Weltenbummler: Mit drei kleinen Kindern auf einer Karbonrennyacht

Nomadenfamilie auf Open 40

Weltumseglung, Familie, kleine Kinder, Open 40

Eine ziemlich glückliche Kindheit auf einer Open 40 © somira sao

Eine mittlerweile fünfköpfige Familie lebt auf der Open 40 „Anasazi Girl“ und tingelt um die Welt. Mit viel Zeit für die Landgänge und ziemlich schnellen Törns auf den Weltmeeren.

Papa James Burwick ist alles, bloß nicht „normal“.  James ist Bergsteiger, Freeclimber, ein Bergfex. Und – Mann der Extreme  – eben auch Segler: Monatelang oben im Berg leben, Expeditionen leiten, wissenschaftliche Projekte als Führer begleiten, über Wochen alleine in den einsamsten Gegenden der Welt, auf Gletschern, auf Sechstausendern, in der Vertikale schwierigster Felswände. Um dann „runter zu kommen“ in die nächste Einsamkeit: Das Meer. Dort segelte James mehr als 30.000 sm – einhand.

Weltumseglung, Familie, kleine Kinder, Open 40

Daddys Job: Sicher ankommen! © somira sao

32 Jahre lang nahm er an den wildesten Projekten zu Wasser und an Land teil, bildete Rettungshunde aus, leitete Lawinen-Rettungs-Projekte, engagierte sich in Berg- und Seeprojekten für Behinderte in Colorado und Norwegen. James lebte als Outsider und Extremist… bis er Somira traf.

Somira Sao wurde in einem Khmer Rouge Arbeitslager während des Pol Pot Regimes in Kambodscha geboren. Im Alter von 4 Jahren floh sie mit ihren Eltern und emigrierte in die USA. Sie wird Fotografin, Glas-Künstlerin, Weltenbummlerin.

Somira tingelt um die Welt, aber es zieht sie immer wieder in ihre alte Heimat. Im mittlerweile (vom Pol Pot-Regime) befreiten Kambodscha arbeitet sie u.a. mit dem australischen Roten Kreuz und dokumentiert als Fotografin dortige Landminen-Hilfsprogramme. Irgendwann lernt sie James kennen, auf einem Berg, bei einer Expedition. Sie beschließen ein gemeinsames Leben, versprechen sich aber: „Alles, bloß nicht normal“.

Weltumseglung, Familie, kleine Kinder, Open 40

Trockentraining für die Kleinen. Fehlt nur noch das Baumhaus, respektive Krähennest © somira sao

Nomaden-Kinder

Vorhang auf für Tochter Tormentina (4,5 Jahre) und Sohn Raivo (2,5 Jahre). Beide leben seit ihren ersten Tagen auf dieser Welt das Leben ihrer Eltern – in der Extreme. Sie wohnten niemals in einem Haus oder in einer Wohnung sondern in Expeditionszelten, Wohnmobilen, Hotelzimmern und … auf einer Kohlefaser-Rennyacht.

Umgeben von Weltklasse-Bergsteigern, Freeclimbern, Profi-Skifahrern und Weltumseglern war das Chaos ihre Normalität, war das Fremde von Anfang an vertraut. Sie bereisten mit ihren Eltern bei diversen Expeditionen Patagonien, die Atacama-Wüste, ritten auf Pferden durch die Regenwälder des chilenischen Cocahomo-Tals.

Bis Papa und Mama irgendwann beschlossen, ihren Kids „den Ozean, die Weltmeere, die Seele unserer Erde“ näher zu bringen. Auf dem Finot-Conq-Open 40 „Anasazi Girl“ starten sie in Portland, USA und segeln mal eben schnell rüber nach Cherbourg, Frankreich. Im Juni 2011 war das, sie nahmen sich 21 Tage Zeit für die Überfahrt.

„Ein schnelles Boot zu haben ist das eine,“ sinnierte James später. „Und es ist immer gut zu wissen, dass du noch ein paar Knoten zulegen kannst, wenn du nur willst. Aber bei dieser ersten Reise diktierten die Kinder und Somira das Tempo – mein Job war es, sie sicher rüber zu bringen!“ Tormentina wurde auf See 3 Jahre alt, Raivo war 9 Monate jung.

