New York-Vendée: Fünf Yachten nach Crash umgedreht – Auch “Hugo Boss” kollidiert

"Viel Müll im Atlantik"

Schon am ersten Tag der Atlantik-Regatta New York-Vendée sind gleich fünf von 14 60-Fußern nach Kollisionen mit “unidentified floating objects” (UFO) umgedreht.

Hochsee-Regatten werden offenbar immer mehr zum Glückspiel. Die Verschmutzung der Meere mit massivem Treibgut scheint immer intensiver zu werden. Das ergibt sich aus der aktuellen Situation beim am Sonntag gestarteten Atlantik-Rennen New York-Vendée. Am ersten Tag wurden gleich fünf IMOCAs Opfer von so genannten UFOs aus dem Rennen genommen.

Imoca Ocean Masters

Ausfahrt aus New York im Nebel, in dem gleich fünf Kollisionen stattfanden. © Amory Ross/Sea&Co

Zuerst traf es “Queguiner-Leucémie Espoir” mit Skipper Yann Eliès, der mit beschädigtem Unterwasserschiff und Schwert nach Newport/Rhode Island umdrehte. Er will nach Reparaturen das Rennen wieder aufnehmen.

Leck am Schwertkasten

Kurz danach traf es auch Top-FavoritArmel Le Cléac’h. Auch der Vendée-Globe- Zweite kollidierte mit seinem Neubau “Banque Populaire VIII” mit einem UFO und segelt nach Newport. Der Nächste war Morgan Lagravière mit dem Foiler “Safran”. Er berichtet seinem Team von einem kompletten Bruch seiner Tragfläche und einem Leck am Schwertkasten.

Der Holländer Pieter Heerema kollidierte mit seiner “No Way Back” gleich mit vier Objekten und straft seinen Bootsnamen Lügen. Schwert und Kasten sind beschädigt und Wasser tritt ein. Mit reduziertem Speed steuert auch er Newport an.

Hugo Boss, Vendee

Die neue “Hugo Boss” ist flott unterwegs. © Th. Martinez/Sea&Co

Schließlich traf es auch Jean-Pierre Dick mit seinem Foiler “StMichel-Virbac”, der bei 18 Knoten Wind mit Treibgut kollidierte. Die Backbord-Tragfläche soll gebrochen sein. Er will sie in Newport austauschen. Dick befürchtet, dass auch die Deck-Saling in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Vier Kollisionen

Inzwischen hat auch Alex Thomson vier Kollisionen erlebt. Zwei am Foil und zwei am Ruder, das jeweils hochklappte. Nach eingehender Inspektion konnte er aber keinen Schaden feststellen, der ihn am Weitersegeln hindert.

Auch der Japaner Kojiro Shiraishi berichtet von einem Zusammenstoß. “Es fühlte sich schwer und weich an. Ich habe den Kiel gecheckt und die Ruder, aber keinen großen Schaden festgestellt. Ich bete, dass nichts gebrochen ist.”

Unbeschadet segelte lange Zeit der Nicht-Foiler “PRB” an der Spitze. Aber Vincent Riou musste sich inzwischen bei stärkeren Raumschots-Bedingungen von den mit Tragflächen ausgestatteten Kollegen überholen lassen.

So zeigt Alex Thomson, dass seine “Hugo Boss” Speed machen kann. Er inzwischen die Führung mit 11 Meilen übernommen vor der neuen “Edmond De Rothschild” und der zum Foiler umgebauten “Maitre Coq”.

Tracker New York-Vendee

 

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Carsten Kemmling

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3 Kommentare zu „New York-Vendée: Fünf Yachten nach Crash umgedreht – Auch “Hugo Boss” kollidiert“

  1. avatar Müller sagt:

    Die hohe Ausfallrate bei diesen Rennmaschinen dürfte weniger dem Müll im Wasser geschuldet sein als der am Limit gebauten Technik und den hohen Geschwindigkeiten. So wie die durch die Gegend brettern, wird absolut alles, was im Wasser schwimmt zu einem gefährlichen Hindernis, auch normale Fische und Äste.
    Bei aller Faszination für die aktuelle Entwicklung frage ich mich schon eine Weile, wie man mit diesen empfindlichen Anhängen um die Welt kommen soll. Ganz werde ich den Verdacht nicht los, die Konstrukteure rechnen mit der Annahme, die Ozeane bestehen aus destilliertem Wasser.
    Meine Prognose für diese Vendee: wer tatsächlich das unwahrscheinliche Glück hat mit seinen Foils nirgends hängen zu bleiben, dem fällt die Kiste nach der halben Strecke wegen der enormen Belastungen auseinander. Vincent Riou gewinnt, weil das Boot am besten durchhält.
    Soll man es deswegen sein lassen? Nein! So ist das halt am Anfang einer Entwicklung 😉

    Dass unsere Meere sich in eine widerliche Müllhalde verwandelt haben ist allerdings unbestritten. Wer das eindrucksvoll vom Sofa aus erfahren möchte, braucht nur Berichte von Weltumsegelungen von Slocum bis heute zu lesen….

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 15 Daumen runter 1

  2. avatar dubblebubble sagt:

    Man könnte die Schwertkästen so stabil bauen, daß sie starken Kollisionen standhalten und vorher nur das Foil bricht. Für diesen Fall sollte man ein Ersatzschwert dabeihaben. Fände ich bei so teuren Projekten wie der Vendee Globe angebracht. Auch ein Boot, das nach Bruch der Foils bei intakter Reststruktur noch gut performen kann, wäre eine Alternative.

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    • avatar alikatze sagt:

      Den guten Vorschlag musst Du mal bei der IMOCA einreichen. Wobei ich der Meinung bin, dass Foils vielleicht eher in Küstengewässern angebracht und offshore meist fehlplatziert sind.

      Noch charmanter als den Performance-Gedanken finde ich den Aspekt, dass diese empfindlichen Boote, die auf der Südhalbkugel bummelig 1000sm vom Festland entfernt sind, mit einer stabileren Struktur nicht so schnell Leck schlagen und in Seenot geraten. Die Lebensrettung auf See ist “da unten” setzt ja auch die Retter erheblichen Risiken aus.

      Davon abgesehen ist es bei aller Tempohatz auch als Zuschauer nicht wirklich interessant, wenn die zimperlichen Böötchen so filigran sind, dass nach ein paar Renntagen nur noch ein Teil der Flotte um die Wette fährt. Egal, ob die nun, wie bei der letzten Vendee Globe, ihrer Kiele verlustig werden oder sich Schwerter und Foils abfahren.
      Von dem zusätzlichen Müll, der dann herumtreibt (die Kiele gehen wohl auf Grund 🙂 ) ganz zu schweigen.

      Die IMOCA ist ne spannende Klasse und man sieht ja auch, dass es da robuste und Leistungsfähige Boote gibt.

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