Yachtbau: Replika von Moitessiers „Joshua“ als One Design fürs Golden Globe Race 2022

„Joshua“ kehrt zurück!

Joshua, One Design Class, Golden Globe Race

Joshua, die legendäre Yacht von Bernard Moitessier, wird originalgetreu als One Design Class wiederaufgelegt © macintyre

Sie ist eine Ikone wie ihr längst legendärer Skipper Bernard Moitessier – „Joshua“ war der Traum Zehntausender Hochseesegler. Jetzt wird sie in als One-Design-Klasse wiederauferstehen! 

Jetzt mal ganz ehrlich: Welcher Segler war oder ist nicht begeistert von Bernard Moitessier? Von seinen unglaublichen Abenteuern zur See, die der Franzose in den Fünfziger- bis Neunzigerjahren erlebte. Seine epischen Reisen über alle Meere dieser Welt, seine Gedanken über das Leben auf See, sein „Suhlen“ in der Einsamkeit des Einhandseglers… all’ das und noch viel mehr war und ist Inspiration für Zehntausende Segler. Ganz egal, ob sie nun wirklich auf hoher See unterwegs sind oder lieber ihren Laser auf dem Baggersee bewegen – Moitessier war für viele der Anfang einer langen Leidenschaft. Oder zumindest eine Bestätigung dessen, was sie gerade mit einer gewissen Freude tun.  

Joshua, One Design Class, Golden Globe Race

Das Original liegt derzeit in La Rochelle © macintyre

Unvergessen die Abenteuer, die er während der ersten Golden Globe Einhand-Nonstop-Weltregatta (1968/69) – erlebte; seine Hochseeregatta-Premiere, die ihn gleich zur lebenden Legende machte.

Botschaft mit Zwille

Nein, nicht weil er den Weltumseglungstörn erfolgreich beendete, sondern weil Moitessier in Führung liegend auf dem Rückweg mitten im Atlantik abdrehte und erneut vorbei am Kap der Guten Hoffnung in Richtung Pazifik und später nach Tahiti segelte. Auf hoher See schoss er mit seiner berühmten Zwille eine „Nachrichtendose“ an Bord eines vorbeifahrenden Handelsschiffes. Seine Botschaft war simpel: “Ich bin glücklich auf See und deshalb bleibe ich hier. Vielleicht auch um meine Seele zu retten!“ 

(Ein kurz gefasster Lebenslauf von Moitessier auf Wikipedia)

Joshua, One Design Class, Golden Globe Race

Der Rumpf des Prototypen ist bereits fertig… oder fast © macintyre

Moitessier besaß im Laufe seines Lebens (1925 – 1994) drei Yachten, über die er jeweils ausführlich in seinen Büchern berichtete. Die mit Abstand berühmteste war jedoch „Joshua“, auf der Moitessier u.a. das Golden-Globe-Abenteuer bestand. Im Jahre 1961 trat die französische Werft Tarare an Moitessier heran und bat den (mittlerweile zumindest in Frankreich populären) Hochseesegler um den Rat für eine nach seinen Vorstellungen „idealen“ Hochseeyacht aus Stahl (Kunststoff war damals noch nicht im Bootsbau bekannt), die von der Werft später in Serie gebaut werden sollte.

Bernard Moitessiers Original-Aufnahmen seiner “longue Route” – göttlich!

Im Gegenzug baute man ihm zu Materialkosten den Prototypen und überließ ihn dem französischen Abenteurer für seine zukünftigen Reisen und Regatten zur See. 1962 wurde „Joshua“ fertiggestellt – sie segelt bis heute als Hochsee-Ikone in nahezu originalem Zustand. 

Die Geister Moitessiers und Joshuas

„Joshua“ wird von vielen Bootskonstrukteuren als Nonplusultra fürs Langfahrtsegeln bezeichnet. Unzählige Neukonstruktionen sind ihrem Riss angelehnt, kaum ein Bootsbauer der Linien und Daten der Yacht nicht in- und auswendig kennt. 

Joshua, One Design Class, Golden Globe Race

In der Türkei wird schon reichlich geackert © macintyre

Wie sehr die Geister Moitessiers und seiner „Joshua“ bis in unsere heutige Zeit strahlen, zeigt eine Ankündigung aus England. Zum 49.Jahrestag von Moitessiers Start zum Golden Globe Race 1968 gaben heute die Organisatoren des Golden Globe Race 2018 (GGR18) bekannt, dass sie für die nächste Auflage des wiederaufgelegten Rennens im Jahre 2022 eine neue One-Design-Klasse einführen wollen. Während die „normalen“ Teilnehmer des Golden Globe Races eher darum bemüht sein werden, die Zeit von Robin Knox-Johnston auf „Suhaili“, dem Sieger der ersten Golden Globe-Ausgabe (nachdem Moitessier in die Südsee abgedreht hatte) zu unterbieten, soll mit der neuen Einheitsklasse vor allem Moitessiers ungleich schnellerer Fahrt nachgeeifert werden. 

Man ahnt es schon: die neue One-Design-Klasse wird Joshua GGOD heißen, der Original-„Joshua“ ziemlich originalgetreu nachgebaut sein (ebenfalls aus Stahl) und in einer gesonderten Startgruppe etwa drei Wochen nach den 20 (gar nicht so) normalen, kleineren „Suhaili“- Yachten auf See gehen. 

