Megayacht-Treffen zum Newport Bucket, darunter die „Angels Share“

Elegant übersichtlich

Logo der Newport Bucket Regatta 2013

Logo der Newport Bucket Regatta 2013

Neulich fand vor Newport/USA die Bucket statt, ein Treffen großer Schiffe und ihrer Besatzungen, wo der Spaß im Vordergrund steht.

In unserer marktschreierischen Zeit, wo jede Zusammenkunft unterschiedlich marinisierter Landratten gleich als „Challenge“, „Cup“ oder „Trophy“ präsentiert wird, ist die Bucket, eine Regatta, die schlicht Eimer heißt, eine Wohltat. Nicht ganz so bescheiden sind die Schiffe, die daran teilnehmen, beispielsweise die länger nicht mehr gesehene 130-füßige Wally „Angels Share“.

Schwarz statt Silbermetallic

Die 130-füßige Wally „Angels Share“ mit ihrem aufgeräumten und zugleich eleganten Flushdeck  © George Bekris

Die 130-füßige Wally „Angels Share“ mit ihrem aufgeräumten und zugleich eleganten Flushdeck © George Bekris

Dieser vor vier Jahren im italienischen Fano in die Adria gehobene Flushdecker hat nach baldigem Eigner- und Farbwechsel von Silbermetallic zu Schwarz und gründlicher Überholung vor zwei Jahren durch die Rendsburger Niederlassung der angesehenen Lürssen Werft einiges hinter sich. Seitdem segelt er in den Händen seines zweiten Eigners, der zuvor mit einer etwas kleineren Wally, einem 94 Füßer gleichen Namens schon ein wenig geübt hat.

schöner lungern

Mit diesem extracoolen Decksensemble a la Colani verließ Angels Share nach dem Refit die Lürssen Werft. Übrigens konnte man sich auf dem 7 m breiten Deck an den geschwungenen Rückenlehnen gut festhalten © Wally Yachts

Mit diesem extracoolen Decksensemble a la Colani verließ Angels Share nach dem Refit die Lürssen Werft. © Wally Yachts

Der coole Flushdecker mit dem markant als Relingsersatz angehobenen Schanzkleid läuft in der Karibik und an der amerikanischen Ostküste. Dort lässt sich der Standort nördlicher Breite gut an die persönliche Agenda und die Jahreszeit anpassen. Im Juli lag „Angels Share“ in Manhattans North Cove Marina am Hudson River. Übrigens mit Balkon- oder Terrassen-üblichen Sesseln statt dem martialisch geschwungenen Ensemble a la Colani, das übrigens der sympathische Kieler Kompositspezialist Rouven Rademacher für „Angels Share“ baute. Angesichts des wirklich leeren Decks des abgeräumten Bootes wollte der Eigner wohl einen Akzent setzen. Kunstsinnige Menschen stellen sich daheim ja auch gern eine Skulptur in den Garten. Übrigens konnte man sich an den Ohren der amorph geschwungenen Lehnen bei Krängung auf dem sieben Meter breiten Deck gut festhalten. Die Skulptur war halt auch praktisch.

cooles Konzept

So sah sie 2011 nach dem Lürssen-Refit aus der Mövenperspektive aus. Die silberne Freiluftskulptur lieferte übrigens der Kieler Kompositspezialist Rouven Rademacher © Wally Yachts

So sah sie 2011 nach dem Lürssen-Refit aus der Mövenperspektive aus. Die silberne Freiluftskulptur lieferte übrigens der Kieler Kompositspezialist Rouven Rademacher © Wally Yachts

Wie ich von einem Probeschlag an Bord der etwas längeren, 143-füßigen „Esense“ erinnere, ist es wunderbar, ein derart aufgeräumtes Schiff zu segeln. War schon cool, in Lee am Rad dieses Flushdeckers mit Blick in die Fock zu stehen und den Zossen am leichtgängigen Rad die Windkante entlang zu steuern. Dieses Vanderbilt Gefühl werde ich nicht vergessen, auch wenn es leider nur ein kurzer Am Wind Kurs war und die Illusion, als Gatsby so ein abgefahrenes Segelspielzeug zu steuern, leider viel zu früh wieder mit der grausamen Realität weichen musste. Es war übrigens Harold „Mike“ Stirling Vanderbilt der mal erklärte: „Importance and size are brothers“ womit klar wäre, dass es heute unter einem 40 m Schlitten kaum geht.

