America’s Cup: Buchautor behauptet, “Oracle Team USA” siegte 2013 durch Betrug

Zum Sieg gepumpt

 

34. America's Cup Finals San Francisco (_MG_4755)

“Trimmen” des Segels durchaus erlaubt © america’s cup

„Alles Beschiss“ behauptet Bruce Knecht in seinem neuen Buch „The Comeback“. Auf Oracle Team USA wurde seinerzeit heftig gepumpt. Doch war das wirklich regelwidrig?

Eigentlich müsste doch nun wirklich ein Strich unter den America’s Cup 2013 gezogen werden. Nie zuvor wurde über ein Segelevent so ausführlich, detailliert und breit gefächert berichtet, wie über das Duell zwischen den Kiwis und Amerikanern in der Bucht von San Franzisko. Doch der spektakuläre Ablauf der Regatta – AC-Cup-Verteidiger Oracle Team USA holte einen Rückstand von 1:8 noch auf und gewann 9:8 – regt weiterhin die Fantasie vieler Segelenthusiasten an.

So ließ auch Buchautor Bruce Knecht der Gedanke nicht los, dass an Bord der „Oracle“ irgendwas nicht mit „rechten Dingen“ zugegangen sein muss. Denn wie sonst hätten die Amerikaner in solch einer aussichtslosen Lage immerhin gegen ein Team, in dem einige der besten Segler der Welt versammelt waren, so kaltschnäuzig siegen können?

Schneller auf die Foils

Mittlerweile ist jedem Segelenthusiasten klar, dass die Herrschaften des „Oracle Team USA“ den Grundstein ihres Erfolges mit einer schlagartig verbesserten Foil-Technik am Wind gelegt haben. Im Prinzip vom sprichwörtlichen „einen Tag auf den anderen“ foilten sie ebenso gut wie ihre Konkurrenten aus Neuseeland. Genau dort, wo sich die Kiwis zuvor ihren komfortablen Vorsprung erarbeitet hatten, wurden sie nun von den Amerikanern vorgeführt.

Oracle Team USA

Oracle Team USA beim kontrollierten Am Wind Foiling © Navas

Wie es dazu kommen konnte? Ein plötzlicher Geistesblitz oder gar eine Eingebung bei James Spithill, dem Steuermann des Oracle Team USA? Oder schlicht ein ausdauerndes Training, das endlich fruchtete?

Genau das hinterfragte Bruce Knecht bei offenbar zahlreichen Gesprächen mit den Protagonisten des letztendlich siegreichen AC-Katamarans. Und erhielt dabei eine verblüffende Antwort: „Weil wir gepumpt haben!“

“Wir hätten zuviel Boden verloren”

Tatsächlich brachte wohl das Oracle-Team mit heftigem „Pumpen“ des Flügelsegels ihren Katamaran nach der Wende schnell wieder auf Touren. Ein „Trimm“, den man auf Videos aufgrund der eher starren Segelform nur schlecht ausmachen kann. Jedenfalls hob sich so „Oracle Team USA“ nach der Wende sehr schnell auf die Foils, worauf Steuermann Spithill den Renner – weiterhin auf Foils – höher an den Wind bringen konnte. „Hätten wir den Flügel nicht permanent gepumpt, hätten wir Boden verloren!“ soll Spithill gesagt haben.

Autor Knecht, früherer Korrespondent des Wall Street Journals und selbst begeisterter Segler, folgert daraus, das siegreiche Team habe die ganze Zeit gegen „Regel 42“ verstoßen, die bekanntlich das Pumpen untersagt. Die größte Aufholjagd in der Geschichte des Segelsports sei also nur mit Betrug möglich gewesen.

Doch hätte dann der „Fuchs“ Spithill so bereitwillig Auskunft gegeben? Wohl kaum. Denn der America’s Cup gilt nicht umsonst als exzentrischste Regatta der Welt. Und dazu gehört auch, dass sie sich – zumindest im Detail – eigene Regeln bastelt. Die internationale RRS Rule 42 verbietet zwar „ (a) Pumpen: Wiederholtes Bewegen eines Segels entweder durch Dichtholen und Fieren des Segels oder durch vertikale oder Querschiffs-Körperbewegungen.“

James Spithill

Hätte James Spithill so bereitwillig Auskunft gegeben, wenn Pumpen wirklich ein Regelverstoß gewesen wäre? © Guilain Grenier / ORACLE TEAM USA

Eigene Regeln

In den Regeln des America’s Cup steht lediglich geschrieben, dass die Yacht nur Wind und Wasser nutzen dürfe, um ihren Speed zu erhöhen. Die Crew dürfe den Trimm der Flügelsegel, Ruder und des Rumpfes verändern und andere seemännische Aktionen ausführen.

Ein Pump-Verbot, wie in den internationalen Regeln aufgeführt, wird explizit nicht genannt.

Bruce Knecht versucht jedenfalls weiterhin, mit diesen „Enthüllungen“ sein Buch „The Comeback“ möglichst erfolgreich zu vermarkten…

E-Book Bruce Knecht “The Comeback” 

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Michael Kunst

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3 Kommentare zu „America’s Cup: Buchautor behauptet, “Oracle Team USA” siegte 2013 durch Betrug“

  1. avatar Kristof sagt:

    Hm, das kann ich mir irgendwie gar nicht recht vorstellen, wie man mit so einem großen und starren Segel pumpt. Gibt es davon Videos?

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  2. avatar wet rabbit sagt:

    Es gab in der Seahorse einen Artikel, der nachvollziehbar erklärt hat, wie es zu der plötzlichen Leistungssteigerung kam. Dort wird vor allem von regelkonformen Änderungen im Hydraulik-Trimm-System für die Foils, aber auch vom Verlagern des Druckpunktes im Segel und Änderungen der Twistmöglichkeiten gesprochen. Ich weiß leider nicht mehr, welche Ausgabe das war. Das Suchen und Lesen lohnt sich sicher.

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  3. avatar Fabi sagt:

    So ein Knecht, dieser Autor 😀

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