Stahlschiff im “Back-to-the-roots”-Stil

Derzeit wird in in der Türkei bei Asboat Yacht Builder in Izmir die erste Joshua-Replik gebaut; sie soll bis nächstes Jahr, wenn das Golden Globe 2018 startet, fertiggestellt sein um die „Konkurrenten“ der Suhaili-Klasse standesgemäß zu verabschieden. 

Joshua, One Design Class, Golden Globe Race

Innenansicht der zukünftigen One Design Class “Joshua” – fünf Schotts © macintyre

Die Joshua-Klasse wird aus 5-8 mm starken, lasergeschnittenen Stahlplatten gebaut. Die Yacht soll im Handling einfach sein, robust (fünf Schotts) und vor allem sicher über die Meere segeln. Die zukünftigen Joshua-One-Design-Eigner werden (zumindest beim Golden Globe Race 2022) mit einer Verbeugung vor Moitessier mit dessen selbst erdachtem Selbststeuerungssystem aus „Windschaufeln“ ausgestattet sein. Andere Autopiloten sind nicht erlaubt.

Von der „Joshua“ One Design-Yacht werden (nach heutigem Kenntnisstand) vorerst nur zehn Exemplare gebaut. Dies ist auch die Höchstzahl „Joshuas“, die 2022 beim GGR an den Start gehen werden.
Die Kosten für eine Joshua inkl. der Teilnahme beim Golden Globe Race 2022 werden mit ca. 230.000 Euro beziffert. 

Aufträge werden ab sofort entgegen genommen. Die ersten Joshua One Design-Yachten werden großzügig rabattiert. Mehr Informationen 

Ausführliche technische Info zum Joshua One Design hier 

Joshua Golden Globe One Design Class

Lüa: 14,00 m (mit Spriet)

Rumpflänge: 12, 40 m

LWL: 10, 25 m

Breite: 3,25 m

Tiefgang: 1,62 m

Verdrängung: 15 Tonnen

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Michael Kunst

Näheres zu miku findest Du hier
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10 Kommentare zu „Yachtbau: Replika von Moitessiers „Joshua“ als One Design fürs Golden Globe Race 2022“

  1. avatar Julian sagt:

    Die Joshua Eigner tun mir immer dann besonders leid, wenn sie vor ihrer gigantischen Klagemauer aus Stahl stehen und den ewigen Kampf gegen den Rost führen.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 2 Daumen runter 9

  2. avatar Andreas Borrink sagt:

    Ob Bernerd Moitessier – der übrigens schon 1994 seine letzte Reise angetreten hat – von der neuen Einheitsklasse begeistert wäre? Da habe ich so meine Zweifel. Ich lese sein Buch “Der verschenkte Sieg” augenblicklich zum zweiten Mal; die Schilderungen seiner Einsamkeit und seines vollkommenen Glücks auf See sind immer wieder faszinierend. Der Mann hatte schon lange vor uns eine hohe Sensbilität für die See und ihre Bewohner, die man durchaus “Umweltbewusstsein” nennen könnte. Konsum und Profitdenken waren ihm verhasst; ich denke nicht, dass er sich eine One-Design-Joshua zugelegt hätte.

    R.I.P. Bernard.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 0

  3. avatar Olli sagt:

    Moitessier hatte fünf Boote. Stark, Marie Therese, Marie Therese II, Joshua und Tamara. Zwei hat er leider und zum Glück durch Schiffbruch verloren. Besonders der Verlust von Marie Therese II an den Antillen ist ein Glück für die Seglerwelt, denn ohne diesen hätte es gar keine Joshua gegeben.

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  4. avatar Olli sagt:

    Edith: Stark soll natürlich Snark heißen. Verflixte Autokorrektur!

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  5. avatar Michael Kunst sagt:

    Edith :)).

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  6. avatar Olli sagt:

    Diese Autokorrektur kennt die einfachsten Worte nicht! Mit Edith meinte ich Edit. Wer ist Edith?

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  7. avatar eku sagt:

    Interessant bei Gedanken an diese Art Boote finde etwas, was mir schon in den Achtziger Jahren ein Schiffbauer sagte: Du kannst ein Boot wie eine halb gefüllte Flasche bauen – ist sicher. Oder du kannst ein Boot wie einen Korken bauen – ist auch sicher, nur völlig anders. (Die Flasche segelt halt nicht so gut)
    Mittlerweile haben wir die Materialien um die schwimmenden Korken ordentlich zu bauen …
    Bei aller Faszination die dieser Art Boote (Joshua etc) hervorrufen: Wäre ich noch jünger oder wohlhabender um über den Kauf eines Bootes nachzudenken, würde ich mich für das Prinzip Korken entscheiden.

    Ohne jetzt den Herrn Moitessier zu kennen oder eines seiner sicherlich spannenden Bücher gelesen zu haben, könnte ich mir durchaus vorstellen, das der sich mittlerweile auch anders entscheiden würde.

    Sind halt nur so Gedanken dazu

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  8. avatar Rubberduck sagt:

    Meiner Eltern hatten mal ein holländisches Stahlboot. Eine Backskiste war komplett mit Grundierungen, Farben und Spachtelmassen gefüllt. Pönen forever…

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  9. avatar pjotr sagt:

    nette marketingidee. steckt da digger dahinter?

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  10. avatar Olli sagt:

    Hey, hier geht es um Joshua. Sie ist nicht irgendein Stahlboot, sondern Joshua. Eine Ikone, eine segelnde Legende.

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