Barcelona World Race: Riechers/Audigane holen deutlich auf – Spitze eng zusammen

„Nicht mal einen „Rouge“ dabei!“

Querab Marokko schleichen die führenden IMOCA derzeit in leichten Winden. Riechers/Audigane konnten den frühen Rückstand nahezu halbieren.

„Diese IMOCA sind ganz schön sportlich!“ schreibt Jörg Riechers. „Neben dem dauernden Vorsegel-Wechsel vom Gennaker auf Spi und wieder zurück auf Gennaker, neben all’ den Segel-Zupfereien, damit die ‘Renault’ maximal läuft, neben der Wetterbeobachtung, dem Rudergehen und der Navigation bleibt nur wenig Zeit für andere Dinge. Aber was für andere Dinge? Essen, vielleicht. Aber wir haben ja noch nicht mal einen „Rouge“ dabei!“

Riechers und Audigane lassen derzeit nichts "anbrennen". martin-raget

Riechers und Audigane lassen derzeit nichts “anbrennen”. martin-raget

Schade eigentlich, schließlich hätte das deutsch-französische Duo allen Grund, auf seine Leistungen der letzten 24 Stunden anzustoßen. Denn Riechers und Audigane, die direkt nach dem Start ein verknotetes Spifall im Mast richten mussten und den Anschluss an die Spitze verloren, segelten nach Passieren der Straße von Gibraltar direkten südlichen Kurs.

Im Gegensatz zu dem Spitzenquartett, das weiter westlich ausholte und mit deutlich schwächeren Winden zu kämpfen hatte, holte „Renault“ stetig auf und reduzierte den Abstand zur führenden „Hugo Boss“ von über 100 Seemeilen bei Gibraltar auf derzeit weniger als 45. Es schien schon fast, dass “Renault” chancenlos gegenüber der jüngeren Konkurrenz ist, aber nun haben sich die beiden doch wieder in Schlagdistanz zur Spitze gearbeitet.

Der "Salzbuckel" Jean Le Cam sucht mit Bernard Stamm sein Heil weiter westlich © stamm

Der “Salzbuckel” Jean Le Cam sucht mit Bernard Stamm sein Heil weiter westlich © stamm

An der Spitze des acht IMOCA starken Feldes behauptet sich weiter „Hugo Boss“. Doch in ihrem Nacken spüren Thomson/Ribes buchstäblich den Atem von Altadill/Munoz auf „Neutrogena“, die mit nur zwei Seemeilen Rückstand in Sichtweite lauern. Und das, obwohl sich die Spanier noch aus den Fängen eines Fischernetzes befreien mussten, das sie sich vor Tarifa einfingen.

Anna Corbella schaffte es mit ihrem Co-Skipper Gerard Marin in der letzten Nacht ebenfalls ganz nach vorne: Die „Gaes“ rückte bei dem schwachen Wind, der permanente Manöver erforderte, auf Rang drei vor. Der aktuelle Abstand zur „Hugo Boss“: 8,4 Seemeilen.

Hugo Boss behauptet sich weiter in Führung. Aber die Verfolger lauern © martin-raget

Hugo Boss behauptet sich weiter in Führung. Aber die Verfolger lauern © martin-raget

Und wo treiben sich die ebenfalls favorisierten, erfahrenen „alten Recken“ Bernard Stamm und Jean Le Cam auf der von Riechers optimierten ex “Mare” herum? Das Schiff läuft jedenfalls. Sie können der schneller eingeschätzten “Hugo Boss” Paroli bieten, haben sie sich nun aber aus dem „lächerlichen Hickhack um eine trügerische Führung“ (O-Ton Le Cam) verabschiedet und segeln einen deutlich westlicheren Kurs.

Der bringt ihnen zwar momentan schwächere Winde aufgrund eines Hochdruckgebietes über Madeira – langfristig könnte sich dieser Schlag allerdings auszahlen: Wenn sie die Kanaren westlich passieren, verbessert sich der Winkel hinunter in den Kalmengürtel deutlich, sie haben also eine kürzere Wegstrecke zu absolvieren. Zudem rechnen sie mit einer leichten Bewegung des Hochdruckgebietes, was wiederum deutlich höhere Windgeschwindigkeiten und ein früheres Erreichen der Passatwinde nach sich ziehen könnte.

