Shackleton Abenteuer: Speedrekordler Paul Larsen segelt Antarktis Route nach

Kalte Nussschale nach heißer Rakete

Geschwindigkeit-Weltrekordhalter Paul Larsen wird als Sextant- und Astro-Navigator beim Shackleton-Epic-Projekt von der Elefanten-Insel nach Südgeorgien die legendäre Shackleton-Rettungsroute nachsegeln. Zu fünft im 6,9 m-Nachbau des Originalbootes – unter (fast) gleichen Bedingungen wie damals: Bekleidung, Ausrüstung,  Ernährung. 

Shackleton-Epic-Expedition, Paul Larsen, Antarktis

Paul Larsen beim Schnee- und Eistraining in Südamerika © Larsen

„Men wanted für gefährliche Reise. Niedrige Heuer. Lange Monate in bitterer Kälte und totaler Finsternis. Sichere Rückkehr zweifelhaft. Ehre und Anerkennung bei Erfolg!“  So lautete der Anzeigentext, mit dem Sir Ernest Shackleton im Jahre 1914 seine Crew für die erste Durchquerung der Antarktis anwarb. Eine Expedition, die bekanntlich schon früh scheiterte.

Sein speziell umgebautes Holzschiff „Endurance“ blieb bei ungewöhnlich kalten meteorologischen Bedingungen im Packeis stecken, trieb eingeschlossen, aber aufrecht zehn Monate durch die Weddell-See, bis sie schließlich vollständig vom Eis eingedrückt und zerstört wurde. Die 27 Mann starke Crew zog daraufhin drei 6,9 m-Rettungsboote bis zum offenen Ozean und segelte sie zur unbewohnten „Elefanten-Insel“, wo sie eine Art Unterschlupf aus Resten der „Endurance“ und zwei ihrer umgedrehten Rettungsboote bauten.

Shackleton_Epic-Expedition, Paul Larsen, Antarktis

Das Original: Shackleton mit seiner Crew legt von Elephant-Island ab © Frank Hurlex, Royal Geographic

Shackleton setzte kurz darauf gemeinsam mit fünf ausgesuchten Kameraden erneut auf einer dieser Nussschalen (der „James Caird“) Segel, um von der mehr als 800 sm entfernten Walfangstation auf dem Südgeorgischen Festland Hilfe für seine zurück gebliebene Mannschaft zu holen. Ein letztendlich gelungener 16-tägiger Törn durch die vielleicht gefährlichste See der Welt; eine Reise, die als eines der wagemutigsten seglerischen Abenteuer in die Geschichte eingehen sollte und dessen seemännische Leistung bis heute als unerreicht gilt.

Abenteurer und Weltrekordler

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Originalgetreuer Nachbau namens “Alexandra Shackleton” © Shackleton-Epic

Bis heute. Denn voraussichtlich am 20. Januar wollen fünf Hochseesegler und Abenteurer genau diese Strecke unter gleichen Bedingungen nachsegeln. In altertümlicher Bekleidung, bei ähnlich rationierter Nahrung, in einem originalgetreuen Nachbau der „J.Caird“ namens „Alexandra Shackleton“.

Eine Expedition, die unter diesen Bedingungen als äußerst wagemutig bezeichnet werden darf, allerdings nicht den Titel “Premiere” für sich in Anspruch nehmen sollte: Im Jahre 2000 bestand der deutsche Forscher und Abenteurer Arved Fuchs bravourös bereits das gleiche Abenteuer!

Weltrekordler willkommen!

Wollte man nun auch für dieses Vorhaben wieder eine Anzeige aufgeben, müsste sie ungefähr so lauten: „Erfahrene Hochseesegler für epischen Segeltörn mit historischem Hintergrund gesucht. Der Authentizität wegen sind Kenntnisse in altertümlicher Navigation erwünscht; körperliche Fitness wird vorausgesetzt, Weltrekordhalter sind willkommen!“

Spätestens beim letzten Satz hätte sich Paul Larsen, der auf seiner Sailrocket vor der namibischen Küste erst Ende letzten Jahres den Geschwindigkeits-Weltrekord unter Segeln aufstellte, angesprochen fühlen müssen. Doch der australische Segel-Abenteurer und Hochsee-Freak ist nicht kurzfristig aufgestiegen sondern bereits seit 2008 in die Planungen des Shackleton-Epic-Projects involviert.

