Peter Burling und Marco Gradoni haben Luna Rossa zum Sieg bei der zweiten Preliminary Regatta im Vorfeld des 38. America’s Cup in Neapel gesteuert. Luna Rossa setzte sich auch im entscheidenden Match Race gegen Emirates Team New Zealand durch. Aber ein anderes Team war der eigentliche Gewinner.

Die zweite Vorregatta für den im nächsten Jahr stattfindenden America’s Cup auf dem neuen Cup-Revier vor Neapel hat für spektakuläre Rennen gesorgt. Nach dem ersten Auftritt vor Sardinien zeigten neun AC40-Foiler bei acht Rennen über drei Tage einige spektakuläre Szenen bei häufig perfekten Segelbedingungen.
Während drei von sechs Cup-Teams jeweils ein zweites Boot mit einem Women & Youth Team an den Start brachten, fehlte nur noch das australische Team um Tom Slingsby, das zuletzt gemeldet hat und ein deutlich abgespecktes Programm organisiert, um im nächsten Jahr überhaupt an der Startlinie erscheinen zu können.

Erstmals waren dafür die Amerikaner am Start, die als absolute Underdogs ohne Erwartungen zu dieser Regatta gekommen waren. Der junge Steuermann Harry Melges IV (25) saß als Steuerbord-Steuermann an seinem Platz, obwohl er am Wochenende zuvor beim SailGP in Genf Skipper Taylor Canfield (Schlüsselbeinbruch nach einem Radunfall) wegen einer eigenen Beinverletzung nicht hatte ersetzen können – die USA wurde Letzter.
Auf dem AC40 muss man sich aber nicht bewegen und so war es möglich, dass Melges an der Seite von Lucas Calabrese gleich sensationell das erste Rennen gewann. Die Amerikaner konnten dieses Niveau zwar nicht halten, starteten aber erfolgversprechend in ihre Kampagne.
Spektakulärer verlief der Auftritt des französischen Teams, das personell seglerisch vielleicht am stärksten aufgestellt ist. Die Verbindung der beiden SailGP-Teams aus Spanien und Frankreich mit Quentin Delapierre und Diego Botín an den Steuerrädern und Jason Saunders mit Florian Trittel als Flight Controllern scheint nicht nur auf dem Papier zu funktionieren. Auch auf dem Wasser wächst das Team sichtbar zusammen. Es warf sich nur durch zwei Kenterungen selbst aus der Bahn.
Zuerst missglückte die Bereinigung eines Fehlstarts schon im zweiten Rennen. Dann gewannen sie am zweiten Tag das zweite Rennen und lagen auch beim dritten Rennen mit 500 m Vorsprung souverän in Führung. Aber bei der letzten Halse stimmte etwas mit der Foil-Einstellung nicht, und das Boot hob sich weit aus dem Wasser. Der sichere Sieg ging verloren. Aber schon das nächste Rennen gewannen sie wieder. Ohne die Kenterung wären also drei Siege in Folge möglich gewesen, und das hätte den Einzug in das Zweier-Finale gegen Luna Rossa bedeutet. So wurde es schließlich Platz 3, aber verbunden mit der Erkenntnis, seglerisch schon auf einem sehr hohen Niveau angekommen zu sein und Luna Rossa wie auch Team New Zealand ernsthaft gefährden zu können.



So setzten sich am Ende wenig überraschend die Favoriten in Neapel durch: Luna Rossa 1 mit Peter Burling und Marco Gradoni am Steuer gewannen die zweite Preliminary. Das Team mit den meisten Trainingsstunden auf den AC40 siegte im Match-Race-Finale gegen Emirates Team New Zealand mit Burlings ehemaligem Steuerpartner Nathan Outteridge.
Im entscheidenden Match Race nutzten die Italiener einen Fehler der Kiwis im Prestart:
Danach war schon alles vorbei. Ein Match Race kann sehr langweilig sein. Outteridge erklärt später: „Wir waren mit unserer Position vor dem Start eigentlich ziemlich zufrieden. Wir wollten unbedingt auf die rechte Seite, weil wir davon ausgingen, dass die rechte Seite ziemlich stark sein würde, und wir mussten früher wenden. Das war die Realität. Wir haben sie in Richtung Pin-Ende gedrängt; wir waren beide zu früh, und es kam einfach auf die Ausführung des Manövers im entscheidenden Moment an … Als wir aber gewendet haben, waren wir bereits zu spät …“
Outteridge schnappt sich Burling schon im Fleet Race:
Diese Jungs sind einfach sehr gut mit den AC40. Das haben wir bei diesem Event und auch beim letzten gesehen – allein schon durch die Menge an Training mit zwei Booten, die sie absolvieren können. Und wir haben wahrscheinlich ein kleines bisschen darunter gelitten, dass wir die Details diese Woche nicht gut genug ausgeführt haben, um sie zu schlagen.“ Man habe schon mehr Match-Race-Training absolviert als vor der Niederlage in Sardinien, aber es habe immer noch nicht gereicht.
Mit dem jungen 49er-Weltmeister Seb Menzies (21) an seiner Seite hat er allerdings durchaus noch großes Potenzial, das Duo zu entwickeln.

