Transatlantik: Harald Sedlacek 1.600 sm vor Florida in Schwierigkeiten

„Das nagt an den Nerven!“

Auf 4,90 Metern Boot im zweitgrößten Ozean unseres Planeten © fipofix

Auf 4,90 Metern Boot im zweitgrößten Ozean unseres Planeten © fipofix

Schon 63 Tage ist Harald Sedlacek einhand auf seiner Open 16 unterwegs – auch für Micro-Verhältnisse eine lange Zeit. Gefährden technische Probleme und mangelnde Nahrung erneut das Projekt?

Der Mensch ist ein stoisches Wesen. Man kann ihm allerhand zumuten, selbst in Extremsituationen ist er erstaunlich belastbar. Doch was Harald Sedlacek derzeit durchmacht, geht durchaus an die Belastungsgrenze.

Dabei sind es nicht Stürme oder Kaventsmänner, die dem Österreicher zusetzen, sondern ein (eigentlich bei allen Seglern bekanntes) schicksalhaftes Gesetz: „Murphys Law“ – alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen!

 Murphy’s Law

Eigentlich ist ja sein Vater Norbert für derartige Extremtouren zuständig. Der erfolgreiche Hochseesegler und Abenteurer kam auf die Idee, mit einem „weltweit erstmaligen Versuch den Nordatlantik in einem nur 16 Fuß kleinen, sprich 4,90 Meter kurzen, Segelboot einhand, nonstop und ohne Hilfe von außen von Ost nach West und anschließend auch auf der gefürchteten Nordroute von West nach Ost zu überqueren,“ wie er auf seiner Website schreibt.

Norbert scheiterte in seinem ersten Anlauf an der Bordelektronik, übergab das Ruder seinem Sohn Harald (32) , der so „seine Chance erhalten sollte“. SR hat kritisch über das Geschäft mit dem Abenteuer berichtet.

Im insgesamt dritten Anlauf segelte Harald Sedlacek schließlich tatsächlich gen Westen, obwohl schon in den ersten Tagen seine Selbststeueranlage ausfiel. Was wiederum heißt: 24-Stunden-Schichten für den Open 16-Segler.

Derzeit mit 3-5 Knoten Speed unterwegs © fipofix

Derzeit mit 3-5 Knoten Speed unterwegs © fipofix

Doch die Probleme wollen kein Ende nehmen, das „Gesetz des Murphy“ ist unerbittlich: Das Rudergestänge bereitete Schwierigkeiten, Sedlacek musste mehrfach reparieren. Vor sechs Tagen verabschiedete sich das Backbordruder – der Open 16 „Fipofix“ ist tatsächlich mit zwei Rudern ausgestattet – was wiederum einen „echten Knockdown“ für die Moral des Einhandseglers bedeutete. Nach Gesprächen mit seinem Vater (über Satellitentelefon) versetzte Harald zur Stabilisierung den Watt’n Sea-Hydrogenerator für eine bessere Ruderwirkung…

Bald richtig Hunger?

Der Wind weht derzeit eher schwach bis moderat, aber Kreuzseen lassen das Boot „rumpeln und pumpeln“, wie Sedlacek in seinem aktuellen Blog schreibt. Ungefähr 1.600 Seemeilen von seinem Ziel Florida entfernt und mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 3-5 Knoten Fahrt unterwegs, ergab ein Check der Nahrungsmittelvorräte, dass dieselben knapp werden – also ist Rationierung angesagt.

Seit gestern plagen ihn zudem körperliche Verschleißerscheinungen: Schleimbeutel oder Meniskus rebellieren, das linke Knie schwillt an. „Das nagt an den Nerven“ schreibt Harald von Bord.

Wie war das noch: Der Mensch ist erstaunlich belastbar. Wenn bloß das Gesetz des Murphy nicht wäre!