Gemeinsam mit dem Profi-Skipper Nick Bubb, 33, (mehrere Weltumseglungen, u.a. Volvo Ocean Race), dem Expeditionsleiter, Abenteurer und Medienmann Tim Jarvis, 44; Royal Marine Bergführer und Antarktis-Spezialist Barry Gray, 38; dem 30jährigen Royal Navy Offizier Seb Coulthard und dem Kameramann Ed Wardle, 41, will Larsen eines „der letzten großen Abenteuer auf See“ bestreiten.

Shackleton-Epic-Expedition, Antarktis, Paul Larsen

Die Reise: Rüber nach Südgeorgien, dann quer über die Insel © Royal Geographic

Und übernimmt dabei die wahrscheinlich wichtigste Aufgabe dieser Reise: „Die Navigation mit Sextant und die Astro-Navigation ist in diesen Seegebieten besonders anspruchsvoll,“ sagte er kürzlich. „Und genau deswegen reizt sie mich!“

Alle in einem Boot

„Wie bei meinem Urgroßvater ist die Wahl der richtigen Crew elementar,“ unterstreicht Nachfahrin Alexandra Shackleton. Sie finanziert das Projekt zum Teil und promotet es nicht zuletzt mit ihrem Familiennamen. „Es gab schon einige andere Versuche, die alle an mangelnder Erfahrung mit widrigen Segelbedingungen in gottverlassenen Gegenden gescheitert sind,“. Ein Erfahrungsvorsprung, auf den zumindest Bubb und Larsen verweisen können.

Eines der größten Probleme wird jedoch der Landfall in den hohen Brechern an der Küste Südgeorgien darstellen, nach dem übrigens das Abenteuer noch nicht beendet sein wird. Denn Shackleton und seine fünf Begleiter durchquerten damals noch per pedes die gebirgige Insel, um zur Walstation auf der anderen Seite der Insel zu gelangen. Was wiederum Klarheit darüber verschafft, warum in der Shackleton-Epic-Crew ausgerechnet ein Bergführer mit von der Partie sein musste. „Auch bei der Inseldurchquerung wird weiter navigiert,“ sagt Larsen. „Und wir werden mit den Folgen der Klimaerwärmung konfrontiert sein: Die Gletscher auf der Originalroute sind teils stark zurück gegangen, es gibt mehr Spalten, es wird schwierigere Kletterpartien geben!“

Bis zum Äußersten

Shackleton Epic, Antarktis, Paul Larsen

Nach dem Segeln kommt der Landgang – fast immer! © shackleton epic

Auch wenn alle Teilnehmer fest entschlossen sind, beim Absegeln und –wandern der Original-Strecke bis zum Äußersten zu gehen, auch wenn von vornherein Frostbeulen, Nahrungsmangel, kleinere Verletzungen, Erschöpfung etc. eingeplant sind – das ganz große Risiko will die Shackleton-Epic-Crew dann doch nicht eingehen: In ca. 20-30sm Entfernung wird ein Versorgungsschiff folgen, das aber nur im lebensbedrohlichen Notfall eingreifen soll. „Wir haben sogar Kenterungen im Kanal vor England geübt,“ sagt Larsen. „Wir wollen wirklich genau das erleben, was diese Helden damals überstanden haben!“

Shackleton-Epic-Website

 

 

 

 

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Michael Kunst

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2 Kommentare zu „Shackleton Abenteuer: Speedrekordler Paul Larsen segelt Antarktis Route nach“

  1. avatar René Bornmann sagt:

    Sehr geehrter Herr Kunst,

    Mit grossem Interesse habe ich Ihren Artikel zum Shackleton Abenteuer gelesen. Es hat mich ueberrascht das dort Arved Fuchs, der ein aehnliches Projekt gemacht hat, nicht erwaehnt wird.

    Ich nehme an das die Crew um Mr. Larsen von dem bereits gelungenen Projektes von Herrn Fuchs Bescheid weis.

    Mit freundlichem Gruss,

    René Bornmann

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 0

    • avatar Michael Kunst sagt:

      Lieber René Bornmann,

      Dank fürs aufmerksame Lesen und den Hinweis auf Arved Fuchs; den Artikel habe ich entsprechend ergänzt!

      Schöne Grüße

      miku

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 0

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