Transat Jacques Vabre: Dick/Jourdain sagen ab und erklären ihr Malheur

„Keine Chance!“

Der Trimaran kurz nach dem Durchkentern. Mast 3 x gebrochen, Dick noch im Wasser © Virbac Paprec

Der Trimaran kurz nach dem Durchkentern. Mast 3 x gebrochen, Dick noch im Wasser © Virbac Paprec

Nach der spektakulären Kenterung des 70-Fuss-Trimarans „Virbac Paprec“ am letzten Donnerstag wurde gestern die Teilnahme am TJV zurückgezogen. Die Zeit bis zum Start sei zu knapp für Reparaturen.

„Ein kleiner Fehler mit enormen Konsequenzen,“ gibt Skipper Jean-Pierre Dick in mehreren TV-Interviews kleinlaut zu. „Beim Segeln passieren immer Fehler, doch eher selten mit solch einer Konsequenz. Für mich ist das jedenfalls das erste Mal. Die Saison ist gelaufen, ich werde mich auf neue Projekte im nächsten Jahr vorbereiten!“

Wie ein gerupfter Albatros liegt die Pirbac Vabrenc im Hafen © virbac

Wie ein gerupfter Albatros liegt die Virbac Paprec im Hafen © Virbac

Ähnlich betroffen gab sich Co-Skipper Roland Jourdain: „Die Transat Jacques Vabre gemeinsam mit Jean-Pierre wäre für mich der Höhepunkt der letzten Jahre gewesen. Und dann zerplatzt der Traum in einer Böe!“

Nach eingehender Begutachtung der Schäden – Mast dreifach gebrochen, Bruchstellen an einem Querträger, mindestens ein Wantenschaden am Rumpf – schätzte die Landcrew die voraussichtliche Reparaturzeit auf zwei Wochen ein. „Das bedeutet, dass wir vor dem Start der TJV nur vier Tage hätten, den Trimaran zu trimmen und alles Notwendige für die Atlantiküberquerung einzustellen und zu überprüfen.

Viel zu wenig Zeit – da sehe ich keine Chance mehr für eine Teilnahme,“ resignierte Jean-Pierre Dick. Und Jourdain fügt hinzu: „Um diese Maschinen wirklich zu beherrschen, braucht man ein Minimum an Vorbereitungszeit. Und die wäre nicht gegeben!“

jean Pierre Dick, Virbac Pabrenc, kenterung

Da dachten sie noch, es könnte vielleicht doch gut gehen © Virbac

Die beiden Skipper gaben im Laufe der letzten Tage Dutzende Interviews zu dem immer gleichen Thema: Wie kann es sein, dass bei bestem Segelwetter ein 70-Fuss-Trimaran, gesteuert von zwei der besten Hochseesegler der Welt, vor laufenden Kameras einfach so kentert?

“Alles perfekt! Bis auf diese eine Böe…”

Die „Virbac Paprec“  war am vergangenen Donnerstag auf einer PR-Tour bei 15-20 kn Windgeschwindigkeit unterwegs. An Bord waren Journalisten und Techniker, die am Trimm-Feinschliff“ arbeiten sollten. Als der (bestellte) Kamera-Hubschrauber sich dem Schiff näherte, wurden alle „überzähligen“ Gäste in den Rumpf gebeten, damit „authentische“ Aufnahmen der Virbac Paprec gemacht werden können – eben Dick und Jourdain beim Training für die TJV.

Jourdain beschreibt die Situation so: „Wir hatten die Genua 2 gesetzt, was uns für die bis dahin vorherrschenden 15 kn Windgeschwindigkeit genau richtig erschien. Es gab zwischendurch Böen um die 18 kn – 20 kn – alles gut beherrschbar. Doch dann kam eine deutlich stärkere Böe, ich war gerade auf halbem Wege zu Jean-Pierre, der auf dem Luv-Ausleger steuerte.

Wir stiegen und stiegen – unendliche Sekunden lang! Ich lief riss die Genua auf, wir hofften inständig, dass der Trimaran wieder zur Richtig Seite zurück fallen würde. Aber wir kenterten! Mir kam es so vor, als würde der Lee-Schwimmer zu stark unterschneiden, der Winddruck wurde nicht rasch genug in Bootsgeschwindigkeit umgesetzt!“

Jean-Pierre Dick wird von Rettungshubschrauber abtransportiert:

Dick ergänzt: „Als die Böe uns traf, fierte ich die Schot des Travellerschlittens, ich dachte, wirklich, dass dies reichen würde, um den Druck aus dem Segel zu nehmen. Ein schwerer Irrtum! Doch als ich bemerkte, dass diese Böe erheblich stärker war als alle anderen zuvor, war es schon zu spät. Ich konnte mich nicht richtig festhalten und fiel aus 10 m Höhe hinab, schlug mit dem Rücken irgendwo auf und landete dann im Wasser. Zum Glück wurde ich nicht ohnmächtig!“

Aufnahmen aus dem Inneren während der Kenterung:

Die Mitsegler im Inneren des Trimarans reagierten zwar aufgeregt, aber nicht panisch; nachdem die „Virbac Paprec“ durchgekentert war, kletterten sie zusammen mit Roland Jourdain durch eine Notluke nach außen und zogen Dick, der zwischen den Schwimmern trieb, nach oben aufs Netz.

Kurz darauf erreichte der (vom Kamera-Helikopter alarmierte) Rettungshubschrauber die Havarierten und barg Jean-Pierre Dick liegend ab. Der zunächst geäußerte Verdacht auf Wirbelfraktur bestätigte sich nicht, Dick blieb zwei Tage im Krankenhaus „unter Aufsicht“, bevor er sich schweren Herzens wieder zur mittlerweile in den Hafen zurück geschleppten „Virbac Paprec“ machte.

Erst nachts liegt die gekenerte Virbac Pabrenc im Hafen © virbac

Erst nachts liegt die gekenterte Virbac Paprec im Hafen © Virbac

„Abgesehen vom finanziellen Schaden ist dies eine echte Katastrophe für uns alle im Team. Monatelange Vorbereitungszeit und dann sowas – bei perfekten Bedingungen!“

 

 

 

 

 

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Michael Kunst

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9 Kommentare zu „Transat Jacques Vabre: Dick/Jourdain sagen ab und erklären ihr Malheur“

  1. avatar bowman sagt:

    “Pabrenc”? Es steht doch groß auf dem Rumpf – PAPREC

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 6 Daumen runter 9

    • avatar bowman sagt:

      Nur immer schön weiter dissen.
      Es geht noch besser, Bildunterschrift: “Wie ein gerupfter Albatros liegt die Pirbac Vabrenc im Hafen © virbac”

      Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 6 Daumen runter 7

  2. avatar Segelass sagt:

    Mehr PR geht nicht. Heli in der Luft, Reporter die Filmen um Rumpf… Wenn man Sponsoren überzuegen will, dass das Event zu gefährlich sei, dann so! Da sitzen die auf dem gekenterten Boot und essen entspannt… Sieht eher aus wie ein Ausflug…

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  3. avatar bowman sagt:

    @ Redaktion
    Fast, jetzt noch einen Buchstaben – Pabrec?

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 4 Daumen runter 7

  4. avatar bowman sagt:

    Geht klar, Herr Bondrink.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 8 Daumen runter 2

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