Schade, das es bislang bei Nummer zwei dieses Konzepts für ein großes Boot ohne die üblich störenden Auf- und Vorbauten blieb. Die Wally 148 „Saudade“ blieb gestalterisch ein konventionelles Boot. Die Pagode der „Better Place“ hätte zu einer schwerfälligen Perini Yacht besser gepasst.

Auch wer dem negativen Schanzkleidkantensprung hadert – das dahinter versteckte Deck ist von vorn bis achtern eine Idee abschüssig – wird anerkennen, das es unmöglich ist, ein auf den ersten Blick gefälliges Boot mit negativem Sprung zu entwerfen. Bei dieser Riesenwally diktiert die Funktion die Seitenansicht.

Auch wenn die funktionale Form seit der 2006 aufgetakelten „Esense“ nicht mehr neu ist, wäre die interessante Lösung es wert, noch einmal neu aufgelegt, variiert zu werden. Wally Chef Luca Bassani ist zu recht vorgeworfen worden, das er vorhandene Konzepte und andere Ideen für seine Marke übernommen und als Wally etikettiert hat. Auch war die Sache mit dem umlaufend angehobenen Schanzkleid nicht neu. Das gab es schon bei historischen Dampfern. Allerdings hat das sonst keiner annähernd so clever und mit solch italienischem Raffinement als Stauraum und umlaufendes Sideboard für das große Fahrtenboot weiterentwickelt.

Zur SR BilderStory

 

 

 „Angels Share“ in Zahlen

Länge 40 m, Wasserlinie 35 m, Breite 7,90 m, Tiefgang (Hubkiel mit Trimmklappe) 4,50 – 6 m, Verdrängung 95 t, Ballast 22 t, Wasserballast 11 t, Segelfläche 727 qm, Maschine MAN Diesel 450 PS bei 2.600 U/min, 6.000 l Sprit, 2.000 l Frischwasser, Karbonmast und -baum von Hall Spars, stehendes Gut aus PBO von Future Fibres, Beschläge von Harken, Kajüten für die fünfköpfige Crew und 8 Schlafpätze für den Eigner und seine Gäste. Werft Wally Europe, Fano 2009, Refit Kröger Werft/Lürssen Rendsburg 2010/11

Geschichte der Bucket Regatten

Die erste Bucket Regatta wurde anlässlich eines Geburtstages 1986 vor Nantucket zwischen sieben großen Fahrtenbooten ausgesegelt, zehn Jahre später auch in St. Barth veranstaltet und mauserte sich zum informellen get together großer Schiffe, das seit 2002 vor Newport stattfindet. Das bei der St. Barths Bucket auch das Angeln mal zum Wettbewerb gehörte, unterstreicht den unterhaltenden Charakter der Veranstaltung mit mittlerweile rund 40 Schiffen.

Es wurde auch mal mit einem LeMans Start experimentiert, wobei nach dem Genuß eines Daiquiri vom Strand aus im Dinghy zum ankernden Schiff übergesetzt und dann ohne Motorhilfe unter Segeln abgelegt wurde und die Regatta erst nach dem Ankern und übersetzen in einem gut motorisierten Beiboot beendet war. Es blieb aus offensichtlichen Gründen bei diesem Experiment.

Die St. Barths Bucket findet seit 2005 jährlich statt. Trotz Unterstützung der Bucket Regatten durch namhafte Superyachtwerften wird versucht, den Marketingaspekt gegenüber der geselligen Komponente und dem Spaßcharakter in Grenzen zu halten. Wobei diese natürlich auf subtile Weise nahtlos ineinander übergehen. Die nächste Bucket findet 28. – 30. März 14 in St. Barths statt. Im August trifft man sich dann wieder in Newport. Weitere Infos

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Erdmann Braschos

Sein Spezialgebiet umfasst Mega-Yachten, Klassiker, Daysailor und Schärenkreuzer. Mehr über Erdmann findest Du hier.

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2 Kommentare zu „Megayacht-Treffen zum Newport Bucket, darunter die „Angels Share““

  1. avatar SR-Fan sagt:

    40 Meter Hightech mit Hydraulikunterstützung und trotzdem zähle ich ca. 25 Personen Crew an Bord. Da hat sich eigentlich die letzten 100 Jahre nix getan 😉

    VG

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    • avatar stefan sagt:

      100 Jahre hat den Wandel der Personen an Bord vom Personal zu Gästen gebracht……

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