Spannend ist der Umbau im Luna-Rossa-Team. Denn diesmal saß nicht Ruggero Tita an Burlings Seite, sondern Marco Gradoni, der noch mit dem Jugendteam vor Sardinien so spektakulär an seinem Übermut gescheitert war. Außerdem nahm unter den Senior-Teams Maria Giubilei als einzige weibliche Trimmerin hinter dem Steuermann Platz. Die Nacra-17-Vorschoterin war mit Skipper Gianluigi Ugolini in Abwesenheit von Tita 2026 Weltmeisterin geworden und trimmt nun auch neben ihrem Kollegen auf dem AC40.
| Team | STB-Helm | BB-Helm | STB-Trimmer | BB-Trimmer |
|---|---|---|---|---|
| 🇺🇸 ARC Team USA | Harry Melges IV | Lucas Calabrese | Hans Henken | Michael Menninger |
| 🇮🇹 Luna Rossa Team 1 | Peter Burling | Marco Gradoni | Maria Giubulei | Gianluigi Ugolini |
| 🇮🇹 Luna Rossa Team 2 | Margherita Porro | Massimiliano Antoniazzi | Giovanni Santi | Maria Vittoria Marchesini |
| 🇳🇿 Emirates Team New Zealand | Nathan Outteridge | Seb Menzies | Andy Maloney | Iain Jensen |
| 🇳🇿 Emirates Team New Zealand W&Y | Jake Pye | Erica Dawson | Serena Woodall | Josh Armit |
| 🇬🇧 GB1 | Dylan Fletcher | Ben Cornish | Bleddyn Mon | Andrea Tesei |
| 🇬🇧 Cobham-Ultra GB2 | Hannah Mills | Ellie Aldridge | Sam Webb | Matt Beck |
| 🇨🇭 Tudor Team Alinghi | Paul Goodison | Phil Robertson | Nicolas Rolaz | Pietro Sibello |
| 🇫🇷 La Roche-Posay Racing Team | Quentin Delapierre | Diego Botín | Jason Saunders | Florian Trittel |
Alinghi setzt Akzente – GB1 enttäuscht
Von den übrigen Teams gelang es auch Alinghi, zumindest an den ersten beiden Tagen Akzente zu setzen. Paul Goodison und Phil Robertson bewegten sich zeitweise in der Spitzengruppe und lagen zwischenzeitlich sogar auf Podiumskurs. Am Ende musste sich Alinghi allerdings mit Platz sieben und 44 Punkten begnügen.

Weniger zufriedenstellend verlief die Regatta für GB1. Dylan Fletcher hatte zuletzt schon beim SailGP den Faden verloren und konnte auch diesmal keinen echten Achtungserfolg zeigen. Mit Ben Cornish an seiner Seite als zweitem Steuermann blieb das Team deutlich hinter den Erwartungen. Noch hinter GB1 landete Cobham-Ultra GB2 mit Hannah Mills.
Neapel liefert Vorgeschmack auf 2027
Neben den sportlichen Ergebnissen stand dieses Fleet Race der AC40-Cupper auch unter Beobachtung im Hinblick auf die Konkurrenz zum SailGP. Die Frage: Was ist attraktiver? Dabei muss man sagen, dass die AC40 mit den klassischen Kreuzstarts bei perfekten Bedingungen durchaus punkten konnten. Mit neun Booten an der Startlinie, von denen oft die Hälfte auf dem anderen Bug startete, kam es zu spektakulären Szenen und taktisch anspruchsvollen Überholmanövern.

Allerdings kam es bei leichterem Wind auch zu langen Wartezeiten auf dem Wasser, wenn der Wind nicht ausreichte, um die Boote auf die Foils zu heben. Das segelbare Windfenster ist einfach deutlich kleiner als beim SailGP, wo die Katamarane mit verschiedenen Riggs an die vorherrschenden Windbedingungen angepasst werden können.
Außerdem stand das Revier auf dem Prüfstand, und man kann sagen, es zeigte sich von seiner besten Seite. Ebenso ließen sich die Italiener begeistern. Bei den starken Leistungen des Heimteams erschienen viele Zuschauer vor Ort. Die Veranstalter sprechen davon, dass an den drei Tagen mehr als 215.000 Zuschauer das Race Village besucht haben.
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