Manchmal kann es ganz schön eng werden, auf den Schifffahrtsstraßen © neutrogena

Manchmal kann es ganz schön eng werden, auf den Schifffahrtsstraßen © neutrogena

Riechers und Audigane scheinen jedenfalls die gleiche Taktik zu fahren. Auch sie sind nun mit Kurs West unterwegs. Was die Geschwindigkeit ihrer „Renault Capture“ anbelangt, sind die beiden übrigens zuversichtlich: „Wenn wir Wind bekommen, guten Wind bekommen, dann ist unser Schiff auch schnell!“ funkte Jörg Riechers von Bord. „Vor dem Start segelten wir mal bei über 25 Knoten neben der „Hugo Boss“. Wir waren schneller!“

Bleibt zu hoffen, dass dieses Potential baldigst auch tatsächlich ausgespielt werden kann. Jedenfalls zeigt das deutsch-französische Team „Biss“ und hat alle Chancen, mit ein wenig Geduld bald schon wieder ganz vorne mitzumischen.

Tracker

Hoffen bald auf kräftigeren Druck im Segel: Riechers und Audigane auf Renault Capture

Hoffen bald auf kräftigeren Druck im Segel: Riechers und Audigane auf Renault Capture

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Michael Kunst

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6 Kommentare zu „Barcelona World Race: Riechers/Audigane holen deutlich auf – Spitze eng zusammen“

  1. avatar Toni sagt:

    Servus!

    Das Team und das Schiff von Jörg heißen RENAULT CAPTUR! Ohne “e”, auch wenn es einen wundert!

    Gruß und frohes neues Jahr!

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 1 Daumen runter 7

    • avatar andreas borrink sagt:

      Prima, da werden auch die wichtigen Details gnadenlos richtig gestellt! “Kunst: 4 minus, setzen!”

      Im Ernst: Was für ein spannendes Rennen und was für ein tolle Berichterstattung! Die BWR Website ist – im Gegensatz zu dem Volvo-Mist – sehr übersichtlich und stets aktuell. Super die Emails von Bord (in Jörgsprech-Englisch; da muss man schon genau hinhören!) und die Videos mit Hintergrundberichten.

      Wenn jetzt noch das Wetter im Tracker einzublenden wäre…….oder finde ich nur den Button nicht?

      Sebastien, Jörg – ich freue mich auf die 5:00 Positionen von morgen früh. Vielleicht seid Ihr dann schon wieder in Sichtweite!?

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 15 Daumen runter 2

  2. avatar andreas borrink sagt:

    Danke – den Knopf für das Vollformat hatte ich nicht gefunden. Bitte dazu keine verletzenden Kommentare…..

    Jetzt verstehe ich auch besser, warum Renault nun wieder 90mls Rückstand hat. Schade. Wenn der Passat erstmal erreicht ist, wird es wohl bis zu den Kalmen ein reines Speedrace. Da werden Jörg und Sebastien wohl weiter an der Optimierung der Bootsgeschwindigkeit arbeiten müssen, wenn die anderen schon schlafen. Aber da war Jörg ja schon immer völlig schmerzfrei.

    Leid tut mir Nandor Fa. Was muss das für ein Frust sein, drei Tage vor Gibraltar rumzuhängen und Schiffen auszuweichen! Aber mal ehrlich, das Regattasegeln scheint ohnehin nicht so seine Sache zu sein – so wie der am Sart da rumgeeimert ist. Trotzdem, auch ihm viel Glück. Vielleicht erwischt er ja eine weiträumige Umfahrung am Äquator.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 9 Daumen runter 0

    • avatar andreas borrink sagt:

      Oh Mann, es sind wieder 100mls…….aber die harten Tage kommen ja noch, und davon reichlich. Bleiben wir also zuversichtlich.

      Like or Dislike: Daumen hoch 2 Daumen runter 0

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