Kieler Woche: Fliegen ist Segelsport 3.0

Den Wespen gehört die Zukunft

Wenn die „Wespen“ ins Fliegen kommen, sind spektakuläre Bilder und Action programmiert. Die relativ junge Waszp-Klasse war 2021 erstmals bei der Kieler Woche am Start und hinterließ einen bleibenden Eindruck. Aufgrund der Flaute blieb es zwar bei nur einem Wettfahrttag – sehr zum Bedauern der Aktiven – aber an dem Traumsonntag bei frischem Ostwind haben die kleinen Foiler ein Ausrufezeichen gesetzt. Wenn es nach dem Kieler Adrien-Paul Farien, Vize-Europameister und Class-Ambassador ginge, wären die rasanten Fluggeräte von nun an regelmäßig bei der Kieler Woche vertreten – mit Unterstützung vom obersten Regattaleiter Dirk Ramhorst, der sie 2022 wiedersehen möchte.

Die Waszp dürften künftig zum gewohnten Bild der Kieler Woche gehören.  Foto: ChristianBeck.de

Gerne wäre Farien in Kiel noch mehr Rennen gefahren und war etwas enttäuscht, dass es keine Chance mehr zur Aufholjagd gab. „Ich bin nicht zufrieden mit dem Ergebnis. Aber mein Ziel war es natürlich zu gewinnen“, sagt Farien, der in der Waszp-Klasse Platz zwei belegte. Bei den fünf Rennen an einem Tag – sechs waren geplant – hätten alle Aktiven mit den Bedingungen auf Bahn India gekämpft. Bei Ostwind gibt es auf der Kieler Bucht jedoch wenig Schutz gegen die ruppige Welle. „Teilweise mussten wir auch wegen des vielen Seegrases anhalten, das war zusätzlich schwierig“, berichtet der Vizeeuropameister. Das Niveau sei indes erfreulich hoch gewesen bei der Kieler Woche, ungeachtet der ungezählten Kenterungen und nicht beendeten Rennen bei der Hälfte des Felds. „Das war ein gutes, enges Racing“, meint Farien, der für den Kieler Yacht-Club antritt.

Erst zu Beginn der Corona-Zeit ist er in die Waszp-Klasse gewechselt, nachdem er sieben Jahre mit Mirco Klösel im 29er und 49er segelte. Danach war es schwierig, einen passenden Ersatz für den ausscheidenden Teamkollegen zu finden. „Da kam die Waszp als aufstrebende Klasse für Solosegler, in der jeder Gute schnell vorne mit dabei sein kann, für mich gerade zur rechten Zeit. Die nicht-olympische Klasse vereint Segeln auf hohem Niveau mit Spaß“, so der erfolgreiche Nachwuchssegler.

Der Vize-Europameister Adrien-Paul Farien wurde auch bei der Kieler Woche Zweiter.  Foto: ChristianBeeck.de

Der Plan, schnell ganz vorne mit dabei zu sein, ist für Paul Farien aufgegangen. Bei der Europameisterschaft am Gardasee flog er souverän zu Silber. Obwohl der Kieler Student sich in der Einheitsklasse sehr wohl fühlt, plant er in absehbarer Zeit den Umstieg auf die „Motte“. Die Moth ist eine Konstruktionsklasse, in der Americas Cup-Cracks und viele weitere Profis antreten. „Ich stehe hinter der Waszp, will es aber noch einmal wissen. Mein Ziel ist es, irgendwann zu den besten Seglern der Welt zu gehören. Das geht nur mit einem Wechsel“, erklärt der ehrgeizige und ambitionierte Segler. Er plane trotzdem, weiterhin an Waszp-Regatten teilzunehmen. „Und in die Einheitsklasse kann ich jederzeit zurückkommen“, ergänzt er. Der 50-jährige René Schwall, Bronzemedaillengewinner vor Sydney 2000 im Tornado, sei das beste Beispiel dafür. Schwall hatte vor der Kieler Woche erst wenige Trainingstage absolviert und am Ende „mehr gebadet als geflogen“. Er brachte keine Wettfahrt ins Ziel.

Auch Tornado-Bronzemedaillengewinner René Schwall hat sein neues Sportgerät in der Waszp-Klasse gefunden.  Foto: ChristianBeeck.de

Gleichwohl ist die Waszp für unterschiedliche Leistungsniveaus ebenso geeignet wie für jede Alters- und Gewichtsklasse. Die optimale Windgeschwindigkeit für das Boot mit einer Rumpflänge von 3,35 Metern und einer Breite von 2,24 Metern sind sieben bis 25 Knoten. Die Norwegerin Mathilde B. Robertstad beweist, dass sich Frauen problemlos gegen die größtenteils männliche Konkurrenz durchsetzen können. Gegen Paul Farien hat sie erfolgreich um den Kieler Woche-Sieg gekämpft. Nach einigen Jahren im Opti und kurzer Zeit im Laser segelt sie seit 2018 in der Waszp. Was ihr daran besonders gefällt? „Das Foilen überm Wasser macht riesig Spaß. Außerdem ist viel Technik gefragt. Die Herausforderung besteht darin, dass alles sehr schnell geht und nicht viel Zeit zum Nachdenken bleibt“, sagt die 18-Jährige aus dem norwegischen Tønsberg. In ihrem Heimatland gebe es deutlich mehr Mädchen in der Klasse als anderswo. Ein bisschen enttäuscht war sie, dass es nach der langen Anreise nur an einem Tag aufs Wasser ging. Ansonsten sei sie von der starken Segelszene in Kiel begeistert, so die blonde Schülerin.

Die Norwegerin Mathilde B. Robertstad zeigte den Männern bei der Kieler Woche-Premiere das Heck ihrer „Wespe“.  Foto: Katrin Heidemann

Aus dem Süden ist Linus Rindsfüser zur Kieler Woche angereist. Für den 21-Jährigen vom Thunersee-Yachtclub in der Schweiz war Kiel kein neues Segelrevier. Er nahm bereits dreimal im 420er und einmal im 49er teil. Erst im Frühjahr stieg er zum regelmäßigen Training in die Waszp um. In Kiel flog er mit seiner „Wespe“ auf den dritten Platz und ist damit sehr zufrieden. Das Geradeausfliegen sei schnell erlernbar, komplizierter werde es bei den Manövern. „Die Klasse ist perfekt für alle, die nicht-olympisch segeln und Spaß haben wollen. Vor dem Wind fliegen wir mit gut 20 Knoten Geschwindigkeit. Und hin und wieder baden zu gehen, gehört einfach dazu“, erklärt der Schweizer den Reiz der Klasse.      (khe)

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