Superyacht: Schnellste Rennyacht der Welt? Jim Clarks neuer 100 Fuß Racer „New Cubed“

+++ Neues Spielzeug +++

Jim „Netscape“ Clark baut wieder ein Boot. Das wurde seit dem Stapellauf der J-Class „Hanuman“, einer Replik von „Endeavour II“, aber auch höchste Zeit. Clark hat es mehrere Jahre ohne neues Projekt geschafft. Das ist für den aktivsten Yachtbauetat unserer Tage eine lange Zeit.

New Cubed

Rendering von Jim Clarks nächstem Boot, einer 30 x 8 m Segelplattform © VPLP

Der modernen 47 Slup „Hyperion“ von 1998 folgte 2004 der 90 m Schoner „Athena“. 2009 die 42 m J-Class „Hyperion“. Alle drei Boote entstanden bei Royal Huisman, einem holländischen Spezialisten für exquisite Sonderanfertigungen. Clark hat also recht zügig die Spielarten modern, groß und retro ausprobiert.

Übrig blieb das Thema leicht und schnell. Damit beschäftigt sich der Siebzigjährige jetzt. Das Projekt heißt „New Cubed“ und entsteht bei der Hodgdon Werft im idyllisch schönen Maine.

New Cubed 5

Auslegeware: die Form der ‘New Cubed’ wird vorbereitet. Gut zu sehen die Öffnung für den Neigekiel © Onne van der Wal/Hodgdon Yachts

Diese Adresse hat bislang eher mit charmanten und luxuriösen Holzbooten als leichten High Tech Rennern von sich reden gemacht. Das Know How für „New Cubed“ kommt von Marineaufträgen und externen Spezialisten, die als Kompositnomaden mit America’s Cuppern und Volvo Ocean Racern im Thema sind. Sie arbeiten seit Monaten in sechstägigen 12 Stunden Schichten gegen die Uhr. Denn das Boot soll die 70. Auflage der Sydney-Hobart Regatta gewinnen. Dazu muß es erst mal fertig werden.

[ds_preview] (Ab hier Text für SR Clubmitglieder)

30 Tonnen High Tech Geschoss

„New Cubed“ ist so weit gediehen, das spärliche Informationen durch die eigentlich hermetisch geschlossenen Tore der Werft nach draußen sickern. Außerdem ist Clarks segelndem Intimus Ken Read, der seine “Hanuman” J Class steuert, mal etwas bei einem Vortrag rausgerutscht. Nach dem Motto: gezielte Indiskretionen wecken Interesse. Sie sind das Säbelrasseln unserer vernetzten (Segler-)Welt.

New Cubed

Drei von der Baustelle: Kompositspezialist Brandon Linton (links), Projektleiter Tim Hacket und Skipper Casey Smith an Deck des Neubaues © Sean McNeill

Es wird ein 30 Tonnen High Tech Geschoss und soll die aktuellen Grand Prix Renner “Wild Oats XI” wie „Perpetual Loyal“ ex. „Rambler/Speed Boat“ und „Esimit Europa“ alt aussehen lassen.

Der Entwurf vom französischen Spezialisten VPLP und Guillaume Verdier ist ein vergrößerter Open 60: ohne Rücksicht auf Rennwerte und Vermessung auf schiere Geschwindigkeit ausgelegt. „New Cubed“ wird achtern besonders breit (etwa drei Meter breiter als „Esimit Europa“, einen halben Meter mehr als „Rambler“).

14 Tonnen Zug auf Vorschot

Das bringt extra Wumms, sprich Formstabilität und Raumschotspower. Aufrecht gehalten wird die Segelplattform von einem Neigekiel mit richtig langer Finne. Gut acht m Breite und der lange Kielhebel bringen ein bärenstarkes aufrichtendes Moment. Hinzu kommen 6,5 t Wasserballast pro Seite. Die Tanks im Heck nehmen 3 t Wasser.

Blick in die teils mit Karbon ausgelegte 30 m Schale der 'New Cubed' © Onne van der Wal/Hodgdon Yachts

Blick in die teils mit Karbon ausgelegte 30 m Schale der ‘New Cubed’ © Onne van der Wal/Hodgdon Yachts

Die Breite, der Neigekiel und Wasserballast ergeben ein enormes Segeltragevermögen. Da kommen einige Kräfte zusammen: Die Großschot soll beispielsweise knapp zehn, die Vorschot 14 t halten. Das vordere Lager des Neigekiels ist auf knapp 700 t Arbeitslast ausgelegt.

