Braschosblog: Traumyacht “Heroina” von Star-Designer German Frers

"Von selbst gereift"

Das Video zeigt eine aufgeräumte 23 m Slup mit glattem Deck und kleinem Deckshaus. Ein paar Doradelüfter schaufeln Luft unter Deck. Die Mahagoniflanken des gedruckten Deckshauses stehen gut im Lack. Winschen, groß wie Mini-Cooper-Felgen, halten die Fock. Der Rudergänger dreht ein ziemlich großes Rad. Die 3 DL Garderobe zieht gut. Die Stars & Stripes zeigt man – God bless America – bei den Yankees natürlich so selbstverständlich wie stilsicher (wenn auch an backbord) achtern.

Geneigter Vorsteven, ein spannungsreicher Deckssprung, ein glattes Deck mit einem ansehnlichen Deckshaus und ein traditionell geneigtes Yachtheck. "Heronia", eine German Frers Konstruktion von 1989, die heute noch gut aussieht

Geneigter Vorsteven, ein spannungsreicher Deckssprung, ein glattes Deck mit einem ansehnlichen Deckshaus und ein traditionell geneigtes Yachtheck. “Heroina”, eine German Frers Konstruktion von 1989, die heute noch gut aussieht

Die gekonnte geführte Kamera und das Abendlicht eines perfekten Sommersegeltages umschmeicheln den ansehnlichen Zossen, der  draußen vor Newport und der Brücke über die Narragensett Bay schwebt.

Video als Antörner

Die Kombination des geneigten Vorstevens mit dem klassisch geneigten Yachtheck am Ende eines langen Überhangs lässt eine Art cross over, ein sogenanntes fusion boat aus Tradition und Moderne vermuten. Dank der Musik und nicht zu hektischen Schnitten ist das knapp zweiminütige Video ein Antörner.

Man braucht allerdings einen kleinen Hau, um sich den Film ein paar Mal nacheinander anzusehen. Ich gebe zu, ihn ziemlich oft neu gestartet zu haben. Das hat sicher mit dem Ende der Segelsaison zu tun. Und mit dem Boot.

Ich kenne es schon lange, habe aber seinem Konstrukteur und Eigner German Frers, versprochen, nicht darüber zu schreiben, solange es in seinem Besitz ist. Der Argentinier Frers machte sich unter anderem einen Namen, als er 1992 mit seinem Design der “Il Moro die Venezia” für Italien den Louis Vuitton Cup gewann, dann aber im America’s Cup Match gegen Dennis Conner unterlag.

Ich verlor „Heroina“, diese Signatur Frersscher Yachtkonstruktion aus den Augen. Aber vergessen konnte ich die bemerkenswerte Yacht nicht. Das Video machte sie wieder präsent.

Geschenkter Cupper-Mast gibt Größe vor

Als ich vor einigen Jahren German Frers für ein Interview in Mailand besuchte, kamen wir zum Abschluss auf sein eigenes Boot zu sprechen. Frers war zurückhaltend bis ausweichend, berichtete dann aber doch schmunzelnd von seinem Projekt, aus dem schließlich die „Heroina“ wurde.

„Ich begann etwa 1988 über ein eigenes Boot nachzudenken, um endlich wieder mit der Familie segeln zu gehen. Als Konstrukteur für den America’s Cupper Raul Gardini bekam ich damals einen 33 Meter Reservemast der „Il Moro de Venezia II“ geschenkt. Damit stand die Größe des Bootes fest. Außerdem hatte ich Zugang zu einem Zwölfer-Kiel. Ein High-Tech Mast und ein Bleikiel sind ziemlich teure Sachen.

Der Rio de la Plata ist ein Flachwasserrevier, da funktioniert das Segeln mit drei Metern Tiefgang gerade noch. Tja, und dann habe ich in Feierabend-Arbeit, gewissermaßen heimlich zuhause „Heroina“ entworfen. Ich wollte bei meinem eigenen Boot keine Kommentare und auch keinerlei Einfluss meiner Mitarbeiter.

