Rolex Baltic Week: Weltmeister “Vanity V” und “Hollandia”, König Harald fünfter

Souveräne Kletterpartie zum Titel

"Vanity" hat im Zweikampf mit "Sphinx" hat einen Mann an den Baum geschickt, um ein Schot-Problem zu lösen. © Rolex/Daniel Forster

Die neuen Segelweltmeister der klassischen Meteryachten heißen „Hollandia“ (8mR) und „Vanity V“ (12mR). Der Niederländer Ruud van Hilst feierte mit seinem Achter am Sonntag  in Glücksburg beim Flensburger Segel-Club den Gewinn der Rolex Baltic Week.

Eigner Patrick Howaldt aus Kopenhagen steuerte seinen Zwölfer sogar vorzeitig zum Titel der Robbe & Berking 12mR WM und verwies den Hamburger Wilfried Beeck mit der „Trivia“ auf Platz zwei. Vorjahressieger Andreas Krause aus Kiel verteidigte mit seiner „Sleipnir II“ den Robbe & Berking 6mR Sterling Cup.

Den begehrten Sira-Cup der vor 1960 gebauten 8mR-Yachten holte die die kanadische „Raven“ von Richard Self und Mark Decelles ganz überlegen vor seiner Majestät König Harald V. von Norwegen mit seiner „Sira“, dessen Vater Olav V. den Pokal 1983 gestiftet hatte.

König Harald von Norwegen segelt seine grüne "Sira" als zweiten Klassiker auf den fünften Gesamtplatz von 25 Achtern. © Rolex/Daniel Forster

Sie jubelten, feierten, und lagen sich noch an Bord in den Armen. Bereits mit dem Zieldurchgang des vorletzten Rennens hatte die „Vanity V“ alles klar gemacht. Ein zweiter Rang hinter der Flensburger „Sphinx“ von Gorm Gondesen und Jochen Frank reichte rechnerisch bereits, um die „Trivia“ (4.) auch im 12mR-Gesamtklassement hinter sich zu lassen.

Es ist der erste globale Titel für die Yacht und ihren Eigner Patrick Howaldt. Er und die anderen beiden Gesamtsieger wurden dafür von Peter Streit, Geschäftsführer Rolex Deutschland, mit einem Chronometer des Modells Rolex Oyster Perpetual Explorer ausgezeichnet.

Sportliche Hochspannung bei Sonne und Regen mit Sturmböen und Leichtwind sowie nordisch königlicher Glanz – das waren die Kennzeichen einer außergewöhnlichen Rolex Baltic Week 2011, an der mehr als 40 Schönheiten teils 100-jähriger Bootsbaukunst teilnahmen.

North-Mann vom Bodensee Ecki Kaller (l) auf der "Anitra" von Sepp Martin. © Rolex/Daniel Forster

Und auch der Abschlusstag auf der Flensburger Förde war ein Regattafinale, wie es nicht besser hätte inszeniert werden können. Bei konstanten nordwestlichen Winden der Stärke vier bis fünf lieferten die führenden Teams in allen drei Bootsklassen eine perfekte Vorstellung ab.

Tim van Rootselaar steuerte die „Hollandia“ schon vor dem Start in eine bevorteilte Position gegenüber der ärgsten Verfolgerin „Lafayette“ des britischen Eigners Murdoch McKillop und dominierte das Finale der Robbe & Berking 8mR Weltmeisterschaft eindrucksvoll.

Die America’s Cup-Größe John Cutler bestimmte die Taktik der „Hollandia“ in Matchracemanier. Frei in allen Handlungsoptionen diktierte das Team fortan das Renngeschehen und ging als Erstes um die Luvtonne. Auch am Tor (Gate) in Führung durfte Cutler die Bahnseite für die zweite Kreuz frei wählen.

Die „Lafayette“ patzte dazu auch noch beim Spi-Manöver, als sich die Genuaschot am Spibaum verhakte, und musste statt um Rang eins zu kämpfen, sich als moderner Achter sogar im Feld der klassischen Yachten behaupten. Damit war die Vorentscheidung zugunsten der „Hollandia“ gefallen.

Für Ruud van Hilst (und seinen abwesenden Miteigner Jos Fruytier) waren die beiden Siege am Finaltag das i-Tüpfelchen einer perfekten Woche: „Es war taktisch sehr anspruchsvoll mit vielen Drehern und Böen, aber wir haben den richtigen Weg gefunden.

