Stephan Bodens Kolumne: Die Zeit ist vermutlich noch nicht reif, neue Segler zu machen.

Eine Idee ist auf Tiefe gegangen

In den letzten Woche habe ich telefoniert, versucht, Player aus der Branche zusammenzubringen. Ich hatte eine Idee im Gepäck und wollte herausfinden, ob die Zeit dafür reif ist. Vermutlich ist sie das nicht, was allerdings weniger an der Idee liegt, sondern an der Bereitschaft, neu zu denken.

 

© Stephan Boden

Ich hatte eine Idee. Eigentlich sogar eine ziemlich einfache, deren Grundansatz ist: Wenn wir mehr Menschen zum Segeln bringen wollen, müssten wir einmal aufhören, darüber nachzudenken, wer dabei vorne auf dem Plakat steht. Kein Verband, kein Medium, keine Messe und kein Hersteller müsste daraus sein eigenes Projekt machen. Man müsste sich einfach einmal gemeinsam an einen Tisch setzen und dabei nicht einmal überlegen, wie man Menschen dazu bringt, diesen einen Gedanken zu haben: Ich will segeln. Denn dafür hatte ich bereits eine Idee parat, eine Lösung, die ohne Kosten eine enorme Reichweite erzielt hätte. Und zwar nicht nur bei Menschen, die zur Zielgruppe gehören sondern vor allem bei denen, die ich als „Sehnsuchtsliebende“ bezeichne, und aus der man viele Menschen in die Zielgruppe holen könnte. 

Mittlerweile weiß ich, dass das keine Aussicht auf Erfolg haben kann. Und das hat Gründe.

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14 Kommentare zu „Stephan Bodens Kolumne: Die Zeit ist vermutlich noch nicht reif, neue Segler zu machen.“

  1. Profi

    sagt:

    wer sagt eigentlich, dass wir mehr Leute zum Wassersport bewegen müssen, wie hier immer u immer wieder propagiert wird, insbesondere vor der Messesaison? Es ist kein Breitensport und muss es auch nicht werden! Diese Hysterie, dass die branche u die Vereine den Bach runtergehen teile ich überhaupt nicht!

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    1. Welche Hysterie meinst Du? Ich kann keine erkennen. Und den Bezug zur „Messesaison“ erkenne ich ehrlich gesagt auch nicht. Vermutest Du was dahinter? Da kann ich Dich beruhigen.
      Wenn Du die Kolumne aufmerksam verfolgt hast, wirst Du wissen können, wie und warum ich auf diese ganze Sache gekommen bin. Das hat weder mit Hysterie noch mit Messesaison zu tun.

      Ich weiß nicht, ob Du den Text ganz lesen kannst. Vermutlich aber nicht.

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  2. cintrasail

    sagt:

    Gut gebrüllt, Stefan! Ein 100.000 Euro-Boot ist kein Einsteigerboot, da gibt es genug Optionen und Angebote – auch neu – die weit drunter liegen.
    Und ja, die Campingwelt hat es vorgemacht, und ja, es ist die Sehnsucht, die Neugierde, der Wunsch etwas Neues zu erleben – das zieht die Menschen aufs Wasser.
    Die Story darf also nicht lauten „guck mal, hier ist DAS eine Neuboot, vermeintlich preiswert.“ Die Story muss erstmal lauten „Wassersport ist das schönste Hobby der Welt, und du kannst es mega einfach ausprobieren und kennenlernen, auch ohne direkt 4- oder 5- oder 6-stellige Beträge rauszuhauen.“
    Also: Einerseits die Sehnsucht, und andererseits die Erfahrung „ich kann diese Sehnsucht so einfach erfüllen.“
    Und wenn wir ehrlich sind, sollte erstmal egal sein, ob ein Mensch sich fürs Segeln, Surfen, Motorbootfahren oder Paddeln entscheidet – Hauptsache ab aufs Wasser. Die ganze Branche hat’s nötig. Und wir wissen, wie häufig dann nach der einen Sportart die nächste entdeckt und probiert wird.
    Beim Camping hat m.W. damals ein Verband die Kampagne gestartet. Und dann gab es neue, sehr günstige Mietangebote. Genau nach der Logik: „Sehnsucht nach Camping in der Natur? Miete doch mal einen Van und probier’s einfach aus.“
    Unter allen Strichen müsste die Branche erlebbar machen, dass die Einstiegshürden so gering und überschaubar sind, dass eigentlich jeder einfach mal aufs Wasser und es ausprobieren kann.

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  3. Renate Weineck

    sagt:

    Der Nachwuchsmangel trifft ja nicht nur die Segelvereine sondern alle Bootsarten.
    Warum dann keine gemeinsame Aktion? Gerade „die Jugend“ lässt sich vielleicht über eine motorisierte Version eher für den Wassersport begeistern und dabei auch Interesse für den Segelsport wecken…war zumindest bei meinem Sohn so.

  4. Seefahrer

    sagt:

    Volle Zustimmung ! Ich frage mich schon lange wann da mal was passiert. Wir kämpfen alle irgendwie für die gleiche Sache , aber jeder gegen jeden. Der Wille scheint ja manchmal da zu sein aber kreative Lösungen sind Fehlanzeige. Es wird immer der gleiche Sch… gemacht.

