Yacht-Porträt: Drei Rümpfe, viele Leben – vom rasenden ORMA-Renntri zur Waterworld-WG

Wie viele Leben hat ein Trimaran?

Sodebo, Prince de Bretagne, Love Water: Dieser Trimaran hat Kenterungen, Mastbrüche, Rekorde und Sponsorenwechsel überlebt. Nun taucht er in Florida wieder auf – als improvisierte Bleibe. Die irre Geschichte eines Hochsee-Renners, der einfach nicht abdanken will.

© boatingadventuresbyjean

Wie viele Leben hat ein Trimaran? Ist das bei Multihulls wie bei den Katzen? Und überhaupt, haben solche Boote ein Anrecht auf einen ruhigen Lebensabend? So wie manche Pferde ihr Gnadenbrot in der Idylle verzehren dürfen? Aber vielleicht ist die folgende Geschichte eine ganz andere, besonders ehrliche, deren Ende hiermit schon mal gespoilert wird: Zuletzt wohnt jemand im Boot. Nach der guten alten Sponti-Methode: Legal, illegal, scheißegal!

Dort, wo früher Thomas Coville, Lionel Lemonchois, Roland Jourdain und Bernard Stamm über Wetterkarten brüteten, Schlafentzug meisterten und es mit den Unbilden des Atlantiks aufnahmen, hängt nun Wäsche. Oder zumindest sieht es auf den Bildern so aus, die in Frankreich seit einigen Tagen herumgereicht werden.

Ist das traurig oder konsequent? Denn die großen Mehrrumpf-Renner waren immer schon schwimmende und segelnde Widersprüche. Gebaut für Leichtigkeit, finanziert von schwerreicher Industrie. Gepriesen als Zukunft, nach zwei Saisons schon technisch überholt. Heilige Geräte des Fortschritts, solange ein Sponsorname auf den Rümpfen glänzt. Danach Sondermüll, ein umweltspezifisches Problem auf drei Beinen.

Wer hat das Sagen auf dem Atlantik?

Der Trimaran, um den es hier gehen soll,  hat besonders viele Leben gehabt. Und wie das so ist mit den Reinkarnationen – eines Tages wird es unübersichtlich. Er hieß Sodebo, als er 2002 in die damals brutal beschleunigte ORMA-Welt hineingeboren wurde. Ein Teil jener Epoche, in der 60-Fuß-Trimarane wie futuristische Rasierklingen über den Atlantik geprügelt wurden: leicht, breit, bösartig schnell, strukturell eher fragil. Aber was nimmt man nicht alles an Sorgen auf sich, um zu den Schnellsten zu gehören. Thomas Coville sollte mit ihm zeigen, was in der neuen Generation dieser Boote steckte. Was er auch verlässlich tat – nur hatte keiner damit gerechnet, dass dieses Boot eine Art Eigenleben entwickelt.

 

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