Kieler Woche olympisch: Hochspannung im ILCA – Philipp Buhl mit Aufholjagd

Zehn deutsche Boote auf Medaillenkurs

Zehn deutsche Boote gehen am Mittwoch (24. Juni) auf der Kieler Woche in die beiden finalen Medaillenrennen der sechs olympischen Disziplinen des Sailing Grand Slams. Beste Chancen haben drei 470er-Mixedcrews, die bereits alle Podiumsplätze belegen. Auf Bronzekurs liegen Sophie Steinlein vom Gardasee und Catherine Bartelheimer aus Kiel im 49erFX. In Lauerstellung direkt hinter den ersten drei ILCA 7 wollen Ole Schweckendiek (Kiel) und Philipp Buhl (Sonthofen) „nochmal angreifen“.

Philipp Buhl liegt nach einem starken Renntag bei der Kieler Woche auf Rang fünf direkt hinter Ole Schweckendiek. ©Felix Diemer/Kieler Woche / media.sailing.kieler-woche.de

„Hellwach bleiben, zu jeder Sekunde auf die Windschwankungen achten und die Nerven behalten – das war wichtig bei diesen trickreichen Leichtwindbedingungen“, resümierte Vizeeuropameister Buhl den vierten Regattatag der Kieler Woche. Die ILCA 7 mussten noch einmal in zwei Gruppen Vorrennen segeln, weil sie bis dahin nur drei Wettfahrten absolviert waren. „Für diese Wetterlage kann ja niemand etwas“, ergänzte Buhl, der natürlich auch lieber in einer Goldflotte nur gegen die Besten angetreten wäre. Als Siebter und Vierter gehörte der dreimalige Olympiateilnehmer zu den Tagesbesten und machte einen Riesensprung auf Platz fünf.

Zwei Elfte kosteten den Kieler Ole Schweckendiek dagegen nicht nur das gelbe Trikot des Gesamtführenden, das er fünf Zähler zurück an Attilio Borio aus Italien abgab. Auch Lorenzo Mayer (Frankreich) und John Frederik Wolff (Dänemark) zogen vorbei, allerdings beide nur um einen Punkt. „Das ist nicht so schlimm, da ist in den Finals noch alles drin“, blies Schweckendiek schon mal zum Angriff. Auch Philipp Walkenbach (Potsdam) zog als Zehnter überraschend noch in die Top Ten ein.

Helena Wolff aus Dänemark ist Top-Favoritin auf den Kieler-Woche-Gesamtsieg in der ILCA 6. Helena Wolff aus Dänemark ist Top-Favoritin auf den Kieler-Woche-Gesamtsieg in der ILCA 6. Foto: Felix Diemer/Kieler Woche / media.sailing.kieler-woche.de
Felix Diemer/Kieler Woche / media.sailing.kieler-woche.de

Das gleiche Kunststück gelang Clara Bonhagen vom Zwischenahner Meer als Neunte der ILCA 6. Ihr kommt das neue olympische Wertungssystem entgegen, nachdem sie trotz großen Punktrückstands aus den Vorrennen nun theoretisch sogar noch Silber gewinnen kann. Mit maximal möglichem Vorsprung von neun Punkten durch einen Tagessieg im siebten Rennen geht die Dänin Helena Wolff in die Finals, während ihre Landsfrau Anna Munch passen musste. Sie ist immerhin noch Zweite vor Chiara Benini Floriani aus Italien.

Richard Schultheis und Fabian Rieger haben noch Chancen auf eine Medaille im 49er auf der Kieler Woche 2026. © Sascha Klahn/Kieler Woche / media.sailing.kieler-woche.de

Offenes Visier und voll ins Risiko – das muss die Devise für die deutsche 49er-Crew Richard Schultheis und Fabian Rieger lauten, wenn sie am Mittwoch ihre erste Kieler-Woche-Medaille gewinnen wollen. Die Segler vom Norddeutschen Regatta Verein und dem Seglerhaus am Wannsee stehen auf Platz acht des Skiff-Feldes nach drei soliden Wettfahrten am Dienstag. „Es sind noch zwei Rennen. Da kann alles passieren“, sagte Steuermann Schultheis zuversichtlich. In der Poleposition für Gold sind die Israelis Illy Wureit und Yuval Barnoon. Dahinter folgen Joshua Richner und Nilo Schärfer aus der Schweiz vor der US-Amerikanern Nevin Snow und Ian Macdiarmid, die ihr gelbes Trikot gegen das rote eintauschen müssen.

Besser sehen die deutschen Medaillenchancen im Skiff der Frauen aus. Sophie Steinlein mit Vorschoterin Catherine Bartelheimer segeln mit dem roten Trikot als Dritte die Finalrennen. Trotz purer Dominanz der Kanadierinnen Georgia und Antonia Lewin-Lafrance in der Goldflotte ist auch Gold noch drin für die Crew vom NRV. Im neuen olympischen Wertungssystem wird nämlich der Vorsprung bei großer Führung auf ein einholbares Maß reduziert. Neben Steinlein/Bartelheimer lauern auch die Estinnen Helen Pais und Helen Ausmann (2. Platz) auf den Goldcoup. Außerdem haben es mit Bergmann/Wille (Mühlenberger Segel-Club) und Scheel/Feilcke (Kieler Yacht-Club) noch zwei weitere deutsche Teams in die Medaillenrennen geschafft.

Knappe Kiste im 470er: Die Führung der Favoriten Simon Diesch und Anna Markfort (rechts) ist am Tag vor der Titelentscheidung auf der Kieler Woche 2026 geschmolzen. © Sascha Klahn/Kieler Woche / media.sailing.kieler-woche.de

Was bisher nach sicherem Gold für die Topfavoriten im 470er, Simon Diesch und Anna Markfort (Deggenhausertal/Kiel) aussah, ist nach zwei mäßigen Wettfahrten am Dienstag nur noch eine knappe Führung. Hinter den Olympioniken lauern die deutschen Crews Winkel/Batzing (Kiel/Schwerin) in blau und Löffler/Hoerr (Lausanne/Röthenbach) in rot auf den Kieler-Woche-Titel.
Die einzige Katamaranklasse bei der Kieler Woche wird derweil weiterhin dominiert von den Briten John Gimson und Anna Burnet. Die schwedische Crew Järudd/Jonsson und die Australier Ruben und Rita Booth sind gleichauf dahinter. Die Julian Hoffmann und Alica Stuhlemeier (Berlin/Altenholz) steigerten sich nach mäßigem Regattastart nicht, sondern schieden als 16. aus.

Ergebnisse Kieler Woche 2026

Quelle: Kieler Woche/Andreas Kling

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