Transat Jacques Vabre: „Sodebo“ vor „Gitana“ – Coville gewinnt Rennen der Generationen

Schneller ohne Foils

Transat Jacques Vabre, Coville, Sieg

Sieg für Coville und Nelias auf „Sodebo“ nach 7:22:07 Tagen © TJV

Sieg für Coville und Nelias auf „Sodebo“ nach 7:22:07 Tagen, 4,742 gesegelten Seemeilen bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 24, 94 Knoten! Doch es geht um mehr, als „nur“ den Triumph. 

Um 11:42 Uhr überquerten Thomas Coville und Jean-Luc Nelias auf ihrem Ultim Trimaran „Sodebo“ als Sieger die Ziellinie der Zweihand-Regatta Transat Jacques Vabre. Nach 7:22:07 Tagen rasender Fahrt über den Atlantik bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 24,94 Knoten lautete Covilles erster Kommentar „Geschafft! Wir haben sie tatsächlich geschlagen!“

Gemeint sind Sebastien Josse und Thomas Rouxel, die zum Zeitpunkt von „Sodebos“ Sieg auf der „Baron de Rothschild“ mit 14 Seemeilen Rückstand auf die „Bucht aller Heiligen“ vor dem brasilianischen Salvador de Bahia zusteuerten. 

Transat Jacques Vabre, Coville, Sieg

Ohne Foils zum Sieg bei einer der prestigeträchtigsten Hochseeregatten © tjv

Im ersten Moment mag man Coville seine Überraschung und Freude über diesen Sieg gar nicht so richtig abnehmen. Denn der französische Starsegler, der (noch!) den Weltrekord für die schnellste Einhand-Nonstop-Weltumseglung aller Zeiten hält, war im Vorfeld dieser Regatta sowieso als Favorit für dieses Duell gesetzt. Denn nichts anderes war diese Transat Jacques Vabre: ein Kräftemessen zwischen einem der erfolgreichsten Mehrrumpf-Einhandsegler der Welt, dessen Ultim-Trimaran nach jahrelangen Rekordfahrten rund um den Globus längst zum „alten Eisen“ zählt und einem Ultim-Trimaran der allerneuesten Generation, ein 30-Meter-Monster das sich auf Foils vollständig aus dem Wasser heben kann, und seinem nicht minder begnadeten Skipper Sebastien Josse. Der dritte Ultim-Trimaran bei dieser Regatta, ein Vertreter der „Uralt-Generation“, die „Prince de Bretagne“ mit den beiden Haudegen Lemonchois und Stamm an der Pinne, segelt sagenhafte 1.210 Seemeilen hinterher!

Sieg mit Ansage?

Nachdem alle Welt vor dem Rennen davon überzeugt war, dass Josse seine nagelneue „Baron de Rothschild“ als Vorsichtsmaßnahme bei dieser ersten großen Langstreckenprüfung wohl nur mit angezogener Handbremse fahren würde, hatten wenige mit dem Kampfgeist des Gitana-Teams gerechnet. Im Laufe der Regatta wurde klar: Josse und Rouxel gehen aufs Ganze! 

Transat Jacques Vabre, Coville, Sieg

Akrobatische Arbeit während des Ritts entlang der brasilianischen Küste © sodebo

Auch wenn sie wohl zu keinem Zeitpunkt Bruch oder Verlust ihres Bootes riskierten, zeigten sie doch „Biss“ von der ersten Seemeile an. Vor allem während der eher ungemütlichen Tage zu Beginn des Rennens in hohem, sehr aufgewühltem Seegang spielte „Baron de Rothschild“ seine Stärke aus – jedoch nicht auf Foils! Das Boot hatte wie sein Konkurrent „Sodebo“ mit dem Seegang zu kämpfen, zeigte aber „unterm Strich“ in dem schweren Wetter eine starke Leistung.

Teilweise lag „Baron de Rothschild“ rechnerische 77 Seemeilen vor seinem Konkurrenten, segelte jedoch einen relativ östlichen Kurs, der etwas zu weit von der Ideallinie „hinunter“ nach Brasilien lag. Am Abend des dritten Regattatages halsten Josse und Rouxel und segelten Richtung Westen, wo sie sich gegen Mitternacht hinter Coville im Kielwasser von „Sodebo“ einordnen mussten. 

