.
Viel Sonne, wenig Wind: Die erste olympische Halbzeit der 132. Kieler Woche ging am Mittwoch zu Ende, wie sie begonnen hatte. Ein hartnäckiges Hochdruckgebiet prüfte über fünf Tage vor allem die Leichtwindkünste der Olympiaseglerinnen und -segler aus aller Welt. Mit einmal Gold, einmal Silber, zweimal Bronze und insgesamt 14 Top-Ten-Platzierungen machten die GER-Seglerinnen und -Segler ihr Heimspiel zum sonnigen Segelsommerfest.
Allen voran sorgten die deutschen 470er-Mixed-Duos für ein komplett schwarz-rot-goldenes Podium. Die Vizeweltmeister Simon Diesch und Anna Markfort (Württembergischer Yacht-Club/Verein Seglerhaus am Wannsee/Joersfelder Segel-Club) siegten vor Malte Winkel/Bente Batzing (Norddeutscher Regatta Verein/Schweriner Yacht-Club/Schweriner Segler-Verein) und Theresa Löffler/Christopher Hoerr (Deutscher Touring Yacht-Club/Segelclub Breitbrunn Chiemsee).
Auch im Leichtwindpoker Spitze: Simon Diesch/Anna Markfort
Für Simon Diesch ist es der zweite, für Anna Markfort schon der dritte Kieler-Woche-Sieg. „Und der ist deswegen viel wert, weil wir so wenig Wind hatten. Das waren ja in der Vergangenheit eher nicht so unsere Sahnebedingungen“, sagte Anna Markfort, die dabei vielleicht auch an den für ihr Team enttäuschenden 13. Platz bei der Olympia-Regatta in Marseille dachte, als häufig leichte Winde das Spiel diktiert hatten. Inzwischen haben Simon Diesch und Anna Markfort ihre zweite Olympia-Kampagne eingeläutet.
Wie ihre Teamkameraden, nehmen auch Diesch/Markfort nach der Kieler Woche Kurs auf die Weltmeisterschaft in Enoshima. In Japan wird der 470er-Mixed-Jahreshöhepunkt vom 10. bis 17. August ausgetragen. Seinen Ehrgeiz versteckt das Team nach dem goldenen Erfolg auf der Förde nicht. Anna Markfort sagte mit Blick auf die WM: „Wir wollen mindestens aufs Treppchen.“
Mit Kampfgeist und Konzentration: Sophie Steinlein/Catherine Bartelheimer
Die vierte DSV-Medaille sicherten die 49er-FX-Seglerinnen Sophie Steinlein und Catherine Bartelheimer (Norddeutscher Regatta Verein/Segelclub Inning am Ammersee). Dabei mussten sie nach den Medaillenrennen noch lange zittern, bis die Jury die Punktgleichheit mit den viertplatzierten Däninnen Johanne und Andrea Schmidt zugunsten des deutschen Duos aufgelöst hatte. Bei Sophie Steinlein und Catherine Bartelheimer war die Freude über Kieler-Woche-Bronze dann riesig. Die Medaille belohnte auch den Kampfgeist der Vorschoterin, die sich vor der Kieler Woche bei der Frauen-Regatta Helga Cup heftig im Gesicht verletzt hatte.
„Wir wussten bis kurz vor der Kieler Woche noch nicht, ob wir starten können. Dann haben wir uns eingegrooved und langsam vorgearbeitet. Unsere Konstanz war gut“, sagte Steuerfrau Sophie Steinlein. Und auch dies: „Früher war ich beim Leichtwindsegeln wie bei dieser Kieler Woche nicht so gut. Jetzt finde ich das aber ganz cool.“ Ihr Medaillenrezept? „Wir starten immer relativ konservativ, können uns dann zum Ende hin steigern. Da sind die zwei Medaillenrennen am Ende gut, auch wenn es natürlich schön wäre, sein Ergebnis direkt zu erfahren.“
Zwei Top-Fünf-Plätze im ILCA 7: Ole Schweckendiek und Philipp Buhl stark
Hochdruckgebiet „Hartmut“ sorgte am Finaltag der ersten olympischen Halbzeit der Kieler Woche dafür, dass wie im 470er-Mixed auch die Medaillenrennen in den Klassen Nacra 17, ILCA 6 und ILCA 7 entfallen mussten. So kam es nicht mehr zum mit Spannung erwarteten Finalduell zwischen dem nach nur fünf ILCA-7-Rennen auf Platz vier liegenden Ole Schweckendiek (Kieler Yacht-Club) und dem einen Platz dahinter positionierten Philipp Buhl (Norddeutscher Regatta Verein/Segelclub Alpsee-Immenstadt).
