Vendée Globe: Die Favoriten starten durch – Foiler formieren sich an der Spitze

Von Thomson überflügelt

Die Top-gesetzten Boote haben sich in der Nacht an die Spitze gesetzt. Dabei zeigt Alex Thomson nach vielen Pleiten und Pannen, dass er diesmal vielleicht ganz vorne mitspielen könnte.

Hugo Boss

Alex Thomson auf dem Weg durch die Biskaya. © Jean Marie Liot/DPPI/Vendee Globe

Alex Thomson hatte bisher oft nicht gut ausgesehen, wenn er als Mitfavorit bei einer großen Regatta gestartet war. Sein Ruf als Bruchpilot hielt sich hartnäckig, und wenn er von seinem treuen Sponsor ein neues Boot gebaut bekam, dann tendierte er dazu, extreme Wege zu gehen. Das funktioniert zum Beispiel beim Barcelona World Race 2011 überhaupt nicht funktionierten.

Die Segelwelt wunderte sich schon, dass Hugo Boss dem Briten so lange Vertrauen schenkte. Aber der punktete insbesondere durch seine spektakulären Stunts und seine offene Art, die bei den Medien sehr gut ankommt.

Respekt mit Gebrauchtboot

2012 bei der Vendée Globe zeigt er dann mit einem Gebrauchtboot, dass er durchaus sportlich glänzen kann. Thomson gefährdete zwar die beiden Duellanten an der Spitze nicht ernsthaft, zeigte auf Rang drei aber ein ansprechendes Rennen und lieferte wieder die besten Geschichten bei der Reparatur seines Hydrogenerators.

Hugo Boss, Vendee globe

“Hugo Boss” hat in der Nacht mächtig Gas gegeben. © Cleo Barnham/Hugo Boss

Der Neubau war dann wieder ziemlich radikal anders im Vergleich zu den französischen Top-Booten, und man hat den Eindruck, dass Thomsons Team ihm nicht zutraut, mit gleichen Waffen gegen einen Armel Le Cleac’ch oder Sebastien Josse erfolgreich zu sein. Beim Ersteinsatz zur Transat Jaques Vabre 2015 überschlug sich das Schiff, erlitt Strukturschäden und ging fast verloren. Der Bruchpilot machte seinem Namen wieder alle Ehre. Das Unternehmen Vendée Globe schien schon wieder passe.

Aber Thomson kam wieder zurück. Das Schiff wurde gerettet, verstärkt, verbessert und in der Vorbereitung zur Vendée Globe zeichnete sich schon ab, dass diesmal das Design der neuen “Hugo Boss” passen könnte. Bei der Regatta New York-Vendée glänzte er zeitweise im direkten Vergleich mit der Konkurrenz, musste am Ende aber den Fuß vom Gas nehmen, wegen technischer Probleme.

Flügel gebrochen

Dennoch galt Thomson fortan als Mitfavorit für den Vendée-Sieg. Aber man musste sich wieder Sorgen machen, als er im Training einen der Flügel abbrach. Eine große Enttäuschung, wie er selber bekundete. Nun sollten wieder die alten Foils zum Einsatz kommen.

Die Flotte am Kap Finisterre.

Die Flotte am Kap Finisterre.

Die Betonung des Rückschlags mochte aber nur ein PR-Trick gewesen sein, um sich der Last des Favoriten-Daseins zu entledigen. Deshalb musste man mit Spannung darauf sehen, wie sich der Brite im Vergleich mit den Topleuten auf den ersten Meilen schlagen würde. Aber die erste Nacht hat gezeigt, dass er Bord an Bord mit Armel Le Cleac’h durchaus mithalten und ihn womöglich überflügeln kann.

Die Fans von Alex Thomson können ein wenig aufatmen. Mit Spannung waren die ersten Meilen erwartet worden, die der Brite im echten Wettbewerb gegen die härteste französische Konkurrenz absolvieren würde. Aber es zeigt sich, dass Thomson nach verhaltenem Start nun bei den Foiler-Bedingungen in der Biskaya gegen einen Armel Le Cleac’h (Banque Populaire) und Jean Pierre Dick (St-Michel Virbac) sehr gut aussieht. Er hat bei der Passage des Kap Finisterre die Führung übernommen.