Transat Jacques Vabre, Coville, Sieg

Müssen sich trotz offensichtlich hochkonzentrierter Arbeit an Bord geschlagen geben: Josse/Rouxel auf “Baron de Rothschild” © gitana

Von diesem Moment an lieferten sich die beiden Ultim-Trimarane spannende Duelle, bei denen jedoch auffällig war, dass das neue „Geschoss“ des Gitana-Teams nicht deutlich schneller war als „die alte, aber verdammt zähe Gurke“ (O-Ton Coville über seinen Trimaran) „Sodebo“. Bei Geschwindigkeiten zwischen 25 und 35 Knoten rasten die beiden Teams entlang der brasilianischen Küste mehr oder weniger nebeneinander her. Bei allerbesten Segelbedingungen wurde deutlich, dass der Foiler noch nicht zwingend schneller unterwegs ist. 

Aber es dauert eben seine Zeit, bis ein solches Extrem-Gerät zu 100 Prozent seiner Leistungsfähigkeit gesegelt werden kann. Auch technische Probleme sind nicht ausgeschlossen. Sicher ist: Das Gitana-Team hat noch viel Arbeit vor sich.

Wieder im grünen Bereich

Francois Gabart macht es vor. Er hat seinen Ultim-Trimaran „Macif“ ausgiebig getestet bevor er den unglaublichen Rekord von “Sodebo” in Angriff nahm. Dabei setzt er Coville nicht die radikale Foiler-Technik entgegen, sondern nähert sich vorsichtig den Leistungszuwächsen, die durch sein vergleichsweise neues Material möglich sind.

Der 34-jährige Franzose war einen Tag zuvor entlang der brasilianischen Küste auf einer ähnlichen Route unterwegs wie die Ultim-Kollegen bei der Transat Jacques Vabre. Bei seiner Einhand-Weltumseglung will er den vor einem Jahr von Coville aufgestellten Weltrekord brechen will.

Seine Bilanz nach einer Woche Solo-Hochgeschwindigkeitssegeln: „Alles wieder im Grünen Bereich!“ Nachdem Gabart auf „Macif“ im Kalmengürtel über 36 Stunden hinweg Zeit auf seinen „virtuellen“ Gegner verloren hatte, segelt er nun nach einer fulminanten Aufholjagd wieder mit einem Vorsprung von 267 Seemeilen.

macif, francois gabart

Wieder auf Weltrekord-Kurs: Macif mit Francois Gabart © macif

Das entspricht etwa 12 Stunden Vorsprung auf den bisherigen Weltrekord (49:03:04 Tage). Gabart scheint in Hochstimmung zu sein. Er sendet Videos von Bord, die ihn bei der erfolgreichen Reparatur einer Rollanlage für den Gennaker und entspannt im Chefsessel hinter seiner Bordarmaturen zeigen.

Einige beeindruckende Zahlen: Seit seinem Start ist Gabart eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 26,3 Knoten gesegelt. Seine schnellste Geschwindigkeit waren 38,7 Knoten. Während der letzten 24 Stunden raste er im Mittel mit 29,8 Knoten über den südlichen Atlantik, erreichte dabei 35,4 Knoten Spitzengeschwindigkeit und schaffte in diesem Zeitraum 714,4 Seemeilen Strecke. Dabei schlief er nur 4:27 Stunden und kurbelte 1210 Umdrehungen am Grinder. 

Transat Jacques Vabre Tracker

Tracker Weltrekordversuch „Macif“

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Michael Kunst

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2 Kommentare zu „Transat Jacques Vabre: „Sodebo“ vor „Gitana“ – Coville gewinnt Rennen der Generationen“

  1. avatar Breizh sagt:

    Gabart ist schon eine ziemlich coole Socke, wenn man ihn hier oder im französischen Fernsehen sieht. Und er kommt eigentlich immer ziemlich sympathisch und entspannt rüber, wenn man bedenkt, dass er hier um jede Minute fighten muss. Ich bin auf das Ergebnis gespannt.

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  2. avatar eberhard ritzau sagt:

    Kann Beizh nur beipflichten , der neue Einhand Rekord mit 851 nm ist unglaublich . Ebenso unglaublich ist die lockere und nette Art von Gabart . Einfach schoen zu sehen dass nicht nur extreme Typen zu ausserordentlichen Leistungen faehig sind .Ich goenns ihm von ganzem Herzen und wuensch ihm all” the best for the rest

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