America’s Cup: Luna Rossa auf dem Wasser; Jury schränkt Koop-Pläne mit Kiwis ein

"Sie haben jetzt wirklich ein Problem"

Luna Rossa bei seiner AC45 Jungfernfahrt vor Auckland. © HANNAH DAVIS / ACRM

Das Prada Team hat die Jungfernfahrt mit seinem neuen AC45 Katamaran unternommen. Es verließ erstmals den Hafen von Auckland von der Basis beim Team New Zealand. Damit ist der erste öffentliche Schritt bei der Zusammenarbeit mit den Kiwis gegangen, der den Italienern durch ihren späten Einstieg eine Abkürzung ermöglichen soll.

Das Team hat sich für diesen America’s Cup inzwischen mit klangvollen Namen verstärkt. So kaufte es den Koreanern den starken britischen Steuermann Chris Draper (33) weg. Der ex 49er Weltmeister und Olympiamedaillengewinner (3. 2004) bekam den Landsmann Paul Campbell James zur Seite gestellt, der für Luna Rossa die Extreme 40 Series gewonnen hat. Außerdem ist der italienische Vize-Weltmeister im Match Race Francesco Bruni an Bord, der eigentlich das gescheiterte Mascalzone Latino Team hatte führen sollen.

Skipper ist der America’s Cup Veteran Max Sirena. Er gab bekannt, dass die erste offizielle Teilnahme bei der Neapel World Series im April erfolgen soll. Auch der neue
AC72 Katamaran in Italien sei im Bau und werde dann in Auckland zusammengefügt.

Die Ambitionen des spät gestarteten Teams haben allerdings einen Dämpfer erhalten. Über die Weihnachtstage stand die geplante Kooperation mit dem Team New Zealand bei der Amerca’s Cup Jury auf dem Prüfstein. Oracle und Artemis hatten das Schlichtungsgremium angerufen, weil sie das geplante Two-Boat-Testing der gegnerischen AC72 Katamarane unterbinden wollten.

Das italienische AC Team vor Auckland. Luna Rossa hat eine enge Partnerschaft mit dem Team New Zealand vereinbart. © HANNAH DAVIS / ACRM

Das Ergebnis wird von beiden Seiten unterschiedlich bewertet. Grant Dalton sagt dem New Zealand Herald: “Der einzige Unterschied zu unseren Plänen betrifft die Telemetrie. Unsere Schiffe dürfen auf diese Weise nicht verbunden werden. Es ist uns aber erlaubt, miteinander zu trainieren.”

Das sieht Artemis CEO Paul Cayard offenbar anders. In einem Interview mit VSail.info sagt der Amerikaner: “Wir sind zufrieden. Die Jury hat unsere Auffassung bestätigt, dass Luna Rossa und Emirates Team New Zealand nicht machen können, was sie vorhatten. Die Entscheidung ist ein schwerer Schlag für sie aber völlig logisch…Sie werden nicht zusammen trainieren dürfen.”

Dabei geht es um den Winkelzug, dass der im Bau befindliche Luna Rossa Kat quasi eine Kopie des neuseeländischen Bootes ist. Beide Schiffe dürfen erst ab dem 1. Juli 2012 im Einsatz sein. Aber kein Team darf ab diesem Zeitpunkt zwei Kats segeln. Cayard definiert das Luna Rossa Boot als zweite Kiwi-Konstruktion und sieht sich durch die Jury bestätigt. “Ich denke, sie haben jetzt wirklich ein Problem.”

Cayard bestätigte, dass sein Team entgegen ursprünglicher Pläne einen zweiten AC45 Katamaran in Betrieb nehmen werde, den der Argentinier Santiago Lange steuern solle. Außerdem plane Artemis auch den Bau zweier AC72. In den zweiten Multihull, der erst ab dem 1. Februar 2013 im Einsatz sein darf, sollen die Entwicklungen des ersten einfließen. Cayard unterstrich, dass er wie geplant im Sommer 2012 mit Oracle trainieren wolle.

