Umwelt: Yvan Bourgnon baut riesigen Quadrimaran – Plastikmüll wird aufgefischt

Der Müllmaran

Was für ein Projekt: Auf hoher See will der Schweizer Abenteuer-Segler Bourgnon mit einem riesigen Mehrrumpfer in die Müllteppiche fahren, Plastik auffischen und später an Land recyceln.

Yvan Bourgnon ist das, was man gemeinhin ein Energie-Bündel nennt. Der 45-jährige Schweizer war in den Neunzigern und zu Beginn des neuen Jahrtausends einer der umtriebigsten Hochseeregattasegler.

Yvan Bourgnon, Weltumseglung, Strandkatamaran

Hat allen Grund zum Strahlen: Yvan Bourgnon © bourgnon

Er siegte bei der Mini-Transat, dem Fastnet-Race, gemeinsam mit seinem Bruder beim Transat Jacques Vabre und wurde schließlich für seine Jagd nach Hochseerekorden bekannt (u.a. auf Nacra 18, aber auch auf dem 25-Meter-Tri ORMA Brossard). Zu wahrem Weltruhm gelang er allerdings mit seiner Einhand –Weltumseglung 2014 im offenen Strandkatamaran (SR berichtete während der gesamten Tour). Kaum zurück, starb Yvans Bruder und Regatta-Vorbild Laurent bei einem tragischen Tauchunfall in der polynesischen Südsee. Ein Schicksalsschlag, nach dem viele Freunde dachten, Yvan Bourgnon werde sich wohl aus dem „Hochsee-Business“ zurückziehen.

300 Kubikmeter Ladekapazität

Doch weit gefehlt. Der Seemann mit den Schweizer Wurzeln meldet sich jetzt enthusiastisch mit seiner besonderen Liebe zum Meer zurück – als Müllsammler!

Yvan Bourgnon will mit einem monströsen, speziell konstruierten „Quadrimaran“ (60 Meter lang, 72 Meter breit) bei jeder Mülltour bis zu 300 Kubikmeter Plastikmüll aus der See fischen. Dazu wird er mit dem riesigen Segler (zwei nebeneinander stehende Zwillings- 30-Meter-Masten, wie Fifty-Fifty oder Team Phillips) in die Müllteppiche hinein fahren und ähnlich wie ein Manta bei der Nahrungsaufnahme groben Müll über Rampen und anschließende Rollteppiche ins Innere des Quadrimarans befördern.

Meeresverschmutzung, Plastikmüll, Mehrrumpfer, Yvan Bourgnon

Müllautos und -boote faszinieren (fast) immer © sea cleaners

Yvan Bourgnon: „Im Prinzip steht es sehr schlecht um die Weltmeere. Mehr als acht Millionen Tonnen Plastikmüll gelangen jedes Jahr in die Ozeane und solange nichts gegen diesen Plastikwahnsinn an Land gemacht wird, müssen wir die Folgen auf den Meeren bekämpfen!“ Der Hochseesegler macht deutlich, dass er nicht von blanken Theorien spricht.

„Ich habe das auf die harte Tour während meiner Ozeanüberquerungen am eigenen Körper und Boot erfahren,“ sagt Bourgnon. „Als Kind bin ich im Alter von zehn Jahren mit meinen Eltern um die Welt gesegelt. Damals war Plastik kein Thema. 33 Jahre später, bei meiner letzten Weltumseglung, gab es wochenlange Strecken, auf denen ich im Prinzip alle Stunden Plastiktüten von den Schwertern meines Strandkats klauben musste oder teils durch riesige Müllteppiche gefahren bin!“

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Die Meersfauna soll nicht in Mitleidenschaft gezogen werden © sea cleaners

Endlich ein Anfang

Für sein Müllsammel-Projekt gründete Bourgnon gemeinsam mit befreundeten Schiffbauingenieuren und Umweltschützern die „Association Sea Cleaners“, unter deren Regie der Quadrimaran „Manta“ gebaut und später eingesetzt werden soll.

„Natürlich werden wir damit nicht die Ozeane vom Müll befreien, aber wir können endlich einen Anfang mit rasch und mobil einsetzbaren, effizienten Müllsammelbooten machen!“ betont Bourgnon.

Um die Konzeption des ersten Müllsammel-Quadrimarans definitiv auf den Weg bringen zu können, rief Bourgnon vor Kurzem eine Crowdfunding-Kamapgne ins Leben, mit der 80.000 Euro gesammelt werden sollten. Nur wenige Tage später waren bereits 110.000 Euro im Topf, so dass die Gesamtsumme auf 150.000 Euro bis zum 13. Dezember aufgestockt werden konnte. „Es bringt eben doch was, wenn man einen guten Ruf in der Szene hat,“ freut sich Bourgnon.

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Cooles Logo © sea cleaners

Nächstes Jahr Nordwestpassage

Das Projekt Sea Cleaner hat bereits zahlreiche Interessenten in Übersee, speziell im asiatischen Bereich gewinnen können. Lediglich auf Neuseeland dürfte man etwas befremdet gewesen sein: dort gibt es längst einen gemeinnützigen Verein mit dem selben Namen und der gleichen Aufgabenstellung: Die Häfen und Meere vom Müll zu befreien.

In der französischen Hochseeszene ist man sich einig: Das wird was – lasst den Bourgnon nur machen! Übrigens, Yvan Bourgnon hat sich mit dem engagierten Müllsammelprojekt keineswegs aus der Abenteuer-Szene verabschiedet. Im nächsten Jahr will er als erster Segler im offenen Strandkat durch die Nordwestpassage segeln.

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Michael Kunst

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Ein Kommentar „Umwelt: Yvan Bourgnon baut riesigen Quadrimaran – Plastikmüll wird aufgefischt“

  1. avatar pl_wasser.turm sagt:

    Das ist eine gute Publicity für eines der drängendsten Umweltprobleme. Wie viele solcher Boote würden benötigt? Tausende? Zehntausende? Woher nehmen? Stillgelegte Boote der überbordenden fischreiflotten?! Wie finanzieren? Es gibt genug Geld und reiche Leute! Fast alle haben ein Faible fürs Meer, zumindest für große Boote. Wie bekommt man den Wettbewerbsgedanken in dieser Sache bei ihnen eingeimpft? Wer hat Ideen oder andere Vorschläge?

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