Allein im Kielnahen Schott sollen tausend Quadratmeter Karbongelege stecken, (hoffentlich) unkaputtbar mit einem drei bis vier cm dicken Kevlarkern verklebt. Eine gezielte Maßnahme gegenüber den erwarteten Scherbelastungen des Laminats in diesem Bereich.

Der Rohbau von Rumpf und Deck wiegt acht Tonnen. Laminiert wird mit vorimprägnierten (sogenannten „Pre Preg“) Gelegen. Das sind herstellerseitig mit dem geringstmöglichen Kleberanteil imprägnierte Fasern.

Ziel Sydney -Hobart

Im Oktober soll das Boot rechtzeitig zur Sydney-Hobart Regatta aufgetakelt, getestet und nach Australien, der Heimat von Kristy Clark, geborne Hinze, zur 70. Auflage des Rennens geschickt werden.

New Cubed

Blick unter das Deck durch den backbord Niedergang © Ohne van der Wal/Hodgdon Yachts

Geplant sind auch Regatten wie Fastnet, die Langstrecke Newport Bermuda, das Transpac oder das Middle Sea Race. Außerdem soll Clarks neues Boot ein paar Streckenrekorde knacken. Bei 90 bis 120 Windeinfall sollen 20 bis 26 Knoten drin sein.

Seit einer Weile irritiert Clark die Yachtszene mit dem Angebot seines 90 m Schoners und 40 m J-Class Daysailers. SR berichtete und spekulierte anläßlich der Familiengründung mit der deutlich jüngeren Australierin über die Gründe.

Clark hat letztes Jahr mal erklärt, er fände es langweilig, sich als Teil des Big Boat Jet Set im Mittelmeer oder der Karibik den Pelz zu verbrennen. Außerdem hat er sich über die Professionalisierung der J-Class, geärgert, wo ehrgeizige Eigner ihre Boote koste es was es wolle von Profis nach vorne segeln lassen.

Mit seinem Wechsel zum Grand Prix Segeln geht Clark einen ungewöhnlichen Schritt. Meist steigen versierte Segler im Alter auf schöne und große Schitte um. Aber die hat Clark ja schon. Der Mann (vierte Ehe, drei Kinder, drei Boote) ist jetzt 70.

New Cubed Daten

Daten und Merkmale, soweit bekannt: Länge 30 m, Breite 8,23 m, sehr langer Neigekiel, Rigggröße wie „Speedboad“, Mast wie bei Open 60 „Macif“ weit achtern stehend, sämtliche Winschen (für Geschwindigkeitsrekorde) manuell betrieben, motorisiertes Backup für Überführungen.

Die Bauweise ist interessant: Das Vorschiff  beispielsweise besteht wie bei anderen VPLP-Open 60ern aus einem massiven Karbonlaminat (hier 7 mm dick) ohne das übliche Kernmaterial. Also bewußt kein Sandwich.

Das Problem moderner Sandwichboote, wo das Innen- und Außenlaminat mit dem Kern (Schaum oder Waben) verklebt sind, ist bei bestimmen Schäume erstens das tückische Ausgasen, was die die Verklebung von Schaum und Gelegen schwächt (Blasenbildung und Delaminationen). Zweitens reißt oder zerbricht das Kernmaterial schon mal bei hoher Beanspruchung, drittens hält es dem Wasserschlag schnell gesegelter Boote nicht stand (zerbröselt).

Die Französischen Konstrukteure sehen im „massiven Karbon-Epoxid Laminat mit zahlreichen Stringern“ die derzeit beste Antwort auf diese Probleme im Vorschiff. Die Bauweise soll auch der Schlagfestigkeit bei Kollisionen zugute kommen. Die dünne Karbonbordwand des Vorschiffs wurde gezielt mit einem vergleichsweise engen Gitter von Stringern und Spanten verstärkt. Dies spart im Vergleich zur High Tech Sandwichbauweise mit Schaum 200 Kilo Gewicht, bei größerer Festigkeit und Zuverlässigkeit.

Der Rumpf ist insgesamt mit 15 Spanten oder Schotten und einem Dutzend, bis zu 16 m langen Stringern verstärkt.

Das Sydney Hobart ist die Eigner Nordwand des Hochseesegelns. Die Bezwingung der Strecke geht meistens gut, aber 50 Knoten Wind von vorne und brutaler Seegang mit chaotisch durcheinander laufenden Seen zermürben Segler und zerlegen Boote.

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Erdmann Braschos

Sein Spezialgebiet umfasst Mega-Yachten, Klassiker, Daysailor und Schärenkreuzer. Mehr über Erdmann findest Du hier.

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