Die Sieger der Rolex Baltic Week Andreas Krause, Sleipnir II; Patrick Howaldt, Vanity V; Ruud van Hilst & Jos Fruytier, Hollandia. © Rolex/Daniel Forster

Wir sind wirklich sehr glücklich. Es ist ein Klasse-Revier, der Event war hervorragend organisiert, und die Menschen hier sind sehr warmherzig und freundlich. Das hatten wir von Flensburg schon in guter Erinnerung, wo wir vor fünf Jahren die Europameisterschaft gewonnen haben.“ Für die „Hollandia“ ist es zudem der zweite WM-Erfolg. 2005 hatte sie als werftneues Schiff in Toronto/Kanada triumphiert.

Bis zum Schluss hart umkämpft blieb die Neptune Trophy, die sich der Präsident der Internationalen Achter-Klassenvereinigung IEMA, Fred Meyer aus Genf/Schweiz, mit seiner „Catina VI“ knapp vor der „Anne Sophie“ sicherte. Hanns-Georg Klein aus München war mit seinem Schiff von 1938 als Siebter wie schon im Vorjahr bester Deutscher. Bei der Rolex Baltic Week 2011 war er EM-Dritter geworden.

Im Feld der Achter gab es durch die „Sposa“ vom Bodensee auch einen deutschen Erfolg. Das 99 Jahre alte Schiff sicherte sich den First Rule Cup der Yachten, die zwischen 1908 und 1919 gebaut wurden. „Darauf haben wir nun zehn Jahre hingearbeitet, nun ist es uns gelungen. Wir haben uns das mit viel Durchhaltevermögen verdient.

Ganz angekommen ist dieser Cupgewinn bei uns aber noch nicht“, sagte Eigner Richard Gervé aus Bodman. Dennoch ist das für ihn von ganz besonderer Bedeutung. Denn die Crew ist auch für seinen Vater Andreas gesegelt, der die Einsätze „Sposa“ immer intensiv verfolgt hat, nun aber schwer erkrankt ist. „Dieser Gewinn dürfte ihn sehr stolz machen“, so Gervé.

Ein perfektes Timing am Start zeichnete die Zwölfer-Crew der „Vanity V“ von Regattabeginn an aus. Unbeeindruckt von dem Erwartungsdruck, als WM-Führende in den Finaltag gestartet zu sein, und ohne erkennbare Nervosität angesichts der Erinnerung, im vergangenen Jahr den Titel bei der Rolex Baltic Week im letzten Moment noch verspielt zu haben, setzte die dänische Mannschaft wieder bereits mit dem Startschuss ein Ausrufezeichen und war anschließend nicht mehr zu bremsen.

Tropfnass, aber glücklich stand Steuermann Patrick Howaldt nach den Rennen auf dem Steg. Von den Gegnern zuvor mit „Hipp-Hipp Hurra“ gefeiert und von der eigenen Mannschaft in die Förde befördert, ließ der „Vanity V“-Eigner die WM Revue passieren:

„Die Anspannung vor dem letzten Tag war in der Mannschaft deutlich zu spüren, aber wir haben das gut gemeistert und sind sehr gut gesegelt. Die Titelpremiere ist ein grandioses Erlebnis, so wie die gesamte Woche hier. Wir haben das sehr genossen, eine sportliche Top-Veranstaltung mit großartigen Festen.“

„Trivia“-Eigner und Steuermann Wilfried Beeck erkannte die Leistung der neuen Weltmeister neidlos an: „Die ,Vanity‘ ist die gesamte Serie wirklich top gesegelt. Wir sind natürlich nicht begeistert, dass wir es nicht mehr drehen konnten, aber auch nicht frustriert. Heute lagen alle Schiffe eng beieinander und es ging letztlich darum, den zweiten Platz vor der ,Sphinx‘ zu sichern. Das ist uns zum Glück gelungen.“

Dabei stand das Finale für die „Trivia“ unter keinem guten Stern. Zweimal war sie nach den Starts zwischen anderen Booten eingeklemmt, im zweiten Rennen ging nach einer Wende sogar ein Mann über Bord, und die Crew musste das Boot drehen, um ihn wieder aufzusammeln. Trotzdem schaffte sie den Anschluss an das Feld und kam als Vierte und damit Gesamt-Zweite an.

Bei den Sechsern war die Titelverteidigerin „Sleipnir II“ von Beginn an das dominierende Boot. Die Crew um Eigner Andreas Krause und Steuermann Christoph Nielsen (Berlin) hatte den Robbe & Berking 6mR Sterling Cup bereits nach drei Siegen und einem zweiten Platz unter Dach und Fach und konnte vorzeitig den Hafen anlaufen.

