Das deutsche SailGP-Team hat den Sonntag mit einem spektakulären Rennsieg begonnen, am Ende des achten von geplanten 13 Saison-Events in Portsmouth aber wohl alle Chancen auf die Teilnahme am Saisonfinale der besten drei Teams verspielt. Wo es klemmte.
Es war ein überlegener Sieg im vierten von fünf Rennen. Das deutsche SailGP-Team zeigte einen souveränen Start in Gruppe A und die Fähigkeit, diesen Vorteil nach Hause zu fahren. Mit einem unforced error (Boundary Penalty) auf der letzten Kreuz wurden die deutschen Fans zwar noch einmal in Unruhe versetzt. Der Vorsprung war aber längst so groß, dass der Sieg nicht mehr in Gefahr geriet.


Damit zeigte die Crew um Erik Kosegarten-Heil: Es geht doch!
Der Skipper erklärt, wie einfach ein Rennen nach so einem Start sein kann:
Allerdings ist dieses Highlight beim achten von 13 geplanten Saison-Events der SailGP-Serie wieder einmal zu wenig, um eine positive Entwicklung zu bestätigen. Direkt danach folgt wieder einer der problematischeren Starts und daraus resultierend der vorletzte Platz.
Dabei ist Heil danach aber stinksauer, dass die Aufholjagd nicht belohnt wurde. Er bemängelt einen strittigen Zweikampf mit Match-Race-Weltmeister Taylor Canfield (USA), bei dem dieser kurz vor dem letzten Zusammentreffen den Kurs ändert, abfällt und damit eine enge Situation heraufbeschwört, die anschließend zu einem Luvmanöver der Amerikaner führt, in dessen Folge Heil bestraft wird.

Dieses erste Abfallen – sogenanntes „Hunting“ – hätte nach Heils Meinung offenbar anders als im Match Race nicht erlaubt sein sollen. Er moniert, dass Canfield dafür hätte bestraft werden müssen. Die Schiedsrichter sahen es allerdings anders.
Der Skipper erklärt:
Das eigentliche Problem waren aber die ersten drei Rennen am Samstag. Nach 6/4/6 in Gruppe B mit sechs Booten war das Defizit kaum noch aufzuholen. Dabei spielte insbesondere eine Szene eine große Rolle, die der Veranstalter als Highlight des Tages verbreitete. Das GER-Team kenterte in aussichtsreicher Position liegend beinahe und konnte sich erst in letzter Sekunde retten.
Hier die beiden Videos:
„Es gab ein Abstimmungsproblem im Team“, erklärt der Skipper. Es sei nicht klar gewesen, auf welcher Seite man die mitten im Kurs liegende Befestigungsanlage passieren wollte – in Lee oder Luv. „Außerdem habe ich Kevin [Peponnet, Wing Trimmer] zu spät auf die andere Seite geschickt. Dadurch war er nicht rechtzeitig auf der Position, um das Schwert-Foil zu liften. Alles zusammen hat zu dieser ziemlich kritischen Situation geführt.“
Heil lobte in seiner Stellungnahme das schnelle Reaktionsvermögen von James Wierzbowski. Indem dieser den Flügel nach unten zog und so zusätzlichen Auftrieb erzeugte, verhinderte er die Kenterung. Trotz der Erleichterung über den glimpflichen Ausgang zeigte sich Heil mit der Gesamtleistung seines Teams an diesem Tag unzufrieden. „Es war nicht unser bester Tag. Wir hatten ein paar gute Starts, konnten aber weder die volle Geschwindigkeit des Bootes noch sein gesamtes Potenzial ausschöpfen. Dann kam im letzten Rennen auch noch dieses Problem dazu. Insgesamt gibt es noch eine Menge, was wir verbessern können.“

Am Ende blieb nur Rang zehn der 13 Teams. Dafür gab es lediglich einen Punkt für die Meisterschaft, in der Deutschland von Platz sieben auf Rang acht zurückfiel. Fünf Veranstaltungen vor Saisonende ist der Rückstand auf die Top drei, die das Millionen-Finale erreichen, inzwischen so groß, dass eine Teilnahme unrealistisch erscheint.


Das trübt die Vorfreude auf Sassnitz, das Heim-Event am 22./23. August. Aber vielleicht gelingt wie im vergangenen Jahr ein entscheidender Turnaround und ein persönlicher versöhnlicher Saisonabschluss.
Zur Sassnitz-Vorbereitung:
Den Sieg in Portsmouth sicherte sich Titelverteidiger Spanien mit Diego Botín am Steuer. Nach dem Erfolg in Halifax feierten die Iberer bereits den zweiten Event-Sieg in Folge und setzten ihre Aufholjagd in der Meisterschaft fort. Das Finale der besten vier erreichten neben Spanien auch Schweden mit Nathan Outteridge, die Schweiz mit Sébastien Schneiter sowie Kanada, das sich mit einer konstant starken Vorstellung zum zweiten Mal in dieser Saison für ein Event-Finale qualifizierte.

Im Endlauf sah zunächst alles nach einem schwedischen Triumph aus. Artemis erwischte den besten Start und führte das Feld zur ersten Luvtonne. Dort entschied sich Outteridge für eine Bahnseite, während Botín den entgegengesetzten Kurs einschlug. Die Spanier profitierten von den Winddrehern auf ihrer Seite des Kurses, kamen mit mehr Druck zurück und übernahmen die Führung. Anschließend kontrollierte Botín das Rennen bis ins Ziel und ließ sich den Sieg nicht mehr nehmen. Outteridge musste sich erneut mit Rang zwei begnügen, lobte anschließend aber die hohe Konstanz seines Teams, das sich mit dem zweiten Finaleinzug in Folge auf den dritten Gesamtrang verbesserte.

Für Botín bestätigte der zweite Erfolg in Serie die derzeitige Stärke der Spanier. Der 49er-Olympiasieger sprach von einem „großartigen Wochenende“ unter Starkwindbedingungen mit dem kleinen 18-Meter-Flügel und hob hervor, dass sein Team inzwischen in allen Bereichen immer besser harmoniert. Mit dem Sieg verkürzte Spanien den Rückstand auf Tabellenführer Australien, das in Portsmouth überraschend bereits vor dem Finale ausschied und nur Siebter wurde.
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