Es wurde in meiner Heimat bei der Werft Astilleros Sarmiento aus einer formverleimten Holz-Epoxid Schale mit Glasfaser-beschichteter Außenhaut gebaut. Das Projekt zog sich aber lange hin, weil ich mit der Il Moro America‘s Cup Herausforderung viel um die Ohren hatte.“

Keine Pläne für den Ausbau

Dann zeigte er im Gespräch die Pläne des Flushdeckers mit dem Frers-typisch niedrigen Deckshaus und dem Upside Down Kiel, der wie bei den letzten Zwölfern üblich bei wenig Tiefgang ziemlich viel Ballast mit bestmöglichem Hebel entlang der Kielsohle unterbringt. Wow, das war eine spezielle Kombination mit dem moderat breiten Fahrtenboot Rumpf und funktional aufgeräumten Deck dazwischen.

„Mit dem Ausbau hatten wir ein bisschen Probleme. Die Bootsbauer haben das irgendwie hinbekommen, weil ich nie die Ruhe fand, mal eine gescheite Zeichnung zu machen. Ich dachte, das Schiff wird nie fertig“, meinte Frers feixend. „Meine Frau und ich, wir haben es dauernd geändert.“ Dann rollte er die Pläne seines Patchwork Fahrtenmaxi zusammen und ich musste ihm versprechen, nichts über „Heronia“ zu schreiben, so lange er das Boot hat.

Kurios, dass ein Profi, der für angesehene Werften wie Nautor oder Hallberg Rassy zeichnet, gerade für Wally die Pixel auf dem Rechner zurecht rückt und spektakulär große Boote für namhafte Eigner entwirft, für sein eigenes Schiff keinen Kajüt-Ausbau parat hat. Es erschien wie ein clever tief gestapeltes Ablenkungsmanöver. Etwa fünf Jahre wurde an dem Schiff gearbeitet, was sicher auch daran lag, dass Frers damals seine zweite Frau kennenlernte.

Blaupause für Wally Designs

Damals holte Frers sich für das Interieur Rat von der italienischen Architektin Gae Aulenti und von seiner zweiten Frau Laura. Der Blick in „Heroina“ zeigt ein offen gehaltenes Interieur aus glänzend lackierter Kirsche unter weißen Deckenpaneelen und ebenso mattweiß gehaltener Wegerung. Man kann von vorn bis achtern durch die Kajüten gucken. So stilvoll und praktisch richten Südländer ein Schiff fürs Bordleben bei hochsommerlichen Bedingungen ein.

Das bis auf drei Meter Tiefe ragende säbelartige Vollschweberuder wird von einem großen Speedwave Steuerrad bewegt. Der schlichte wie übersichtliche Aufbau wurde zur Blaupause für die Wally Designs von Haus-Designer Frers. So das Wally 77 Deckshaus der „Genie of the Lamp“, von „Magic Carpet“, „Askherout“ oder den Wallys „Slingshot“ oder „Yam“ wie übrigens auch der 104-füßigen „Mandrake“ oder „Rrose Selavy“.

Auch die 105 Fuß Hightech Fahrtenslup „Ulisse“ von Prada Boß Patrizio Bertelli ist mit einem ähnlichen Deckshaus unterwegs. Das Boot erhielt wie „Heroina“ ein traditionell geneigtes Spiegelheck. Die kostspieligen Winschen dieser Kampfklasse, „Heronia“ verdrängt 36 Tonnen, bekam Frers im Tausch für sein Karbonrad während des America’s Cup 1992 in San Diego.

Familien Segeln im Mittelmeer

1994 wurde der Frers Traum zunächst mal fertig – sofern bei Yachten und ein wenig improvisierten Neubauten überhaupt von fertig die Rede sein kann – und von Buenos Aires zu den Balearen überführt.