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Es gibt immer was zu lernen. Vor allem, bei so einem Papa… © somira sao

Kleine Kids auf schnellem Schiff

Sie tingeln die französische und spanische Küste entlang, verweilen oft länger in den Häfen um mit den Kindern Das Hinterland zu entdecken. Überall wo sie anlanden, werden sie bewundert: „Mit so kleinen Kindern? Auf so einer Rennsemmel? Um die Welt?“

Und, ja, es geht. Alles klappt reibungslos. Das Schiff ist nur selten zickig, die „Anasazi-Girl“ läuft robust und sicher. Die Familie segelt nach Madeira (trifft dort auf den Mini-Transat-Zirkus), zu den Kanaren. Von dort aus braucht sie 32 Tage bis nach Kapstadt, legen nochmals auf den Kapverden an, segeln eine wunderbare Passage auf der Barfußroute. „Wir hatten fantastische Surfs, was sich wild anhört, aber das Schiff liegt dann ziemlich stabil, die Kids sind in Sicherheit!“

Sie bleiben lange in Südafrika, wohnen aber größtenteils auf dem Schiff. Von April bis Mai 2012 rasen Sie durch den Southern Ocean. Die Kids sind eineinhalb und dreieinhalb Jahre jung, und beteiligten sich bereits rege am Bordleben auf See. 30 Tage braucht die ungewöhnliche Crew von Südafrika nach Freemantle, Westaustralien.

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Skateboarden im Hafen © somira sao

Im September segelt sie in 8 Tagen nonstop durch die Bass-Street nach Melbourne, schließlich im Oktober in 10 Tagen rüber zur neuseeländischen Nordinsel. „Hier war erstmal eine längerePause angesagt. Ist ja auch ein schöner Flecken Erde!“ schreibt Somira auf ihrem Blog.

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Michael Kunst

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12 Kommentare zu „Weltenbummler: Mit drei kleinen Kindern auf einer Karbonrennyacht“

  1. avatar Alex sagt:

    Und ich mache mir Gedanken wie die kommende Saison mit Tochter (16 Monate) funktioniert.

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  2. avatar Seven sagt:

    Daddy Cool !……and mom also!

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  3. avatar thorsten sagt:

    Neid und Anerkennung. Ich hätte nüchtern den Mut, mit meiner Familie loszusegeln…

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  4. avatar Manfred Ainslie sagt:

    Das ein Langbrett!! Skateboard mensch

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  5. avatar Andi.B sagt:

    zum Bild mit den beiden Kleinen im Mast: “So haben dann auch Mami und Papi mal eine Stunde Ruhe!” ;-))

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  6. avatar klaus müller sagt:

    alles prima – nur: wovon leben die beiden?

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    • avatar Hobby-Regatteur sagt:

      Nicht von Tommy Hilfinger. Auf ihrer Webseite sind Sponsoren gelistet.
      Er wird nicht ehrenamtlich als Bergführer tätig (gewesen) sein.
      Ring frei zur nächsten Neid-Debatte…

      Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 5 Daumen runter 3

      • avatar Capitan Futuro sagt:

        Kaum fragt jemand nüchtern und sachlich, wovon sie leben, schon kommt jemand mit dem “Neid-Debatte-Hammer”.

        Ist doch ne Frage, mehr nicht.

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  7. avatar RVK sagt:

    Das ma richtig downsizing! Open40 anstelle Komfortschnickschnack! I like!

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  8. avatar Boris sagt:

    Mal wieder ein Danke an Miku….

    für die schöne Geschichte. Da schlagen alle Sehnsüchte im tiefsten Inneren Alarm! Auch machen will!!! Träum!! Die Midlifecrisis startet in die nächste Runde. Doch noch mein Leben radikal ändern??? 😉

    Zu akzeptieren, dass wir verschiedene Leben und Möglichkeiten haben fällt da immer erstmal schwer. Dem einen fehlt das Geld (nein, keine Neiddebatte jetzt!), dem nächsten die passende Frau, jemand anderem der Mut sich auf sowas einzulassen, wieder einem anderen das passende Boot, dem nächsten die Gesundheit und mir vielleicht alles davon?!

    Es ist doch auch so schön davon zu lesen und mit zu träumen.

    Danke!

    „Nenn Dich nicht arm, weil Deine Träume nicht in Erfüllung gegangen sind. Wirklich arm ist nur wer nie geträumt hat.“ [Marie von Ebner-Eschenbach]

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  9. avatar Chris sagt:

    off topic: wer des englischen mächtiger nennt sein kind “tomentina”? (torment: pein, peinigung, quälerei) 🙂

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  10. avatar Sven sagt:

    Wow – toll. Bin neidisch auf die Fünf.

    Vielleicht kann man sich eine kleine Scheibe abschneiden und diesen Sommer mehr Mut haben, wenn man mit den eigenen kleinen Kindern segeln geht.

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