„Es war alles perfekt“, berichtete Krause schon, als die Konkurrenz auf der Bahn noch um die Plätze kämpfte. „Zum Start hatten wir noch überlegt, ob wir das schwere Vorsegel setzen sollten, sind dann aber doch bei der mittleren Genua geblieben. Und das war genau die richtige Entscheidung“, so Krause.

Denn während sich auf der deutschen Seite der Förde der Wind ordentlich aufbaute, waren unter der Abdeckung der dänischen Küste einige Windlöcher. „Mit der Segelwahl waren wir für die unterschiedlichen Bedingungen bestens bestückt.“ So stand dem Tages- und dem Gesamtsieg bei der achten Rolex Baltic Week kein Gegner mehr im Wege.

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Ralf Abratis

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7 Kommentare zu „Rolex Baltic Week: Weltmeister “Vanity V” und “Hollandia”, König Harald fünfter“

  1. avatar Reinhard aus MeckPom sagt:

    Glückwunsch an das Team der Trivia zum Vizemeltmeister insbesondere an Wilfried, Carsten, Sven und Nils!
    Gruss Reinhard

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 1

  2. avatar Martin sagt:

    Die 8er fahre übrigens keine Weltmeisterschaft sondern einen World Cup! Den Unterschied kann man bei der ISAF nachlesen /erfragen!!

    Das sollte der anspruchsvolle Journalist vielleicht dazu sagen und nicht einfach die Dinge verdrehen damit sie sich besser anhören.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 4 Daumen runter 8

    • avatar stefan sagt:

      …zudem ist “Segelweltmeister der klassischen Meteryachten” auch ziemlicher Unsinn, denn beide Meisterschaften waren offen für alle MeterR-Yachten, also auch für die Modernen, zu der ja auch die Gewinnerin Hollandia zählt.

      Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 2 Daumen runter 6

      • avatar Marc sagt:

        Ich glaube es geht bei klassischen Meteryachten eher um den Schnitt/das Design als um das Alter des Schiffes.

        Ähnlich wie ein Starboot und ein 49er, klassisch und modern sind, aber beide 2011 gebaut sein können 😉 Also nicht immer nur sofort meckern und schlechten Journalismus vorwerfen.

        Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

        • avatar stefan sagt:

          …das ist nun auch wieder nicht richtig, denn ein Starboot ist ein Design aus den 10er-30er Jahre des letzten Jahrhunderts. Moderne Meter-R Yachten sind aber technisch und gerade vom Design her Stand heutiger Technik. Hollandia als Beispiel entstammt der Feder von Doug Petersen (Rumpf) und Ian Howlett (Kiel), die beide massgeblich an den letzten Generationen der IACC-Yachten beteiligt waren. Eine aktuelle “moderne” Meter-R-Yacht unterliegt auch nicht der selben Regeln, wie die Yachten aus den 30er Jahren oder noch älter.

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  3. avatar Stefan Z sagt:

    Es war ganz einfach eine tolle Veranstaltung und ob es nun eine 8mr WM oder World Cup war und ob es “klassische Meteryachten” oder nur eine “klassische Meterklassenformel” ist, tut der Sache einfach keinen Abbruch.

    Es ist einfach toll, wie Oliver Berking es schafft ein wirklich stattliches Feld von so schönen Yachten zusammen zu bekommen.

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  4. avatar Martin sagt:

    …Es war ganz einfach eine tolle Veranstaltung und ob es nun eine 8mr WM oder World Cup… Da gebe ich dir, Marc, reicht – das spielt dabei keine Rolle.

    Ich finde aber im Nachhinein sollte wenigstens die Presse korrekt darüber berichten!!!

    Es gibt einige Teilnehmer an dieser Veranstaltung die sich mit dem Titel 8er Weltmeister schmücken und es darauf anlegen damit in der Presse zu erscheinen und sich darüber hinaus auch noch auf Sportlerehrungen mit Medaillen für einen Weltmeistertitel bewerfen lassen!

    Das finde ich gegenüber einem “echten” Weltmeister der den Titel z.b. für die Sponsorensuche braucht nicht fair!

    Aber dennoch – es geht bei dieser Art Veranstaltung natürlich in erster Linie darum spaß beim Segeln der schönen Schiffe zu haben, das soll durch einen Titel hin oder her nicht gemindert werden!

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