Familie Frers verlebte einige schöne Segelsommer rings um Korsika, Sardinien, auf dem thyrrenischen Meer und in der Ägäis. „Ich habe mir Zeit gelassen mit „Heroina“ und ich glaube, sie ist ganz schön geworden. Sie ist gewissermaßen von selbst gereift“ meinte Frers später einmal.

2006 verkaufte er das Boot im Alter von Mitte Sechzig an einen Freund. „Heroina“ ging durch mehrere Hände und gelangte nach einem aufwändigen Refit schließlich in den Besitz des jetzigen amerikanischen Eigners, der damit neulich beim Opera House Cup als erster die Ziellinie querte.

Daten der “Heroina”

Länge: 22,55 m
Länge Wasserlinie: 17,76 m
Breite: 5,70 m
Tiefgang: 3 m
Verdrängung: 36 t
Ballast: 14 t
Segelfläche: 223 qm
Werft Astilleros Sarmiento, Argentinien
Bau 1989 – 94
Maschine: 163 PS Steyr
750 l Diesel und 850 l Wasser

Es gibt ein sehens- und lesenswertes 200 Seiten Buch über German Frers. Es heißt „Passion for Design“ wurde von Barry Picktall geschrieben und ist für 35 Pfund bei South Atlantic Publishing erhältlich.

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Erdmann Braschos

Sein Spezialgebiet umfasst Mega-Yachten, Klassiker, Daysailor und Schärenkreuzer. Mehr über Erdmann findest Du hier.
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7 Kommentare zu „Braschosblog: Traumyacht “Heroina” von Star-Designer German Frers“

  1. avatar armchairadmiral sagt:

    Netter “daysailer”…

    Wie die Zeiten sich ändern – heute würde German Frers sicher auch für sich einiges anders zeichnen.
    So hat dieses Schiff das Zeug zum Klassiker der Zukunft.

    Die gut stehenden Segel sind übrigens von Quantum, also keine Buchstaben-Zahlen-Kombination 😉

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    • avatar Ready2fly sagt:

      … es ist die Tuchart gemeint mit 3DL 😉 Dabei werden die Fäden im Segel passend zur Krafteinwirkung einlaminiert.

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  2. avatar armchairadmiral sagt:

    Und Besserwisseralarm: Der Name ist “Heroina”, Heldin.
    Mehr dislikes!!!

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    • avatar Erdmann sagt:

      Interessanter Hinweis armchairadmital: Eine Vorfahr von Frers hatte mal eine Fregatta namens “Heronia”, mit welcher die Argentinier mal von der la Plata Mündung zu den Malvinen (Falklands) segelten, um für die Heimat Besitzansprüche anzumelden. Sind halt Patrioten, diese Südländer. Der Bootsname ist nicht ganz aus der Luft gegriffen.

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  3. avatar laserrecke sagt:

    geiles teil- aber der fette anker vorne? Gewicht in den enden und dann siehst auch noch besch***en aus!

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    • avatar Heini sagt:

      Wo sollte er ihn denn verstauen?
      Was denkst Du wiegt wohl so ein Anker, für 23 m und 36 Tonnen?
      EIn bißchen mehr als 7,5 Kilo?

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  4. avatar Jan-X sagt:

    Was für eine Braut!
    Hab mir auf der Seite des Brokers gleich mal die Broschüre runtergeladen (Is ja bald Weihnachten und wünschen darf man sich ja was… Übrigens: Die Pläne am Ende der Broschüre sind leider verzerrt, man sieht es an den “ovalen” Winschen im Decksplan.)
    Auch wenn es für Innen keine Pläne gab: Ein Meisterstück! Da können viele Konstrukteure mal sehen, wie man das Verhältnis von lackiertem Holz und weißen Flächen richtig hinkriegt: Kaum Fenster oder Oberlichter und trotzdem ein helles Innenleben. Toll.
    Und das Buch hol ich mir auch.
    Also um es kurz zu machen: Danke danke danke für diesen Tipp!

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