„Es war schade, dass wir in dieser Woche wenig und heute gar nicht mehr racen konnten“, sagte der 21-jährige Kieler Ole Schweckendiek. Er konnte einmal mehr feststellen, „dass ich wenig Wind ganz gut kann“. Einige Fehler hat er bei sich beobachten können, gleichzeitig aber auch „ganz gute Aufholqualitäten“. Zwei Tage vor dem Finale hatte Ole Schweckendiek das größte olympische Kieler-Woche-Feld der 119 ILCA-7-Segler noch angeführt.
„Sportlich zufrieden“ war auch Philipp Buhl mit seinem fünften Platz. Das Fazit des Allgäuers: „Für den Wind kann niemand was. Ich bin nach dem turbulenten letzten Jahr sehr froh zu sehen, wie sich die Kieler-Woche-Organisatoren ins Zeug gelegt und welche positiven Veränderungen sie hingelegt haben. Man hat gut gespürt, wie sie das Event für die Seglerinnen und Segler verbessert haben.“
Schultheis/Rieger angriffslustig im Medaillenfinale
Zu den Top-Ten-Platzierungen trugen auch Richard Schultheis und Fabian Rieger (Norddeutscher Regatta Verein/Verein Seglerhaus am Wannsee) als einzige deutsche Crew in den beiden Medaillenfinals der 49er-Asse bei. Obwohl sie fulminant in die Entscheidungsläufe starteten, konnten sie sich nach Rang sieben im ersten der beiden Durchgänge von Platz acht nicht mehr vorarbeiten. Der dritte Rang im letzten Lauf kam zu spät. „Wir sind heute voll auf Angriff gefahren. Doch nach dem ersten Rennen war es entschieden“, sagte Fabian Rieger.
Steuermann Richard Schultheis sagte: „Wir hatten einen schwierigen Start in die Regatta, konnten aber im Laufe der Woche Boden gutmachen. Dadurch befanden wir uns am letzten Tag in einer schwierigen Ausgangslage im Kampf um die Medaillen. Leider ist das erste Medaillenrennen nicht gut gelaufen, sodass es nicht ausreichte, um in der Rangliste weiter nach oben zu klettern.“
Im ILCA-6-Feld von 55 Starterinnen überraschte Clara Bonhagen vom Zwischenahner Segelklub von 1893 mit ihrer Qualifikation für die Medaillenrennen der Solistinnen. Eine Chance, sich noch weiter vorzuarbeiten, bekam die Deutsche IlLCA-4-U21-Vizemeisterin von 2024 aber aufgrund der abgesagten Medaillenrennen nicht. Wie die 470er-Mixed-Crews sind auch die ILCA-Solist*innen bald schon bei ihren WM-Gipfeln gefordert: Die ILCA-7-Männer vom 23. bis 30. Juli im irischen Dun Laoghaire, die ILCA-6-Frauen vom 5. bis 12. September im selben Revier. Ganz nah ist schon die Europameisterschaft für 49er, 49erFX und Nacra 17 vom 7. bis 12. Juli in Eckernförde.
Applaus von Cheftrainer Dom Tidey
Am Schlusstag der olympischen Halbzeit zog für das German Sailing Team Cheftrainer Dom Tidey hocherfreut Bilanz: „Wir haben ein dreiwöchiges Kiel-Camp mit einer starken Kieler Woche beendet. Sie war ein Erfolg für die Organisatoren und für das German Sailing Team.“

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