Route du Rhum: Thomas Ruyant sagt ab – ein Sieger bleibt am Ponton

Der Titelverteidiger wird fehlen

Ein nagelneuer IMOCA, ein erfahrenes Team und einer der erfolgreichsten Transat-Skipper seiner Generation: Eigentlich wäre für Thomas Ruyant alles angerichtet. Nur bezahlen wollte niemand dafür: Der Titelverteidiger sagt die Route du Rhum ab – und plant trotzdem keineswegs, aufzuhören.

Thomas mit nachdenklichem Blick bei einer der wenigen Ausfahrten auf dem neuen IMOCA © TR Racing

Um Missverständnisse gleich zu Beginn auszuräumen: Dies soll weder ein Nachruf noch ein vorgezogener Abgesang auf Thomas Ruyant werden, und für eine Hommage ist es hoffentlich ebenfalls noch ein paar Jahrzehnte zu früh. Der Mann ist 45 Jahre alt, ihm hätte ein nagelneuer IMOCA zur Verfügung stehen können, ein hochprofessionelles Team stand ihm ohnehin zur Seite und den „Bock“ auf Hochseesegeln braucht man bei Ruyant schon gar nicht mehr zu erwähnen.

Bloß keinen Abgesang!

Nur bei der Route du Rhum 2026 wird er eben nicht dabei sein. Was seit Monaten befürchtet werden musste, hat Ruyant jetzt selbst bestätigt. Der noch amtierende IMOCA-Sieger der Route du Rhum wird seinen Titel am 1. November nicht verteidigen können, weil es ihm und TR Racing nicht gelungen ist, rechtzeitig einen Partner zu finden, der das neue Projekt unter vernünftigen finanziellen Bedingungen trägt. Seine Enttäuschung sei „immens“, schreibt Ruyant, der diese Transat nicht nur 2022 bei den IMOCA, sondern bereits 2010 in der Class40 gewonnen hat. Das ist bitter genug, um aus aktuellem Anlass noch einmal zurückzublicken. Aber ausdrücklich nur kurz zurück – und anschließend möglichst schnell wieder nach vorn.

Ich will segeln ! © TR Racing

Das Absurde an der Situation ist, dass Ruyant keineswegs mit einem halbfertigen Projekt, einem alten Boot und großen Zukunftsplänen am Ponton sitzt. „Sein neuer IMOCA“ wurde am 18. Juni zu Wasser gelassen, es basiert auf dem gemeinsam mit Malizia und Banque Populaire entwickelten Antoine-Koch-Riss und soll nach den ersten Trainingsfahrten genau das eingelöst haben, was sich TR Racing von ihm versprochen hatte. Ruyant selbst schreibt, das Boot habe die Mannschaft mit seinem Potenzial „verblüfft“. Was an dieser Darstellung jedoch selten korrekt dargestellt wurde: Es ist eben nicht Thomas Ruyants Boot – es wurde von seinem ehemaligen Titelsponsor finanziert, Ruyant hatte lediglich eine Erstkauf-Option auf diesen Renner. Für den Fall, dass er einen neuen Hauptsponsor finden würde, der das Boot dann eben kauft.

 

Denn Alexandre Fayeulle, Gründer von Advens, langjähriger Wegbegleiter und Mitinitiator von TR Racing hatte bereits 2025 angekündigt, dass sich sein Unternehmen als Titelsponsor zurückziehen werde. Persönlich blieb Fayeulle zwar engagiert: Beim Neubau wird Fayeulle ausdrücklich als „Armateur“, also als Eigner des Bootes, bezeichnet. Was fehlt, ist deshalb nicht der IMOCA und auch nicht die technische Struktur dahinter, sondern ein finanzkräftiger Partner für das eigentliche Rennprogramm, der zumindest die Kosten für das Shore-Team und eine Charter-Gebühr für das Boot leisten kann. Noch im Mai hatte Ruyant das Ziel klar formuliert: Route du Rhum 2026, anschließend der IMOCA-Circuit, möglicherweise The Ocean Race 2027 und schließlich die Vendée Globe 2028. Allerdings war hier wohl der Wunsch „Vater des Gedankens“. Jetzt fällt zumindest der erste große Baustein weg.

Ausgerechnet die Route du Rhum

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