America’s Cup: Schwerer Schlag für den Cup – Luna Rossa steigt aus

"Schmerzliche Entscheidung"

Das Luna Rossa Team hat seine Drohung wahr gemacht und seine Meldung für den 35. America’s Cup zurückgezogen. In seiner Erklärung erhebt Patrizio schwere Anschuldigungen gegen die Cup Verteidiger.

Patrizio Bertelli und Skipper Max Sirena

Patrizio Bertelli und Skipper Max Sirena waren schon beim vergangenen Cup sauer auf den Cup Verteidiger. © Borlenghi/Luna Rossa

Der America’s Cup in die größte Krise nach der 2008 gestarteten zweijährigen Schlammschlacht zwischen Larry Ellison und Ernesto Bertarelli geraten. Mit dem Ausstieg der Italiener, eines der spannendsten aussichtsreichsten Wettbewerber für 2017, hat die Regatta einen großen Teil ihrer Attraktivität verloren.

Überflüssige Investition

Luna Rossa hatte sich mit den Neuseeländern gegen die neue Klassenregel gewandt war aber von der Gruppe der Herausforderer mit 3:2 überstimmt worden. Die Italiener waren im Design Prozess für den AC62 Katamaran chon am weitesten fortgeschritten und ärgern sich über die nun überflüssige Investition. Sie hatten insbesondere ihr Technik-Team schwer aufgerüstet.

In ihrer Erklärung wenden sie sich insbesondere gegen das Prinzip, in großem Maße einheitliche Elemente für die neue Bootsklasse zuzulassen. “Das steht in absolutem Kontrast zur Jahrhunderte alten Tradition des America’s Cups.” Daraus ergebe sich eine fehlende Glaubwürdigkeit in Bezug auf den technischen Aspekt der Regatta, die eigentlich der anspruchsvollste Segel-Wettkampf der Welt sein sollte.

Luna Rossa

Luna Rossa bei Training mit seinen beiden AC45 vor Cagliari. © Carlo Borlenghi/Luna Rossa

Diese radikale Veränderung habe schon viele überflüssige Ressourcen vernichtet, die aufgrund der im Juni 2014 festgelegten Regeln vom investiert wurden. Dadurch werde die Behauptung, Kosten sparen zu wollen, als Ausrede entlarvt. Vielmehr sollen die Forschungsergebnisse und Entwicklungen einiger Teams vernichtet werden.

Eigene Vorschläge zur Kostensenkung abgewiesen

Luna Rossa selber habe mehrfach Vorschläge gemacht, die auf eine Kostensenkung gezielt haben aber die Art des Bootes nicht verändert hätten. Diese Vorschläge seien aber systematisch vom Verteidiger zurückgewiesen worden.

Die Italiener hätten auch überlegt, das Schlichtungsverfahren einzuleiten, so wie es im Protokoll vorgesehen sei. Aber zehn Monate nach dem Unterschreiben des Protokolls habe der Verteidiger erst jetzt damit begonnen, den formalen Prozess zur Einberufung dieser wichtigen Kontroll-Organisation einzuleiten. Daraus ergebe sich noch mehr, dass die gesamte Veranstaltung wenig vertrauenswürdig und verlässlich ist.

Luna Rossa bedauere die Auswirkungen, die die Entscheidung für die Teammitglieder habe. Immerhin sollen schon 80 Menschen eingestellt sein. Es werden aber alle Verträge  erfüllt. Die erste im Juni geplante Regatta der AC World Series in Cagliari findet allerdings nicht statt.

Am Ende der Erklärung sagt der Team-Eigner Patrizio Bertelli: “Bedauerlicherweise sind durch dieses in der Geschichte des America’s Cups beispiellose Manöver unsere Bemühungen verhindert worden. Aber trotzdem kann man im Sport und im Leben nicht immer den Kompromiss anstreben wenn man schon so vielen Kompromissen zugestimmt hat. Manchmal muss man schmerzliche aber klare Entscheidungen treffen. Denn nur sie können zeigen, wie sich das System verschoben hat. Sie bestimmen die Basis für die Zukunft: Respekt, Rechtmäßigkeit und Sportsgeist.”

 

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Carsten Kemmling

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4 Kommentare zu „America’s Cup: Schwerer Schlag für den Cup – Luna Rossa steigt aus“

  1. avatar Alex sagt:

    Absolut verständlich.
    Der AC hatte noch nie den Anspruch oder die Erwartung, einen folksnahen Sport zu betreiben.
    Ob die Finanzers oder die Boote. Der AC war schon immer das Treffen der Superlative.

    Hochkarätigen Regattasport in der Einheitsklasse, von Sponsoren unterstützt, haben wir mit den Extrem40, GC32, RC44,TP52 und VR65.

    Eine weitere Klasse in diesem Preissegment würde den Bestehenden nur schaden und möglicherweise ein Ungleichgewicht über den bevorteilten Kassenbestand erzeugen.
    Die Superreichen sollten mit dem AC unter sich bleiben.

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  2. avatar Backe sagt:

    Check, Mr. Coutts!
    Damit ist schon mal einer der beiden härtesten Konkurrenten eliminiert.
    Der andere (TNZL) wird ebenfalls über kurz oder lang zurückziehen, da man ihm ganz einfach den vorher fest zugesagten Pre-Event in Auckland entzogen hat, und dies bekanntlich eine absolut-must-Bedingung der geldgebenden Neuseeländischen Regierung war.

    Ja, und schon segelt man nur gegen Konkurrenten, die dürftige (Artemis) oder gar keine Cup-Erfahrung haben (Team GBR und Team FRA) … Hach, das Leben kann soooo einfach sein, als Cup-Verteidiger.

    Schade nur, dass Patrizio Bertelli tatsächlich ein Sportsmann zu sein scheint und seine ihm verbleibende Lebenszeit nicht mit Gerichtsstreitigkeiten gegen ein Maximal-Arschloch verunreinigen will …
    Ich hätte nämlich, bei aller Ablehnung dieser unschönen Facette unseres Sports, doch gerne gesehen, wie sich das Amerikanische Gericht, das die letzten Cup-Streitigkeiten stets zugunsten derHeimmanschaft entschieden hat, gedreht und gewunden hätte, um selbiges auch diesmal wieder hinzubekommen.

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  3. avatar Peter sagt:

    Geld hin oder her, ich glaube für die Amis zu arbeiten wäre mir echt zu peinlich.

    An Unsportlichkeit kaum zu übertreffen. Das hat man ja auch schon in der Vorserie zum letzten AC gesehen wo noch nicht mal davor zurückgeschreckt wurde illegal Blei in den Rumpf zu packen.

    Wer so seine Siege einfährt, muss ein armes Würstchen sein.
    Ich hoffe die Amis fliegen damit ordentlich auf die Schnauze beim nächsten AC!

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  4. avatar AC 90 sagt:

    Saubere Leistung, noch kein einziges Rennen gesegelt, aber schon zwei Teams eleminiert.

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