  5. Friedrich

    sagt:

    Hihi, irgendwie kann ich mich an die Idee mit dem Volksboot doch noch ganz gut erinnern: Erst hieß es Varianta (18 und dann 44 und 36) und dann gabs da so eine Bente-Idee….. Erstere haben sich irgendwie verkauft, aber keinen Boom ausgelöst (un die teureren Schwestern von Hanse waren dann doch populärer – warum eigentlich…?) und nun ja, das mit der Bente hat ja auch nicht zu tausenden funktioniert.
    In der Tat ist das mit dem 100.000 € Boot sicher kein Auslöser für eine Massenbewegung.
    Schade Stephan, dass Du den Stein der Weisen verborgen hältst. So fällt einem der Glaube daran auch etwas schwer…

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  6. H. B.

    sagt:

    Als ich die Ausschreibung für die 100k Fahrtenyacht las, musste ich erst einmal starke Getränke zu mir nehmen. Wenn man an den Zeichen der Zeit unter Deck im Salon sitzend ohne sie zu sehen vorbeifährt und der Autopilot den Kurs steuert, den er immer steuert, egal was kommt.
    Schade, aber ich verstehe, dass du aufhörst, Stefan

  7. Lasse

    sagt:

    Ich bin mir gar nicht sicher ob ich das Will. Segeln wie campen als Massenbewegung. Ich fand campen vor 20 Jahren besser als heute. Die schönen Plätze sind alle ausgebucht oder zu Massenplätzen umgebaut. Wenn man es wie früher Möchte muss man entweder sehr weit fahren oder in die Nebensaison ausweichen.
    Ich habe viele Leute ans segeln herangeführt und einige ganz wenige davon sind auch dauerhaft geblieben, und das werde ich auch weiter machen.
    Aber wünsche ich mir das segeln eine Massenbewegung wird? Ich glaube eigentlich nicht.
    Ich bin froh um niedrige Gebrauchtbootpreise, und die Möglichkeit ohne jahrelange Wartezeit einen Liegeplatz zu bekommen.

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    1. Grasbrook

      sagt:

      Mein Eindruck ist, dass wir ohne eine Massenbewegung demnächst den Laden zumachen können. In den Vereinen, die ich kenne, herrscht ein Nachwuchsproblem. Bei den Regatten, die ich kenne, ist das auch so. Das heißt: Die Infrastruktur unseres Sports droht, kaputt zu gehen. Was wiederum den Sport unattraktiver machen würde, weil ohne Vereine, die Häfen, Winterlager und Regatten betreiben, nur noch teure Marinas, Werften und High-End-Veranstaltungen für Profis bleiben. Die Gefahr, dass so viele Leute ins Segeln strömen, dass es für uns unattraktiver wird, sehe ich zumindest im Moment noch nicht.

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      1. Lasse

        sagt:

        Bestimmte bereiche unseres Sports brauchen Nachwuchs, ja. Insbsesondere im Ehrenamt und in machen Bereichen des Regattasegelns mangelt es an Nachwuchs.
        Aber gilt das wirklcih auch in der Breite des Fahrtensegelns? Ich sehe immernoch Wartelisten für Liegeplätze und auch der Chartermarkt wächst doch von Jahr zu Jahr.

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        1. Grasbrook

          sagt:

          Ich bin gar kein großer Regattasegler, sondern 95 Prozent Fahrtensegler. Mein Verein bedeutet neben der Gemeinschaft an harten Fakten unter anderem: Liegeplatz, Winterlager, Einlagern, Auslagern. Wenn das nicht durch ausreichend Nachwuchs läuft, kann ich mir überlegen, ob ich das für ein Vielfaches in der Marina nebenan machen möchte. Wahrscheinlich würde das bedeutet, das Boot zu verkaufen und stattdessen zu chartern. Finde ich nicht so attraktiv.

  8. PL_info105

    sagt:

    Das Boot sehe ich als kleineres Problem. Aktuell sind die Liegeplätze schon sehr begrenzt und z.T. mit langen Wartezeiten verbunden. Wenn die Sommermonate weiterhin so trocken bleiben verschärft sich diese Situation noch weiter. Was nützt ein günstiges Boot wenn es keinen Liegeplatz dafür gibt.

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    1. Das mit den Liegeplätzen stimmt so nicht, jedenfalls nicht, wenn man die üblichen Hotspots raussucht. Es gibt – ich spreche jetzt nur von der Ostsee – zahlreiche Häfen, die freie Plätze haben. Und aufgrund unserer demografischen Entwicklung wird das künftig noch mehr. Kiel hat dabei eine Sonderstellung, weil die Liegeplätze zentral durch die Sporthafen GmbH vergeben werden. Da gibt es nach meinem Stand Wartelisten. Aber wenn Du aus der Bucht raus bist, gibt es überall freie Plätze. Vor allem bei Vereinen wird das immer häufiger der Fall.

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  9. Stefan

    sagt:

    Ich bekomme auch nicht Lust auf Tennis, nur weil da vielleicht irgendein Superschläger total günstig zu haben ist.

    Wenn eine Maßnahme frisches Blut in die Szene schaffen kann, dann wäre das aus meiner Sicht eine Kampange mit dem Aufruf an alle Segler, ihre bislang segelunbedarften Freunde und Bekannten gezielt einmal für einen Schlag mit aufs Boot zu nehmen und spüren zu lassen, wie sich das anfühlt. Am besten bei gutem Wetter. 🙂

    Ein Gutteil wird dem nichts abgewinnen können, aber einige werden danach heftig Lust bekommen, weiterzumachen und sich je nach Möglichkeiten bei einem Freund, einer Segelschule, in einem Verein oder einer Kojencharter auf die nächste Stufe begeben. Und erst danach kann dann der Markt über sie herfallen und ihnen die Taschen leeren..

    Möglichst niedrige Einstiegshürden und ein maximal unkomplizierter Zugang zu dieser Erfahrungwelt können durch nichts anderes ersetzt werden.

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