THE TRANSAT: Renken in New York – erste Deutsche, die Einhand-Transat-Regatta beendet

"Ich bin richtig stolz"

Die Bremerin Anna-Maria Renken brauchte auf ihrer Class40 „Nivea“ 21:13:19 Tage für 3.995 Seemeilen. Sie bolzte durch fünf Tiefs gen Westen. Das Großsegel riss, die Seglerin hatte teils starke Schmerzen im Bein. Resumée von Bord: „Es war hart, sehr hart!“

Anna Maria Renken

Freude vor der Freiheitsstatue in New York. © TRANSAT

„Heute Morgen hab’ ich erstmal geheult vor Freude! Was ich hier gemacht habe, davon werden ich noch meinen Enkeltöchtern erzählen. Ich bin richtig stolz!“ berichtete Anna-Maria Renken von Bord.

Und stolz kann sie wirklich sein! Als erste deutsche Frau beendete Renken eine Einhand-Atlantikregatta, die zudem als eine der härtesten der letzten Jahrzehnte in die Geschichte des Hochseesegelns eingehen wird.

Anna Maria Renken

Den Atlantik im Kielwasser. © TRANSAT

Nicht weniger als fünf Tiefs musste Anna-Maria Renken auf der Class40 „Nivea“ seit ihrem Start in Plymouth überstehen. Die Einhand-Seglerin erreichte das Ziel „Sandy Hook“ vor New York um zehn Minuten vor 23 Uhr Ortszeit, also heute Morgen um 4:49 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit.

Anna-Maria Renken, The Transat, Ziel

Handy-Aufnahme vom Zieleinlauf. Trotz Unschärfe unverkennbar das breiteste Grinsen dieser Regatta! © renken

Für die 3.995 Seemeilen lange Strecke brauchte die 34-Jährige auf der „Nivea“ 21 Tage, 13 Stunden und 19 Minuten, was einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 7,72 Knoten entspricht. Bedenkt man die Schwierigkeiten, die sie an Bord der Class40 zu bestehen hatte, sind die 7,72 Knoten Speed noch ein echtes „Pfund“. Denn das letzte Drittel ihrer Atlantik-Überquerung musste die Einhand-Seglerin mit stark reduzierter Segelfläche segeln – das Großsegel war gerissen und konnte mit Bordmitteln nicht repariert werden.

Auf den letzten hundert Seemeilen vor dem Ziel meldete sich Anna-Maria Renken nachdenklich und gleichzeitig euphorisch von Bord: „Endlich geht’s wieder mit korrektem Speed in die richtige Richtung. Ich beobachte die Seemeilen zum Ziel, die eine nach der anderen abgehakt werden. Ich mache mir gerade einen Earl-Grey-Tee mit den letzten Centilitern Wasser, die ich noch an Bord habe. Das ist ein Schwarztee, den Miranda Merron immer trinkt, wenn sie segelt. Und da ich für einige Zeit ihre „Preparatrice“ war, widme ich nun diesen Tee also Miranda. Es könnte ein bisschen knapp mit dem Wasser werden, da ich wirklich nicht damit gerechnet hatte, 21 Tage auf See zu verbringen. Mir bleiben nur noch ein Liter Wasser und zehn Dosen Red Bull.

Anna Maria Renken

Champagner-Spritzer für das überstandene Abenteuer.© TRANSAT

Ich glaube, im Ziel werde ich verrückt. Ich freue mich so darauf, mein Team wieder zu treffen. Das ist alles so genial…“

Anna-Maria Renken, The Transat, Ziel

Mit dem letzten Tropfen Wasser einen Tee gemacht © miku

Anna-Maria Renken beendete THE TRANSAT auf Class40-Rang 6. Hinter ihr liegt noch der Japaner Hiroshi Kitada; der etwa 100 Seemeilen (Stand Dienstag Morgen) bis zum Ziel zu bewältigen hat. Drei Yachten aus der Class-40-Flotte mussten das Rennen aufgeben, darunter die Deutsch-Französin Isabelle Joschke (SR berichtete). Der Engländer Phil Sharp lag bei den Class40 lange in Führung, schaffte zuletzt aber „nur“ Rang drei. Auch sein Großsegel zerriss in einer besonders heftigen Böe, als er noch mehrere Hundert Seemeilen bis zum Ziel zu absolvieren hatte.

Die französische Segellegende Loick Perron befindet sich auf der historischen „Pen Duick II“ nach Havarie am Vor- und Kutterstag auf halber Strecke ebenfalls noch auf See, segelt allerdings wieder vor dem Wind Richtung Osten. Er wird am Donnerstag in Frankreich zurück erwartet.

Anna Maria Renken

Im Regen nach New York. © TRANSAT

Anna Maria Renken

Ankunft nach 21 Tagen auf See. © TRANSAT

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Michael Kunst

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3 Kommentare zu „THE TRANSAT: Renken in New York – erste Deutsche, die Einhand-Transat-Regatta beendet“

  1. avatar Sven 14Footer sagt:

    Respekt vor der Leistung! Es war kein Sparziergang! Herzlichen Glückwunsch an AMR!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 14 Daumen runter 2

  2. avatar Backe sagt:

    Super!
    Ich erinnere mich an sehr viel, sehr bissige Kommentare hier auf SR zu AMR, als es um das Skipper-Missverständnis beim KYC ging. Ich hoffe, dass all die “Skeptiker von damals nun auch in der Lage sind, ihr den verdienten Respekt zu zollen.

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  3. avatar breizh sagt:

    Tolle Leistung einer sehr sehr sympathischen Seglerin! Freut mich, dass das Engagement des Sponsers ausgezahlt hat.
    Die Erfahung kann Ihr keiner mehr nehmen und ich hoffe, sie kann es bei den nächsten Rennen zeigen.
    Bin auf weitere Hintergrundberichte gespannt und natürlich auf den Rücktörn (ist glaube ich von Montreal nach St. Malo).

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