Segel-Bundesliga: Bayern siegen vor Überlingen und Potsdam – Drama für Hemelingen

So knapp war es noch nie

Der 4. Spieltag bei der Segel-Bundesliga hat das knappste Ergebnis in der Geschichte der Regattaserie hervorgebracht. Nach 16 Rennen lagen nur 5,33 Punkte zwischen Rang 1 und 10.

Jan Seekamp und seine Mannen sind richtig gut drauf an diesem Wochenende. Mit seinem alten Segelpartner Björn Schütte an Bord, Jens Tschentscher und Tjorben Wittor behauptet sich das Team vom Wassersport-Verein Hemelingen stabil in den Top drei am vierten Spieltag der Segel-Bundesliga in Travemünde.

Der ;ünchener Yacht-Club gibt alles beim Seegras entfernen vor dem Start. © DSBL/Lars Wehrmann

Es scheint so, dass den Bremern noch einmal ein Coup wie in Prien gelingen sollte, als sie Rang zwei erreichten. Nun konnten sie in 13 Rennen schon vier Siege landen und die allzugroßen Ausfälle bis auf einen letzten Platz im 10. Rennen vermeiden. Es läuft, und dazu passt eigentlich auch der Schaden vor dem 14. Lauf.

Der Deutsche Touring Yacht-Club übergibt sein Schiff mit einem beschädigten Fock-Furler an die Bremer. Die setzen die Schaden-Flagge am Want, das Reparatur-Boot wird alarmiert, und Wettfahrtleiter Anderl Denecke zieht die Startverschiebung-Flagge.

Solch eine Ablenkung mögen Segler eigentlich nicht in der direkten Renn-Vorbereitung. Es ist schwer, die Konzentration hoch zu halten, wenn auf dem Boot fieberhaft mit Werkzeug hantiert wird. Schließlich wird klar, dass das Vorstag ausgetauscht werden muss.

Welle und Wind auf der Zweitliga-Bahn. Blankenese vor den Schlei-Seglern. © DSBL/Lars Wehrmann

Denecke kann darauf nicht warten. Der Zeitplan ist einfach zu eng. In einer Stunde muss er drei Läufe schaffen. Es wird also nur mit fünf statt sechs Booten gestartet. Für Seekamp ist das eigentlich gut. Sein Team erhält als Wiedergutmachung für das ausgefallene Rennen die durchschnittliche Punktzahl seiner bisherigen Serie, also 2,92 Punkte. Dieser Schnitt würde am Ende zum Sieg reichen.

Aber es kommen noch zwei Rennen. Erst Platz fünf, was noch kein Desaster ist, aber den Druck erhöht. Das Podium ist noch drin. Dann dieser verflixte erste Lauf im 16. und letzten Flight. Seekamp greift unmittelbar vor dem Schuss noch einmal den VSaW in Lee an, und drückt ihn über die Linie. Die weiße Flagge mit dem blauen Kreuz wird auf dem Startschiff gehisst. Einzelrückruf. Jan Jasper Wagner, der langjährige 470er-Spitzensegler, muss noch einmal hinter die Linie zurück. Es ist ein klarer Frühstart.

Das Problem: Nachdem die Berliner zurückgekehrt sind, birgt der Wettfahrtleiter die finnische Nationale nicht. Es muss noch jemand anders drüber gewesenen sein. Das führt zu hektischen Diskussionen auf allen anderen fünf Booten. Wer war es?

Kurz nach dem Start des 46. Rennens: Blau (VSaW) ist klar drüber und segelt zurück. Grün (WVH) rot (WYC) und gelb (BYC) werden als Frühstarter gewertet. Grau (PYC) und Schwarz (CYC) kommen unbehelligt davon.

Drei Teams werden schließlich mit OCS gewertet. Für die Bremer wiegen die sieben Zähler noch schwerer, weil sie auch ihren gesamten Schnitt und damit die Punkte im Wiedergutmachung-Rennen verschlechtern. Daraus ergibt sich ein Absturz auf den zehnten Platz in der Gesamtwertung der Travemünde-Regatta.

Was für eine Enttäuschung. Sie steht für das Wechselbad, dass an diesen drei Tagen fast alle Teams erlebt haben. Wie knapp es war, zeigt auch die Geschichte des Potsdamer Yacht Clubs. In besagtem Rennen besteht laut Tracker auch für sie eine große Gefahr, dass sie zu den drei Frühstartern gehören. Aber offenbar fehlten beim Echtzeit-Blick vom Startschiff die entscheidenden Millimeter. So gelang der Sprung aufs Treppchen statt auf Platz zehn.

Es ist eine großartige Geschichte, dass der 18 Jahre junge Frederick Eichhorst, der gerade erst den abenteuerlichen Einsatz beim Youth America’s Cup in Bermuda verarbeitet hat, zusammen mit dem erfahrenen Martin Metzing als Taktiker und Sebastian Freytag sowie Leander Kamm so stark segelt. Die Aufsteiger vom PYC waren bisher nicht über die Plätze 16/17/15 hinaus gekommen.

Hart war das Finale auch für den Klub am Rupenhorn, der in Travemünde nach drei Siegen in Folge einen letzten Platz zählen musste und von zwei auf sechs zurück rutschte.

So hatte jedes Team seine Probleme bei den unterschiedlichen Seegelbedingungen, die sich an allen drei Tagen unterschieden und auf den Kursen unter Land von stark drehenden Winden geprägt waren.

Und selbst der Deutsche Touring Yacht-Club (DTYC) mit Steuermann Julian Stückl mit dem ligaerfahrenen Sebastian Bühler, Neuzugang Dominik Müller sowie Marco Tarabochia gab den Sieg fast noch aus der Hand. Die Schwäche der drei vorletzten Plätze zum Schluss konnte aber keiner der gleichauf liegenden Gegner ausnutzen. So reichte der hohe Schnitt von drei Punkten und nur vier Rennsiege aus, um punktgleich vor dem Segel- und Motorbootclub Überlingen zu gewinnen.

Beim SMCÜ hat zum zweiten Mal in dieser Saison Tino Mittelmeier zur Pinne gegriffen und nach dem Sieg am Chiemsee prompt erneut einen Spitzenplatz ersegelt. Damit hat sein Verein die Tabellenführung übernommen punktgleich mit den Titelverteidigern vom DTYC und fünf Punkte vor dem NRV, der in Travemünde auf Rang neun segelte.

„Mit den schlechten Starts am letzten Wettkampftag haben wir unsere Führung unnötig riskiert“, erklärt Julian Stückl nach der Zitterpartie zum Schluss. Aber zuvor hatte er wieder einmal eine starke Serie hingelegt.

Ergebnisse Travemünde 1. Liga

Tabelle 1. Liga

In der 2. Segel-Bundesliga haben sich wieder einmal die Nordclubs durchgesetzt. Julian Ramm hat seinen ersten Einsatz am Steuer für die Segler Vereinigung Itzehoe absolviert und den schon fast erwarteten Spitzenplatz abgeliefert. Schließlich hat er schon einmal in Travemünde vor zwei Jahren in der ersten Liga für den Kieler Yacht-Club gewonnen. Der KYC hat es aber nicht geschafft, ein Zweitliga-Team auf die Beine zu stellen. Und so sind Ramm und Oliver Lewin zur Seglervereinigung Itzehoe gewechselt. Neben Ole Harder half auch Moritz Burmester, der ebenfalls in Bermuda beim Youth AC gesegelt ist.

So gelang Itzehoe der Sieg knapp einen Punkt vor dem Schlei Segel-Club, für den Andreas Willim diesmal wieder auf seine ehemalige Match Race Meister-Crew Helge Homann und den ex Cup-Grinder Henning Sohn sowie seine Frau Suzy als Taktikerin zurückgreifen konnte.

Der dritte Jugend-Held aus der Bundesliga, der in Bermuda gesegelt ist, hat den Mühlenberger Segel-Club auf das Treppchen geführt. Magnus Simon steuerte nach längerer J/70-Pause wieder auf gewohnt hohem Niveau mit Till Krüger, Finn Olesen, Anton Schroeder. 

Der angepeilte Aufstieg wird aber schon schwierig. Den vierten Aufstieg-Platz hat wieder der Schlei-Segel-Club trotz der Schwäche in Warnemünde übernommen und vor dem letzten Zweitliga-Rennen beträgt der Vorsprung vier Punkte auf Rang fünf und sechs. Von dort wollen punktgleich der Konstanzer Yacht-Club und der Blankeneser Segel-Club noch einmal beim Finale angreifen.

In der Tabelle liegt Itzehoe vor dem Flensburger Segel-Club und dem Akademischen Segelverein Warnemünde, die beide in Travemünde souverän als Vierte und Fünfte gepunktet haben.

Ergebnisse Travemünde 2. Liga

Tabelle 2. Liga

Lübecker Clubs konnten sich in ihrem Heimatrevier nicht behaupten

Die Lokalmatadore vom Lübecker Yacht-Club mussten sich mit einem 13. Platz in der 1. Liga begnügen. „Wir sind mit dem Ergebnis natürlich sehr unzufrieden. Aufgrund fehlender Konstanz konnten wir unsere Erwartungen an einen einstelligen Tabellenplatz nicht erfüllen“, so Maximilian Gebhard. In der 2. Liga erzielte der Lübecker Segler-Verein nur den 17. Platz. 

Alle Ergebnisse unter: www.segelbundesliga.de und www.sapsailing.com

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Carsten Kemmling

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2 Kommentare zu „Segel-Bundesliga: Bayern siegen vor Überlingen und Potsdam – Drama für Hemelingen“

  1. avatar Jörg Gosche sagt:

    Das ist ja ärgerlich! Wieso Einzelrückruf wenn die Hälfte des Feldes Frühstart hatte? Tut mir leid für die Bremer Jungs….

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    • avatar Carsten Kemmling sagt:

      Bei der Liga gibt es keinen allgemeinen Rückruf. Man geht zurecht davon aus, dass die Wettfahrtleitung in der Lage sein sollte, alle Frühstarter zu ermitteln. Außerdem fehlt die Zeit für längere Start-Wiederholungen.

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