Mini Transat 2017: Lina Rixgens (22) will als erste Deutsche das Transat-Ziel erreichen

Hochsee-Nachwuchs

Video für Sponsorensuche. Hier segelt Lina noch nicht auf “ihrem” Mini

Ein neuer Sponsor macht’s möglich: Die junge Europe-Seglerin hat das Boot von Mini Transat 2015-Finalist Chris Lükermann übernommen und beginnt stante pede ihre Regattasaison.

Nicht dass sie es jemals von sich behauptet hätte, aber es ist schon eine kleine Sensation: Eine junge, deutsche Frau wagt sich in den ansonsten von Französinnen und Engländerinnen dominierten Hochsee-Regatta-Zirkus.

Die erst 22-jährige Lina Rixgens begann mit der „Übernahme“ von Chris Lükermanns Mini 732 (Pogo 2 Serienboot) offiziell ihre Regattasaison, die sie zur Teilnahme beim Mini Transat im Herbst 2017 führen soll.

Ein neuer Hauptsponsor machte es möglich: Der segelbegeisterte Hubert Hell, Geschäftsführer bei CPM GmbH, kaufte kürzlich das einzige deutsche Boot, das die letzte Mini Transat ohne größere Havarien bestens überstanden hatte. Er wollte es selber segeln, kann nun aber doch nicht die notwendige Zeit aufbringen und überlässt es Lina für ihr großes Abenteuer.

“Ich habe Linas Suche nach einem Boot jetzt schon einige Zeit verfolgt und finde es eine gute Idee, es ihr für die Kampagne zu borgen” sagt Hell. “Mal sehen, was dann 2018 passiert”.

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Lina Rixgens will als erste deutsche Frau bei der Mini Transat teilnehmen © rixgens

Seitdem Anna Maria Renken als Deutsche (Isabelle Joschke hat zwar einen deutschen Vater, startet aber als Französin) vor allem in der Class 40  mitmischt und in Kürze auf „Nivea“ an einer Einhand-Transatlantik-Regatta (The Transat) teilnehmen wird, dürfte sie sich nun über die junge deutsche Kollegin in der Hochsee-Regattaszene freuen.

Die Pionier-Taten deutscher Frauen in der internationalen Hochseeszene liegen auch schon etwas zurück. So versuchte sich die  Fremdsprachen-Sekretärin Edith Baumann (26) beim Ostar 1968. Sie musste allerdings genauso abgeborgen werden wie Dagmar Häckel 1981 beim Mini Transat.

In den kommenden zwei Jahren will Lina Rixgens für ihre Mini-Transat-Kampagne an mehreren Einhand- und Zweihand-Regatten teilnehmen.  Dann steht ein 1.000-Seemeilen-Einhand-Qualifikationstörn auf dem Programm, der meistens durch den Ärmelkanal bis in die Irische See und zurück gesegelt wird.

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Es gibt viel Segelfläche zu beobachten, auf ihrem neuen Serien-Pogo 2 © rixgens

Lina tritt mit ihrer Teilnahme am Mini-Zirkus in die Fußstapfen großer internationaler Seglerinnen. Die französische Hochseelegende Florence Arthaud verdiente sich als „Ministin“ ihre ersten Sporen. Dame MacArthur, die britische Hochseeheldin, ist ebenfalls besonders stolz auf ihr Debüt bei den Mini-6.50-Seglern und die Schweizerin Justine Mettraux (zuletzt beim Volvo Ocean Race dabei und jetzt in der Figaro-Szene aktiv) mischte 2013 die Serien-Minis mit einem zweiten Rang overall auf.

Grundsätzlich gilt für Männer wie Frauen: Die Teilnahme bei der Mini Transat kann ein Sprungbrett zur Hochsee-Elite sein. Woran die Medizinstudentin Lina Rixgens bisher aber wohl noch nicht gedacht haben dürfte.

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Deutscher Hochsee-Nachwuchs: Die 22jährige Lina Rixgens © rixgens

Mehr als ein Jahr war die frühere Europe-Spitzenseglerin, die immerhin auf einem Gaffelschoner bereits 14.300 Seemeilen Hochseeerfahrung gesammelt hat (High School of High Seas) auf der Suche nach einem Haupt- und somit Boots-Sponsor. Im letzten Jahr schaute sie sich bei einigen Mini-Regatten um und segelte gemeinsam mit Dominik Lenk auf dessen Proto die „Mini Fastnet“. Ihr Fazit damals „Das war ganz bestimmt nicht meine letzte Mini-Regatta“.

Zum Auftakt in Lorient

Mit dem offiziellen Beginn ihrer Kampagne hat Lina als erste Deutsche bereits einen wichtigen Schritt geschafft. Was folgt, sind harte Qualifikationen in einer Bootsklasse, die es in jeder Hinsicht „in sich hat“. Aber gerade für Newcomer einen unbezahlbaren Vorteil bietet: In keiner anderen Klasse wird Solidarität und „Hilfsbereitschaft“ untereinander so „ernst“ genommen, wie unter den Ministen.

Die Saison 2016 ist bereits geplant. Als Auftakt dient der 150-Seemeilen-Sprint „BSM Bretagne Sud Mini“, den sie gemeinsam mit Bootsvorbesitzer Chris Lükermann segeln wird. Das navigatorisch anspruchsvolle Rennen startet und endet erstmals in Lorient, wo sie im legendären Hochseerennerhafen „La Base“ kürzlich ihr Boot übernommen hat. Im Sommer will die angehende Medizinerin nach ihrem Bachelor-Abschluss bereits die 1.000 Seemeilen-Qualifikation solo absolvieren.

Ein spannendes und arbeitsintensives Jahr steht Lina also bevor. Wir drücken die Daumen und halten Euch auf dem Laufenden!

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Die “732” hat sich schon auf einer Mini Transat bewährt. Hier ruht sie sich im legendären U-Boot-Hafen “La Base” in Lorient aus © rixgens

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Michael Kunst

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2 Kommentare zu „Mini Transat 2017: Lina Rixgens (22) will als erste Deutsche das Transat-Ziel erreichen“

  1. avatar Krischan sagt:

    … nicht zu vergessen die Deutsch-Italienerin Daniela Klein, die bei der Classe Mini mit der Nationalität “GER” geführt wird und beim Transat 2009 einen beachtlichen 22. Platz im Feld von 46 Serienbooten belegte.

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  2. Krischan, das war jetzt aber unfair …Freuen wir uns doch einfach daran, dass es Lina gelungen ist, ein Boot zu bekommen und mit der Quali zu beginnen. Ob sie dann 1. oder 2. wird ist doch recht nebensächlich – selbst wenn es natürlich die Sponsorensuche etwas vereinfachen mag.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 0

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