Guyader Bermudes: Vendée Globe Favorit schon deutlich vorne, Roura 100 Meilen achteraus

Die großen Drei

Seit Sonntag, den 8. Mai um 14 Uhr ist die IMOCA-Flotte erstmals nach der Vendée Globe wieder im Einhand-Modus unterwegs. Auf dem Weg zum Fastnet Rock deutet sich die neue Hierarchie an.

Der Stand nach der ersten Nacht. Apivia schon deutlich in Führung vor Charal und LinkedOut.

Tracker

24 IMOCA-Solo-Skipper haben sich vor Brest auf den Weg zum 1200 Meilen langen Rundkurs des Guyader-Bermuda-1000-Rennens gemacht. Beim Start zeigte Charlie Dalin mit seiner Apivia, dass er auch diese Teildisziplin eines großen Rennens meisterhaft beherrscht. Er behauptete die Pole Position am Startschiff souverän trotz eines aggressiven Luvmanövers von Paralympics-Sieger Damien Seguin, der inzwischen die Vendée-Globe-Siegeryacht (ex Maître CoQ) von Yannick Bestaven gekauft hat.

25 Knoten Peak bei 15 Knoten Wind. Louis Burton gewinnt den Spee-Run. © Van Malleghem

Aber auch Jérémie Beyou (Charal) fand eine gute Lücke in der Mitte der Linie. Und der VG-Dritte Louis Burton, der bei der Vendée Globe noch einen peinlichen Frühstart abgeliefert hatte, lieferte nun mit seinem neuen Plattbug (Bureau Vallé 2)  am Lee-Ende der Linie einen starken Rennbeginn ab.

Louis Burton in Lee startete gut aber Dalin ganz oben noch besser. © Van Malleghem

Vor einer Langstrecke ist die Start-Sequenz nicht mehr als eine Momentaufnahme. Aber sie zeigt den Anspruch und die Qualität eines Skippers, der seinem Sponsor auf diese Weise auch noch wichtige, positive Sendezeit bei der Live-Übertragung sichert. Das gelingt wie erwartet Charlie Dalin besonders gut. Er behauptet nach dem fulminanten Start die Führungsposition. Allerdings musste er auf dem langen nächtlichen Vorwindkurs zum ersten Wegpunkt seinen dauerhaften Widersacher Thomas Ruyant (LinkedOut) ziehen lassen. Und es muss Dalin wie ein Déjà-vu vorgekommen sein. Beim Transat Jacques Vabre 2021 war er chancenlos auf dem Kurs unter dem großen Gennaker und verlor schließlich deutlich.

Aber Apivia gelang die Revanche, nachdem Ruyant mit einer frühen Halse die Initiative übernommen hatte. Er blieb danach stehen und wurde prompt von Dalin wieder passiert. Auch Jérémie Beyou zog vorbei und seitdem ist der Dreikampf der aktuell schnellsten drei IMOCA, die auch die TJV dominiert hatten, wiederbelebt. Die Konkurrenz liegt nach einem Tag 50 Meilen zurück.

Auch Charal erwischt in der Mitte einen guten Auftakt. © Van Malleghem

Man hätte auch nach dem Start erwarten können, dass sich Louis Burton mit seiner neuen Bureau Vallée dazugesellt. Schon bei der TJV zeigte er sich konkurrenzfähig – bis zum Mastbruch – und auch in der Anfangsphase des Guyader-Bermuda-1000 hielt er bei den großen Drei mit. Er segelte neben Charal vier Meilen hinter Apivia, als er plötzlich beim Flauten-Vorwind langsamer wurde – offenbar mit einem technische Problem. Danach versackte er bei leichtem Wind im Feld und segelt aktuell auf Rang 13 gut 90 Meilen hinter der Spitze.

25 Knoten Peak bei 15 Knoten Wind. Louis Burton gewinnt den Spee-Run. © Van Malleghem

Dass er bei stärkerem Wind schnell sein kann, bewies Burton tags zuvor, als die IMOCAs auf eine Speedstrecke vor Zuschauen und Sponsoren gebeten wurden. Seine Zeit auf einer Strecke von 1200 Metern war um eine Sekunde schneller als die von Apivia. Dabei erreichten die schnellsten 60-Fußer bei 15 bis 16 Knoten Wind eine Höchstgeschwindigkeit von 25 Knoten.

LinkedOut beim Speed Run. © Van Malleghem

Der Schweizer Alan Roura stieß noch nicht in diese Liga vor. Und auch beim Rennen deutet sich noch nicht an, dass er auf der ex Hugo Boss von Alex Thomson endlich auch einmal weiter vorne mitmischen kann. Er steht im Blickpunkt, segelt mit “Hublot” aber bisher erschreckend schwach hinterher. Nach einem Tag ist Rang 16 mit mehr als 100 Meilen Rückstand bisher eine Enttäuschung.

Alex Roura segelt auf seiner ex Hugo Boss zum Anfang weit hinterher. © Van Malleghem

Dagegen sorgt die Deutsch-Französin Isabelle Joschke, die bei der Vendée Globe mit einem späten Kielschaden ausgefallen war, für eine positive Überraschung. Nach einem deutlich verspäteten Start segelte sie im Feld der 24  erst hinterher, schob sich dann aber in der Nacht bis auf Platz fünf nach vorne.

Besser ist überraschend Nicolas Lunven, der kurzfristig vom Banque Populaire Rennstall für den Nicht-Foiler nominiert wurde, mit dem Damien Seguin die Vendée Globe beendet hatte. Ursprünglich sollte Vendée-globe-Finisherin Clarisse Cremer am Steuer stehen. Sie setzt aber wegen einer Schwangerschaft aus. Lunven, der ehemalige Volvo-Ocean-Race-Navigator liegt bei seinem ersten großen Einhand-IMOCA-Rennen, aktuell sensationell auf Rang vier.

Live-Übertragung des IMOCA-Starts:

 

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

2 Kommentare zu „Guyader Bermudes: Vendée Globe Favorit schon deutlich vorne, Roura 100 Meilen achteraus“

  1. avatar JTK sagt:

    Die ehemalige SMA segelt als BENJAMIN ENVOIE LE PÉPIN aktuell auf auf Rang 15 unter Ferré. Lunven segelt das BP Interimsschiff – die ex Groupe Apicil von Sequin von Tanguy Le Turquais – mit dem Clarisse Cremer die Rennen bis zur Übernahme der Apivia segeln sollte….

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

zwei × vier =