Der SailGP vor Portsmouth startet an diesem Wochenende (25./26. Juli) in die zweite Saisonhälfte der Foiling-Liga. Die Organisatoren reagieren dabei mit einer grundlegenden Änderung auf die Sicherheitsprobleme der vergangenen Monate.

SailGP-CEO Russell Coutts bestätigte, dass bis zum Saisonende alle Qualifikationsrennen im Gruppenformat ausgetragen werden. Damit soll die Zahl kritischer Situationen auf den engen Rennbahnen reduziert werden. Hintergrund sind drei schwere Kollisionen im bisherigen Saisonverlauf, bei denen drei Segler verletzt wurden und für mehrere Monate ausfielen.
Zuletzt hatte Coutts eher aggressiv auf Sicherheitsbedenken reagiert und die Kritiker dem America’s-Cup-Lager zugeordnet. Nun stimmte er dem Gruppenformat zu, das viel von dem bisherigen Spektakel beim Segeln in einer Flotte wegnimmt und von zahlreichen Skippern offenbar nicht favorisiert wird. Ursprünglich sollte es nur auf beengten Kursen und bei starkem Wind zum Einsatz kommen, nun hat es der Chef sogar für die gesamte Saison abgesegnet.

Die inzwischen auf 13 Teams angewachsene Flotte wird also in zwei Gruppen aufgeteilt. Die Einteilung erfolgt nach dem sogenannten ABBA-Prinzip, das die Teams anhand der aktuellen Gesamtwertung möglichst gleichmäßig verteilt. Dabei wird allerdings nicht von der Gesamtwertung ausgegangen, sondern von den Ergebnissen des vergangenen Events.
In Portsmouth treten damit an:
Gruppe A: Spanien, Australien, Neuseeland, Kanada, Italien, Dänemark, Brasilien
Gruppe B: Schweden, Schweiz, USA, Deutschland, Frankreich, Großbritannien
Aus jeder Gruppe qualifizieren sich die beiden besten Teams für das Event-Finale. Anders als bisher kämpfen dort vier statt drei Crews um den Tagessieg – ein Format, das beim vergangenen Event in Halifax bereits erfolgreich getestet wurde und nun dauerhaft übernommen wird.
Sportlich beginnt mit Portsmouth zugleich die entscheidende Europa-Serie. Nach dem Auftakt auf dem Solent folgen die Veranstaltungen in Sassnitz, Valencia und Genf. Erst danach reist die Liga zum Saisonabschluss nach Dubai und Abu Dhabi, wo Ende November die letzten beiden Events einschließlich des Grand Finals stattfinden sollen.
Angesichts der anhaltenden Spannungen im Nahen Osten dürfte die Entwicklung der Sicherheitslage bis dahin aufmerksam verfolgt werden. Längst gibt es Gerüchte über eine wahrscheinliche Absage. Bislang hält SailGP jedoch unverändert an beiden Veranstaltungen fest und hat keinerlei Hinweise auf eine Verlegung oder Absage gegeben.

Die Wetterprognosen versprechen beste Voraussetzungen für das Wochenende: mäßige bis frische Südwest- bis Westwinde zwischen 12 und 18 Knoten, in Böen auch etwas darüber. Wie hart es werden kann, hat schon das US-Team bei einer Kenterung im Training erfahren:
An der Tabellenspitze liegen weiterhin Tom Slingsbys BONDS Flying Roos aus Australien, die trotz Platz vier in Halifax mit 18 Punkten Vorsprung führen. Dahinter lauern die spanischen Los Gallos um Diego Botín. Die britischen Titelverteidiger wollen vor heimischem Publikum wichtige Punkte sammeln, um ihre Aufholjagd in der Gesamtwertung zu starten.
Aus deutscher Sicht richtet sich der Blick erneut auf Erik Heil und das Germany SailGP Team. Es startet wie schon in Halifax in der kleineren Gruppe B und hat damit wieder einen Vorteil. Die unterschiedliche Gruppengröße geht nicht in die Bewertung der Gesamtplatzierung ein. Bei einem Gleichstand in der Gesamtwertung hinter den vier Finalisten ist das Ergebnis des letzten Rennens entscheidend.
Was Peter Burling von den unterschiedlichen Gruppenqualitäten hält, sagt er kurz in der Pressekonferenz. Er verweist auf einen nach seiner Ansicht gut passenden Post der Australier, die auf der einen Seite brutal kämpfende Kängurus zeigen und auf der anderen das Artemis Team beim Ringelreihn-Tanz:
(direkter Video-Link)
Eine weitere interessante Personalie: Doppel-Olympiasiegerin Martine Grael übernimmt beim brasilianischen Team wieder das Steuer, nachdem zuletzt der Stratege Paul Goodison die Position übernommen hatte. Der Einsatz des starken Mannes bei Alinghi war in Halifax nach dem Crash mit einer Bahnmarke und vier Strafpunkten auf dem letzten Platz geendet.
Die Franzosen verkünden, dass der beim Crash in Auckland schwer verletzte Leigh McMillan als Wing Trimmer wieder einsatzbereit wäre und zum Team stößt. Er hat aber offenbar nun dauerhaft seinen Platz im A-Team an den jungen Moth-Weltmeister Enzo Balanger verloren und ist nur Ersatzmann.
Ob die Organisatoren diesmal die Cruiser vor Ort in den Griff bekommen. Vor einem Jahr wäre es fast zur Katastrophe gekommen, als eine Fahrtenyacht in den Start feiert. Das Rennen musste abgebrochen werden.

Auch die Fans an Land können etwas gewinnen: SailGP verlost 25.000 US-Dollar unter den Teilnehmern eines Tippspiels. Wer die Top vier des Portsmouth-Events in der richtigen Reihenfolge vorhersagt, hat die Chance auf den Hauptgewinn. Die Teilnahme ist bis unmittelbar vor dem ersten Rennen am Samstag über diesen Link möglich.
Die Rennen werden an beiden Tagen jeweils ab 17:20 Uhr deutscher Zeit im ZDF-Livestream und ab 17 Uhr über YouTube übertragen:


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