Dreikampf an der Spitze

Aber auch Le Cleac’h gab mächtig Gas und übernahm zwischenzeitlich die Spitze vor Dick, der in der Vorbereitung mit seinem neuen Foiler noch nicht sehr auffällig in Erscheinung getreten war. Zurzeit ist es ein Dreikampf in Sichtweite gut 12 Meilen vor dem Rest des Feldes.

Alex Thomson hat die Führungsposition übernommen.

Alex Thomson hat die Führungsposition übernommen.

Als einziger Nicht-Foiler hält sich Vincent Riou erstaunlich gut bei den Spezial-Bedingungen, die den Tragflächen-Kollegen eigentlich deutlich besser schmecken müssten. Nach starkem Start, der zeigte, wie viel schneller er auf Amwind-Kursen ist, hält er sich auf Rang fünf immer noch vor Sebastien Josse auf “Edmond de Rotschild”, der in der Nacht zehn Meilen auf die Spitze verlor und nur auf Rang sieben liegt.

Die ersten Meilen müssen allerdings noch nicht viel über die tatsächliche Leistungsfähigkeit aussagen. Die Spitzenpiloten drücken oft noch nicht zu 100 Prozent das Gaspedal durch, um  verschiedene Modi im direkten Vergleich zur Konkurrenz ausprobieren zu können. Je länger sie mit einem direkten Gegner zusammen segeln, umso mehr lernen sie über ihr Boot und das des Konkurrenten, wenn er nahe genug im gleichen Windfenster segelt.

Wichtige Informationen

Diese Informationen können wichtig sein, wenn das Rennen in die entscheidende Phase kommt. So dürfte Le Cleac’h besonders interessiert an der “Hugo Boss”-Leistung sein. Thomson hatte sich im Gegensatz zu den Franzosen überwiegend alleine vorbereitet und über die Leistungsfähigkeit seines Materials im Vergleich ist wenig bekannt.

Derweil befindet sich der Spanier Didac Costa (One Planet, One Ocean) immer noch in Les Sables d’Olonne, nachdem er kurz nach dem Start ein Leck im Wassertank und in der Folge Probleme mit der Elektrik festgestellt hatte.

Über fürhe Probleme berichtet auch Kito de Pavant, dessen Solent Vorsegel sich im starken Wind unbeabsichtig am Topp ausgerollt und verknotet hatte. Es habe gut drei Stunden gedauert, das Segel zu bergen.

Tracker Vendée Globe

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Carsten Kemmling

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8 Kommentare zu „Vendée Globe: Die Favoriten starten durch – Foiler formieren sich an der Spitze“

  1. avatar Mirko sagt:

    Tolle Berichterstattung! Bitte nicht nachlassen, auch wenn noch einige Wochen anstehen!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 28 Daumen runter 0

  2. avatar The Great Rock ´n´ Roll Swindle sagt:

    To whom it may concern:
    Hier, von einem Alex-Fan, der Link zu dem Alex eigenem Tracker:

    http://alexthomsonracing.geovoile.com/vendeeglobe/2016/tracker/

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 0

  3. avatar Jule sagt:

    Alex, war’s das schon ?

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  4. avatar Martin Schröder sagt:

    Tolle Berichterstattung, danke!
    Einmal Rechtschreibung überprüfen:)

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  5. avatar Sebastian sagt:

    Warum segelt Thomson momentan direkt auf die portugiesische Küste zu?

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  6. avatar Borgfels sagt:

    Mehr Wind und besserer Winkel für seinen Foiler. Segelt bereits wieder mit 211Grad gen Madeira.

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  7. avatar Olli sagt:

    Die Frage ist nicht, warum er über links gegangen ist, sondern warum es die anderen nicht gemacht haben. Unter der Küste war klar mehr Wind prognostiziert. Das Groß hat sich offensichtlich an die alte Regel gehalten: if in doubt, go west.

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