Derweil zeichnet sich ab, dass wohl nur vier Teams AC72 Kat bauen werden. Neben Oracle haben nur die genannten drei das Meldegeld für das gesamte America’s Cup Event bezahlt. Team New Zealand Chef Grant Dalton kam mit seiner Klage vor der Jury durch, dass den “kleinen Teams”, die nur an der World Series teilnehmen, das Abstimmungsrecht für wichtige Entscheidungen genommen wird. Oracle habe durch seinen Einfluss auf diese Teams sonst noch eine größere Macht.

Er legte bei diesem Anlass noch einmal den Finger in die Wunde bezüglich der versprochenen Kostenreduzierung von Russell Coutts. “Das waren leere Versprechen von einem Team, das von einem Milliardär unterstützt wird.”

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Carsten Kemmling

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12 Kommentare zu „America’s Cup: Luna Rossa auf dem Wasser; Jury schränkt Koop-Pläne mit Kiwis ein“

  1. avatar t0do5381 sagt:

    Auf der Boot Düsseldorf werden übrigens ne ganze Menge von den America’s Cup Jungs vorbeischauen:
    Timmy Spithill (Skipper Oracle), Terry Hutchinson (Skipper Artemis) und Bruno Peyron (Energy Team France) kommen – neben vielen anderen – auf die Bühne im Segel Center.
    Spithill eröffnet am Samstag, 21.1.2012 die Reihe der Segelpromis in Halle 17 auf der Segelbühne.
    Also, schaut es euch an, wenn ihr gerade dort seid.

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    • avatar Andreas John sagt:

      SR hat schon davon berichtet bzw. die PM dazu mit Zeitplan Mitte letzter Woche online gestellt.
      In der SR Fundus Box in der Sidebar ist ein Link oder unter dem Menüpunkt Litfasssäule.

      CU there, Andreas

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  2. avatar Hurghamann sagt:

    Ähh, irgendwie erschließt sich mir die Logik nicht.

    Also: Die Kiwis und die Italiener als zwei Teams haben ein Problem weil Ihre Boote gleich sind und somit als zwei ETNZ Boote betrachtet werden.
    Two boat testing ist nicht erlaubt aber Oracle hat zwei Cats auf der Bahn und Artemis will einen zweiten bauen??

    Nach George Orwell : “Alle Tiere sind gleich aber manche sind gleicher??”

    Kann mich bitte mal jemand erhellen der meint das er/sie das verstanden hat.

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  3. One big asshole called Larry Ellison

    Da bekomtm wohl jemand angst, dass ETNZ und Luna Rossa zu starke Gegner werden….

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  4. avatar Wooling sagt:

    Das ist doch alles ein Nebenkriegsschauplatz. Das Dramatische der Meldung ist doch, dass nur 4 Teams zum AC antreten werden. Das ist nach 12 Teams beim letzten “richtigen” AC 32 ein Offenbarungseid für Ellison und endlos peinlich für den AC. Und den hat Ellision – was man immer wieder anmerken darf – nicht im Besitz, sondern in Verwahrung.

    Was auch immer in den “World Series” passiert ist doch Kirmessegeln und Kinderbelustigung, wenn letztlich nur 4 Teams am Start sind, wenn es ans Eingemachte geht.

    Ich erinnere mich noch an Begriffe wie: fairer, billiger und an alle Arten von Superlativen von “besser”. Ich sage dann mal nur: VIER!!!!

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    • avatar T.K. sagt:

      Nur um es korrekt darzustellen:

      Der Americascup wurde bisher nicht und wird auch zukünftig nicht unter mehr als 2 Teilnehmern ausgetragen. Es ist und bleibt am Ende ein Matchrace eines Herausforderers gegen den Verteidiger. Alles zuvor sind “nur” Qualifikationsregatten zur Ermittlung des Gegners von Oracle!

      Oder habe ich da was verpasst?

      Aber eben diese Qualitfikationsregatten werden dann bei nur 3 Herausfordererteilnehmern erst recht zur Farce

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  5. avatar AC90 sagt:

    Und wenn man dann noch bedenkt, das eines der 4 Teams, Luna Rossa, von Oracle mit einigen Millionen zur Teilnahme überredet wurde, fällt das Ergebnis noch erbärlicher aus.

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    • avatar Hurghamann sagt:

      Erinnert an das Mittelalter,
      da ließen sich die Potentaten auch immer mit Buckligen und Zwergen malen um grösser und schöner auszusehen.

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