America’s Cup Artemis: Skipper Terry Hutchinson gefeuert, Outteridge übernimmt

Unwürdiger Abgang

Artemis Steuermann Terry Hutchinson wurde gefeuert. © Kaenon

Artemis Steuermann Terry Hutchinson wurde gefeuert. © Kaenon

Beim America’s Cup Challenger of Record Artemis scheinen die Nerven blank zu liegen. Das Team des schwedischen Milliardärs Torbjörn Tornquist hat seinen Skipper Terry Hutchinson gefeuert. Nach einer kurzen Pressemitteilung wurde er postwendend von der Teamseite gestrichen.

Artemis CEO Paul Cayard sagt betont höflich aber deutlich distanziert, dass es nicht einfach sei, Hutchinson gehen zu sehen. Aber er glaube, dass es der richtige Weg für das Team sei. “Terry hat sich gut mit den AC45 geschlagen. Insbesondere mit den Sieg im Match Racing. Aber wir glauben, dass uns das neue Setup schneller in die Zukunft bringt und dass Nathan möglicherweise das größere Potenzial hat.”

Das sind ungewöhnlich harte Worte in der Welt der Profi-Segelei. Cayard schiebt zwar nach, dass es eine schwierige Entscheidung war auf persönlicher Ebene, weil Hutchinson nicht weniger als 110 Prozent für Artemis Racing gegeben habe, aber sie hätten getan, was für das Team am besten sei.

Es gibt noch wenige Segelbilder vom AC72 Katamaran, der noch keine Anstalten macht, zu fliegen. © Sander van der Borch/Artemis

Es gibt noch wenige Segelbilder vom AC72 Katamaran, der noch keine Anstalten macht, zu fliegen. © Sander van der Borch/Artemis

Das heißt, die Verantwortung am Steuer wird jetzt an den australischen 49er Olympiasieger Nathan Outteridge übergeben, der erst zur letzten World Series in San Francisco zum schwedischen Team stoß. Zuvor hatte er das AC45 Team Korea zu starken Ergebnissen gesteuert.

Befördert wurde auch der britische Doppel-Olypiasieger Ian Percy, der in Weymouth so tragisch Star-Gold im Medalrace verpasst hatte. Er soll nicht nur Taktiker sein, sondern auch als Sailing Team Director die Mannschaft führen. Außerdem wird jetzt auch der französische Altmeister Loick Peyron offiziell als Steuermann geführt.

Ebenfalls wird die Rolle des Argentiniers Santiago Lange gestärkt. Der zweifache Bronze-Medaillengewinner im Tornado, der die rechte Hand von Star-Designer Juan Kouyoumdjian ist, soll an Bord als Segel und Design Koordinator fungieren.

Hutchinson im Gespräch mit Loick Peyron. Nun geht der Amerikaner von Bord und der Franzose an Bord. © Sander van der Borch/Artemis

Hutchinson im Gespräch mit Loick Peyron. Nun geht der Amerikaner von Bord und der Franzose an Bord. © Sander van der Borch/Artemis

Die Umbesetzung des Teams mag zeigen, wie es hinter den Kulissen des finanziell bestens ausgestatteten schwedischen America’s Cup Herausforder zugeht. Der Kurs Richtung Cupgewinn ist ins Schlingern geraten, seit sich besonders der Abstand zu den Neuseeländer Tag um Tag zu vergrößern scheint.

Artemis hatte zwar als erstes Team einen 40 Meter Flügel für die AC72 gebaut und ihn auf einem Trimaran gestellt, verlor aber seinen Design-Vorsprung, als das Profil kollabierte. Danach geriet Artemis ins Hintertreffen beim Bau des ersten AC72 America’s Cuppers und erlitt beim ersten Schleppversuch sogar einen schweren Beam Schaden, der die ersten Segeltests noch weiter verzögerte.

Das Segel-Programm musste verkürzt werden. Und jetzt traut man offenbar dem altgedienten Hutchinson nicht mehr zu, den Mega Kat sicher in Fahrt zu bringen. Er warf schon einen AC45 um, und feierte seine Erfolge überwiegend auf Monohulls. Dabei tat er sich besonders als Taktiker vom Team New Zealand 2007 und als Quantum Steuermann bei der Audi MedCup Serie als einer der besten Segler der Welt hervor.

Der Artemis Luvrumpf hebt sich immerhin schon aus dem Wasser. © Sander van der Borch/Artemis

Der Artemis Luvrumpf hebt sich immerhin schon aus dem Wasser. © Sander van der Borch/Artemis

Aber nun ist klar, dass Artemis immer weniger Zeit bleibt, das Segeln mit dem neuen AC72 zu lernen. Die Verantwortlichen schätzen das Potenzial von Outteridge in Verbindung mit der 35-Jährigen Multihull-Erfahrung von Peyron als bessere Kombination ein.

Freiwillig scheint Hutchinson nicht gegangen zu sein. Die Pressemitteilung ist zu kühl, der Abgang zu unwürdig. Wohlmöglich ließ der altgediente Hutchinson, der noch im Januar im SR-Interview seinen Kampfgeist betonte, dem australischen Neuankömmling zu wenig Luft für die Entwicklung.

Wie schnell ist das schwedische Team? Verliert es jetzt die Nerven? © Sander van der Borch/Artemis

Wie schnell ist das schwedische Team? Verliert es jetzt die Nerven? © Sander van der Borch/Artemis

Mit dem mehrfachen J/24 Weltmeister verlässt einer der letzten großen Stars der vergangenen America’s Cup Ära die Bühne des America’s Cups.

 

 

 

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Carsten Kemmling

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2 Kommentare zu „America’s Cup Artemis: Skipper Terry Hutchinson gefeuert, Outteridge übernimmt“

  1. avatar Markus sagt:

    Ehrlich gesagt ueberrascht mich diese Personalentscheidung nicht! Die Kombi Cayard/Hutchinson konnte auf Dauer nicht gutgehen. Cayards Ego ist viel zu groß als dass er sich die Macht mit Hutchinson auf Dauer hätte teilen können. Cayard wird in der Szene als der “most overrated sailor worldwide” bezeichnet. Er verkauft sich gut und denkt er ist der Beste, aber die Realität sieht ganz anders aus. Er ist kein genialer Segler und er gehört bei weitem nicht zu den Besten . Seine Managementfaehigkeiten sind bescheiden. Aber er sitzt im Arsch von Torben Tornquist. Hutchinson war von Anfang an für Cayard ein Dorn im Auge, er musste nur auf den richtigen Moment warten ihn loszuwerden. Cayards Machterhaltungstrieb ist extrem stark ausgeprägt! das traurige ist, dass er immer noch reiche Eigner findet die er abzocken kann. Sein Engagement bei Artemis hatte er Coutts zu verdanken. In der Szene wird man bald die wahren Gruende ueber den Rausschmiss erfahren und ich bin mir sicher dass ich da mit meiner Einschätzung ziemlich richtig liege.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 20 Daumen runter 6

  2. avatar Manfred sagt:

    Naja, vielleicht richtig. Unvergessen in der AC Szene ist jedoch auch, wie TH das Penalty von Alinghi gegen ETNZ falsch ansetzen lies und man dadurch ein wichtiges Rennen verlor, welches eventuell hätte die Wende bringen können im spannenden Finale AC32. Allerdings hat das wohl weniger mit der aktuellen Personalentscheidung zu tun. Da bin ich eher bei Dir. Der passte da einfach nicht mehr rein in das Team.

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