Meinung Meinung: Brexit – und was nun? Welche Folgen für die Wassersportbranche?

Abwarten und Tee trinken

brexit, Folgen, Wassersport

Steht es nach dem Brexit wirklich so schlimm um die EU? Lasst Euch nicht verrückt machen! © sputnik

Nach dem Referendum werden zunächst die Wunden geleckt. Welche Auswirkungen der Briten-Ausstieg für die Wassersportler haben wird, ist derzeit noch kaum absehbar.

Natürlich wird auch die Wassersportbranche vom Brexit betroffen sein. Alle, die in irgendeiner Form Handel mit den Briten betreiben, müssen sich spätestens jetzt Gedanken darüber machen, wie es in Zukunft weitergehen wird.

Doch egal welche Schreckensszenarien man sich wirtschaftlich branchenübergreifend für den britischen EU-Ausstieg ausmalt – die Wassersportbranche wird davon eher wenig spüren. Denn der spezifische Handel mit den Briten muss nicht zwangsläufig vollständig einbrechen, der Ausstieg aus der Handelsgemeinschaft bedeutet nicht per se ein Abbruch aller Handelsbeziehungen.

Rund zehn Prozent betrug 2015 der Anteil der Ausfuhren nach Großbritannien am Gesamtexportvolumen der deutschen Sportbootwirtschaft. Aktuelle Zahlen und eine professionelle Analyse der Lage waren am Tag nach dem Referendum vom eher suboptimal vorbereiteten Bundesverband der Wassersportwirtschaft nicht zu erfahren.

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Ein EU-Beamter räumt die britische Flagge weg © eu-comission

 

Enden etwa die Handelsbeziehungen?

Bereits veröffentlichte Zahlen aus der Vergangenheit weisen für 2015 etwa 270 Yachten im Wert von 23 Millionen Euro aus, die „auf die Insel“ verkauft wurden. Ob „nur“ 10 Prozent oder „immerhin“ 270 Yachten, ist natürlich Ansichtssache. Im Gegenzug wurden 350 Boote und Yachten im Wert von ca. 18 Millionen Euro nach Deutschland importiert.

Tatsache ist, dass einige deutsche Werften und Ausrüster sich zwar nicht gerade auf den britischen Markt spezialisiert, aber dennoch mehr oder weniger konstante Abnehmer ihrer Produkte unter den Briten gefunden haben. Dass diese Liebhaber deutscher Bootsbaukunst jetzt – wie in manchen Medien produkt- und branchenübergreifend als Szenario penetrant ausgemalt – von einem Tag auf den anderen keine EU-Produkte mehr kaufen werden, gilt unter Vernünftigen als höchst unwahrscheinlich.

Letztendlich geht es bei den Briten aber nicht nur um das „Wollen“, sondern auch um das „Können“. Bleibt das britische Pfund in den Kellerregionen, in die es letzte Nacht abgestiegen ist, werden sich viele Briten die entsprechend teureren deutschen Produkte schlicht nicht mehr leisten können. Oder wollen?

Zyniker behaupten schon, dass mit dem Brexit auch durchaus eine Chance verbunden sei. Ein schwächelndes Pfund Sterling könnte die Exporte der britischen Wassersportwirtschaft für den EU-Markt durchaus interessanter machen, etwa auf dem Markt der Gebrauchtyachten. Der (ähnlich reagierende) Immobilienmarkt soll sich jedenfalls schon im freien Preisfall befinden.

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Dunkle Wolken über britischen und deutschen Seglern? © uk coast guard

Segeln wir wegen dem Brexit jetzt nicht mehr vor England?

Auch Dienstleister wie etwa Charterunternehmen, die Reisen entlang der britischen Küsten anbieten, winken ab und beschwichtigen. Die Umsätze mit entsprechenden Charter-Törns halten sich zum Einen in engen Grenzen (ihr Wegfall würde zumindest keine Unternehmer-Existenzen bedrohen) und zum anderen muss die Frage erlaubt sein, warum denn nach dem Brexit plötzlich weniger Segeltouristen entlang der Ärmelkanal-Kreidefelsen oder vor den schottischen Whisky-Burgen schippern sollten? Ging man bisher dort nur segeln, weil die Briten EU-Mitglieder waren?

Und wenn in Zukunft – oh schlimmstes aller Szenarien – beim Anlegen in Portsmouth oder anderswo wieder britische Zollbeamte unsere Boote besuchen und das eine oder andere Formular ausgefüllt werden muss… na und?

So manchem britischen Segler, der derzeit seine Yacht oder sein Boot etwa an südlichen EU-Küsten liegen hat, wird da die Suppe noch viel mehr versalzen. Denn ein Skipper aus einem Staat, der nicht EU-Mitglied ist, darf sich nur 90 Tage (pro Halbjahr) in Schengen-Ländern aufhalten. Und eine Yacht, die unter Nicht-EU-Flagge fährt, darf höchstens 18 Monate etwa an den Küsten Spaniens, Frankreichs oder Italiens liegen.

Also abwarten und „a nice cup of tea“ trinken. Es wird noch Jahre dauern, bis die Briten ihren Austritt „auf den Weg“ gebracht haben und sich wirtschaftliche Konsequenzen speziell in der Wassersportbranche bewerten lassen. Europäische Segler und Motorbootfahrer werden jedenfalls kaum unter dem Brexit leiden – eher die Briten unter dem, was sie sich mit ihrer Wahl eingebrockt haben.

Auf dem europäischen Kontinent sollte man allerdings aufpassen, dass wir nicht durch eine medial aufgeblasene Hysterie im Sinne eines „in den Grundfesten erschütterten Europas“ tatsächlich ins Wanken geraten. Eine demokratisch ausgerichtete Staatengemeinschaft muss es doch verkraften können, wenn eine Nation, die sich in den letzten Jahren sowieso durch permanente EU-Kritik und –Nölerei hervortat, von ihrem Recht auf Austritt Gebrauch macht. Ohne dass alles gleich den Bach runter geht…

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Michael Kunst

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3 Kommentare zu „Meinung: Brexit – und was nun? Welche Folgen für die Wassersportbranche?“

  1. avatar oliver@segelnmallorca.de sagt:

    Ein super Kommentar. Am Ende schaden sich die Briten nur selbst damit… Die Produkte aus GB werden günstiger, also besser für uns. ….

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  2. avatar Sven 14Footer sagt:

    Grundsätzlich wird deshalb kein Geschäft komplett wegbrechen oder eine Art der Freizeit- Urlaubsgestaltung nicht mehr möglich sein. Erst wenn der austritt wirklich vollzogen ist, aber dann schon werden wir spüren wie leicht es ist im EU Binnenmarkt zu kaufen oder verkaufen und auch zu reisen. Da wird in Zukunft sicherlich an vielen Stellen ein formular mehr gebraucht und hier und da auch eine zusätzliche Steuer dazu kommen. Aber ein Drama wird es nicht werden.
    Vielleicht merkt der Rest der EU dann, welchen Nutzen wir von der EU haben!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 1

  3. avatar firehorse sagt:

    Erst einmal kommt der Exit vom Brexit, denn noch ist nicht durch und muss alles auch vom Parlament abgesegnet werden. Und da jetzt schon fast 4 Mio, in der Petition für einen EXIT vorm BREXIT gestimmt haben, sind diese jetzt schon gezwungen sich damit zu befassen.
    Scheinbar merken selbst die Befürworter erst jetzt was sie da getan haben und fragen erst einmal nach was die EU denn überhaupt ist… ;D

    Also machen wir es hier wie die Engländer und trinken erst einmal in aller Ruhe Tee.

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