Mini-Transat 6.50: Trotz hoher Ausfallquote sind die Frauen noch im Rennen. Ein Update

Die Abenteuer der Mini-Amazonen

Marie Duvignac zeigt ihr gebrochenes Ruder. Sie hat ein Ersatzblatt installiert. © Bateau accompagnateur Zidibule

Sechs “segelnde Traumfrauen” haben sich an die Charente Maritime/Bahia gewagt, sechs Segelpersönlichkeiten, die ähnlich wie ihre berühmten Vorgängerinnen Ellen MacArthur oder Isabelle Autissier das Zeug zu „mehr auf dem Meer“ haben und diese Mini-Transat als Sprungbrett für Größeres nutzen wollen. Wie ergeht es ihnen?

Zu Beginn der Etappe 2 von Madeira nach Brasilien rappelte es zwischen den Kanaren und südlich der Kapverden heftig in den Kisten bzw. 6.50ern des Regattafeldes. Harte 30-35 kn-Böen haben den immer am Limit segelnden Booten heftig zugesetzt, es gab Mast- und Baumbrüche, daraus resultierend fünf Aufgaben und mehr als 15 (!) Defekte an den Ruderanlagen. Davon konnten sechs nur mit einem Pit-Stop auf den Kapverden repariert werden.

Die Italienerin Susanne Beyer segelt bei den Serien-Minis zurzeit auf Platz 24. © Patrick Garonne

Auch zwei Frauen wurden von Problemen nicht verschont: Ein Begleitschiff meldete, dass Marie Duvignac am Backbord-Ruder havarierte und ebenfalls den Nothafen anlaufen wolle. Allerdings versuchte sie dann doch eine Reparatur auf See (die Minis führen ein Ersatzruder mit) – gestern zeigte sie einem anderen Begleitboot stolz ihre Reparatur-Trophäe. Marie fährt mit 4,6 kn auf Rang 29 (Abstand zum Führenden 280 sm!)

Auch die Italienerin Susanne Beyer meldete Probleme: Sie saß offenbar mehrere Tage ohne Unterlass an der Pinne, nachdem ihr Autopilot ausgefallen war. Mit diesem Ultra-Schlafentzugs-Marathon erreichte sie ruhigere Zonen, um die Reparatur am Autopiloten selbst vorzunehmen.

Susanne Beyer hatte große Probleme mit ihrem Autopiloten, konnte ihn aber in der Flaute reparieren. © Patrick Garonne

Dass dies offenbar gut gelang, zeigt eine kleine „Aufholjagd“, die Susanne im Kalmengürtel schaffte: Sie profitiert von deutlich frischeren Winden (als etwa bei der Passage der ersten Protos) und segelt derzeit mit knapp 5 kn auf Rang 25.

Die Französin Fabienne Robin, Ex-Buchhalterin und die Frau mit der wohl geringsten Regattaerfahrung im Feld, fuhr als Einzige zwischen den beiden östlichsten Kapverden-Inseln hindurch, konnte dann beim „Hochziehen“ in Richtung Ideallinie drei Plätze gutmachen. Fabienne liegt derzeit mit 35 sm Abstand zur Kollegin Marie auf Rang 31 und ist mit 5,5 kn etwas schneller unterwegs.

Die Holländerin Christa Ten Brinke liegt auf Rang 26. © Patrick Garonne

Die Holländerin Christa Ten Brinke zeigt bis vor vier Tagen eine klasse Leistung, wurde dann aber von schwachen und stark drehenden Winden „in die Mangel genommen“. Ihr Kurs der letzten Tage ist von heftigem „Zickzack-Muster“ geprägt, sie positionierte sich zuletzt sogar westlich der Ideallinie – eine Route, die in dieser Zone nur selten von anderen Mitstreitern gewählt wurde. Rang 26 bei knapp 4 kn Fahrt für die Künstlerin.

Hervorragend segelt nach wie vor die Engländerin Hare Pip auf ihrer “Potting Shed”. Bei knapp 6 kn Speed liegt sie derzeit auf Rang 18: Hare hat die letzten 5 Tage und Nächte den goldenen Weg der Mitte gewählt. Verglichen mit ihrem Konkurrenzumfeld (+-10 Plätze) fuhr sie keine extremen Schläge und nahm den Weg des geringsten Risikos.

Die einzige weibliche Prototyp-Pilotin Emma Creighton beim Plausch mit einem der sieben Begleitschiffe. © Bateau accompagnateur Pen Ar Clos

Die einzige Frau auf einem Protoypen –  Kalifornierin Emma Creighton auf “Pocket Rocket” – segelt derzeit mit 5,24 kn auf Platz 25. Emma hat (wie einige der Favoriten unter den Protos) auf der östlichen Route reichlich Federn gelassen. Nur zwei Prototypen liegen noch hinter ihr.

Selbst für den Frauen-internen Sieg muss sie sich ranhalten. Pip Hare ist auf ihrem Serien-Mini deutlich schneller und liegt weiter westlich auf begünstigtem Kurs. Doch abwarten – noch haben die Offshore-Dreamgirls über 1.300 sm bis zum ersten Pina Colada in Bahia vor sich…

Tracker

avatar

Michael Kunst

Näheres zu miku findest Du hier

Spenden
http://nouveda.com

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *