X40-Rennsieg per Helmkamera. Gäbler gegen Bertarelli und Co

"Wir sind noch Meilen von den anderen entfernt"

Der erste Trainingsblock im Oman mit dem Extreme40 liegt hinter uns. Und es konnte sportfachlich nicht besser laufen. Vom ersten Tag an haben wir mit einer großen Gruppe von Extreme40s (5-7 Boote) trainiert und viele kurze Trainingsrennen gesegelt. Meistens bei auflandigen Thermischen Winden zwischen 8 und 16 knoten.

Oman Sailing hat uns einen Trainingskurs direkt vor dem Mussanah Millennium Resort ausgelegt und die Starts durchgeführt. So konnten wir am Tage 6-8 Rennen mit den anderen Teams segeln. Jede Stunde, die wir auf dem Wasser waren, war somit höchst effektiv. Genauso haben wir uns das vorgestellt. Es war perfekt organisiert.

Helmkamera Perspektive. Gäbler startet gut in Lee von Artemis und Gitana.

Neben den Rennen, konnten wir auch mit ein paar Teams anpassen, um Segel und Schiff trimmen zu lernen. Mit Luna Rossa, Red Bull Racing oder Artemis haben wir ein paar Meilen finetuning gemacht. Auch ein paar Speedruns mit Ernesto Bertarelli, dem Eigner von Alinghi waren mit dabei.

Zeitweise hatten wir auch schon ein paar gute Phasen mit unserem Speed. Doch auch gehörige Aussetzer. Es braucht sicher Monate bis wir das Trimming des Bootes im Griff haben. Die Lernkurve geht aber steil nach oben.

Wie man uns sagte, hat es solch ein Training zusammen mit all den Teams noch nie gegeben. Die Segler sind alle ganz locker drauf. Und selten haben wir so viele lachende Gesichter gesehen beim Segeln wie hier. Die haben große Freude daran mit den Extreme40s umher zu heizen. Bei 10 Knoten Wind segeln und fliegen wir mit 20 knoten Speed. Und das mit einer 4 Personen Crew. Um es auf einen Punkt zu bringen: Es macht allen höllisch SPASS!

Wir stehen ganz am Anfang.  Die meisten Teams sind schon viele Jahre im Extreme Sailing Circuit dabei und haben praktisch die Top 10 für sich reserviert.  Wir haben das älteste Boot, das kleinste Budget und müssen bei einigen Events einen lokalen Segler an Bord nehmen um das Projekt finanzieren zu können.

ONSAILCTM
Das ist schon eine Herausforderung. Aber das macht es auch interessant und aufregend.  Dann gibt es noch einige technische Problem am Rumpf und Rigg, die wir lösen müssen. Aber das alles bekommen wir in Griff. Hauptsache wir segeln jetzt!

Vielen Dank allen Partner, die uns geholfen haben. In nur wenigen Wochen haben wir dieses Projekt auf die Beine gestellt und sind froh, dass wir jetzt im Oman mit den weltbesten Segelteams trainieren können.

Der Anfang ist gemacht. Aber alle, die sich sportfachlich ein bisschen auskennen im Hochleistungssegeln, wissen sehr genau das man 2-4 Jahre braucht um in einer neuen Bootsklasse in die Top Plätze zu segeln. Als Steuermann habe ich noch nicht so viel Erfahrung mit dem Extreme40 und das Team hat in dieser Form so noch nie zusammen gesegelt.

In alle Bereichen müssen wir uns erst einmal technisch rein arbeiten. Schritt für Schritt. Das Team muss synchronisiert werden. Das Boot muss schnell gemacht werden. Die To-Do-Liste ist Kilometer lang.

Sebbe und Bruno haben sicher die meiste Erfahrung mit diesem Boot. Aber wir müssen jetzt gemeinsam als Team auf ein gutes Level der Zusammenarbeit kommen. Jeden Tag haben wir große Schritte nach vorne gemacht. Doch wir sind noch Meilen von den anderen Teams entfernt.

Die kommen aus einer ganz anderen Liga. Alinghi und Artemis tauchen hier mal eben mit jeweils 2 Booten auf. Alinghi geht mit einem nagelneuen Boot ins Rennen. Wir arbeiten zu viert am Boot. Die anderen kommen mit Mechanikern, Metrologen, Trainern etc…. an. Zum Teil mit 8 bis 16 Personen um ein Schiff.

Wir haben nicht mal ein Motorboot, das uns hilft und müssen jeden Tag mit dem Extreme40 unter Segeln anlegen. Da kommen wir uns schon etwas benachteiligt vor. Die können Ihre Arbeit aufteilen und wir müssen uns um alles alleine kümmern und auch mal ein paar Überstunden mehr machen.

Aber wir sehen das alles sehr positiv. Wir haben ein Boot bekommen für die ganze Serie. Wir passen als Team gut zusammen. Wir sehen die Saison 2011 als ein Jahr, in dem wir viel Erfahrung sammeln werden, um 2012 mit einem 100% eigenen Projekt durchstarten zu können.

Man muss das wie in der Formel-1 sehen. Da hat man gelacht, als die bunten Vögel von Red Bull kamen und im ersten Jahr noch hinterher fuhren. Jetzt sind sie Weltmeister. Der Spirit und die Kreativität von F1 Red Bull Racing hat uns gezeigt, dass man sich in der höchsten Kategorie eines technischen Sports in ein paar Jahren von ganz unten bis nach ganz nach oben kämpfen kann. Und GENAU das haben wir vor!

Alle, die mich aus dem Tornado kennen, wissen genau dass der Tag kommen wird, wo wir zu den Top Teams der Extreme Sailing Series gehören werden. Im Tornado hat es auch ein paar Jahre gebraucht, doch dann kam der Bäng und seit dem segeln wir konstant ganz weit oben.

Im Extreme40 kann es genauso laufen.  Alles braucht seine Zeit. Und die werden wir uns nehmen. Der Teamgeist bei uns ist jetzt schon weltspitze. Und das ist schon mal ein gutes Fundament.

Wir werden mit großer Leidenschaft segeln und jetzt an der Startlinie mit den anderen Teams auf gleicher Augenhöhe  starten. Wir rechnen mit nichts, doch wir sind verdammt hungrig. Wir werden jedes Rennen das Maximum aus uns raus holen.

Für uns gibt es nur eine positive und offensive Einstellung sowie  100% Leistung auf den Punkt. Früher oder später werden wir damit auch Erfolg haben. Offiziell nennt man uns seitens des Veranstalters OC das „Team Extreme“. Und genau so werden wir uns wohl auch benehmen. Frech, Angriffslustig und Emotional.

Wir haben ein paar schöne Videos gedreht. Michal Walther, der täglich als Bowman sein allerbestes auf unserem Extreme40 gibt hat großes kreatives Talent und schneidet die Videos mal abends kurz zusammen. Das Video zeigt ein komplettes Trainingsrennen von der Vorstartphase bis zum Ziel. Da habe ich mal die Videokamera auf dem Helm getragen.

Wir sind sehr dankbar, dass unsere Partner Wirsol Solar, Yingli Solar, PowerOne und Marinepool mit uns in die Saison gehen. Es sind nicht nur unsere Partner, sondern seit Jahren sehr gute Freunde die mit uns durch dick und dünn gehen.

Gemeinsam starten wir jetzt in eine neue Ära des Segelsports. Mit den spektakulärsten Schiffen in die spannende globale Serie und das im Rennen mit den besten Segelteams der Welt.  Das ist der Anfang eines tollen Segelprojekts und wir laden alle herzlich ein mit uns in die Zukunft zu segeln.

Wie Ihr ja alle wisst, muss im Training und im Rennen immer ein Gast mitsegeln. Wir heißen Euch herzlich willkommen bei uns an Bord. Wir freuen uns auf eine schöne Zeit mit Euch!

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Ein Kommentar „X40-Rennsieg per Helmkamera. Gäbler gegen Bertarelli und Co“

  1. avatar Phil sagt:

    Toller Bericht, freue mich schon auf die ersten Ergebnisse und weitere spannende Berichte!!!

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