Aktuelles von Bord der „Fipofix“

avatar

Michael Kunst

Näheres zu miku findest Du hier
Spenden
http://nouveda.com

14 Kommentare zu „Transatlantik: Harald Sedlacek 1.600 sm vor Florida in Schwierigkeiten“

  1. avatar Yachti sagt:

    Oben das Bild. Zitat:”Derzeit mit 3-5 Knoten Speed unterwegs”

    Ich würde vielleicht mal ausreffen aber egal.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 11 Daumen runter 4

  2. Fieser Kommentar … Hoffen wir mal, dass der Steuermannswechsel auch von ihm (Harald) so gewollt gewesen war. Mit einem solchen Schiff, was unter besten Bedingungen kaum über 100sm am Tag kommt und dass ich auch noch selber (vom Start weg) steuern muss, würde ich nicht gern auf dem Atlantik unterwegs sein.
    Ich wette mal, dass die Nordroute ausfallen wird oder meinen die Sedlaceks wirklich, dass da noch etwas zu beweisen ist ?

    VG

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 4 Daumen runter 4

  3. avatar Trolli sagt:

    Das Autopiloten hin und wieder Probleme bereiten können, ist hinlänglich bekannt. Deswegen werden bei solchen Langstrecken in der Regel auch zwei unabhängige Systeme, nämlich eins als Backup installiert…. Das bei denen der Autopilot ausfällt wundert mich nun garnicht, da ja schon bei vorherigen Startversuchen der Autopilot Probleme bereitete. Das sie nachdem dritten Startveruch es dem Sponsor nicht zumuten können nochmal umzukehren haben sie sich selbst zuzuschreiben und aufgeben werden sie wohl auch nicht weil sie sonst in Zukunft Probleme bekommen dürften an Geld für weitere Projekte zu kommen. Alles in allem ist das Projekt eine reine Katastrophe.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 9 Daumen runter 4

    • avatar hurghaman sagt:

      Zugegeben; Es sieht zwar nicht so sexy aus, aber was spricht gegen die gute alte Windfahnensteuerung als Zweitsystem. Ok sie steuert nicht Kurs sondern Windwinkel aber reicht um einen ein paar Stunden zu entlasten.Uuuund sie läuft ohne Strom.

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 16 Daumen runter 2

    • avatar Piet sagt:

      Ich hoffe auch das der Windbeutel durch dieses Projekt keine weiteren realisieren kann.

      Wo anders wurde schon geschrieben das es für Sedlacek irgenwann nicht mehr extremer geht und die Projekte zu selbstmord kommandos werden.

      Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 6 Daumen runter 12

  4. avatar Fastnetwinner sagt:

    Wie wäre es wenn alle Negativschwätzer hier mal ihren Schnabel hielten und die Vater und Sohn mal machen ließen? An Land stehen und schlau schnacken kann jeder. Der Hauptgrund, warum Leute keinen Bock mehr auf Segelclubs haben ist die schiere Anzahl an Leuten, die schon ganz am Anfang im Gründungsausschuss saßen, als die Seefahrt erfunden wurde. Und man wird das Gefühl nicht los, daß das in diesem Thread nicht anders ist.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 11 Daumen runter 9

    • avatar x-claim sagt:

      Naja, wer sich in die Öffentlichkeit begibt um dort sein Geld mit “Abenteuer-Projekten” zu verdienen, muss dann auch damit klar kommen, wenn die Kommentare so kommen wie sie kommen.

      Mich nerven solche “Projekte” und ich würde sie nicht kommentieren, wenn ich nicht immer wieder damit konfrontiert werden würde.

      Die wollten es doch so, also was soll das Gejammer – Aufmerksamkeit auf sich ziehen, darum geht es wohl eher.

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 9 Daumen runter 4

  5. avatar dubblebubble sagt:

    Wie kommt es zu diesen konstant niedrigen Etmalen? 3-4kn schafft man ja mit einem Floß. Von einer Open und sei sie noch so winzig, darf man doch etwas mehr erwarten, oder?

    Like or Dislike: Daumen hoch 2 Daumen runter 0

    • avatar Floß sagt:

      Hannes Lindemann brauchte mit seinem Faltboot 72 Tage. Das war 1956. (siehe Wikipedia)

      Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 0

  6. avatar Stefan Zeyse sagt:

    Der arme Sack. Dümpelt in einem winzigen Boot auf dem Atlantik umher damit Papa auf den Messen seine Vulkanfaser vermarkten kann. Ein Projekt, welches niemand braucht.

    Like or Dislike: Daumen hoch 3 Daumen runter 1

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *