Kaum ein Offshore-Race, bei dem nicht äußerst plakativ kommuniziert wird, dass Daten für Meeresforscher und die Wissenschaft gesammelt werden. Das ist einerseits löblich, bekommt aber auch immer mehr Geschmäckle. Mittlerweile hat das was von einem grünen Orden, den man sich selbst ansteckt. Es geht aber auch anders, wie ein aktuelles Beispiel zeigt.

Es gehört mittlerweile fast schon zum festen Programm großer Offshore-Regatten. Irgendwann kommt die Meldung, dass die Teilnehmer nicht nur um die Wette segeln, sondern unterwegs auch etwas für die Wissenschaft tun. Sie messen Wassertemperaturen, Salzgehalt oder CO₂, setzen Drifter und Argo-Floats aus und liefern Daten an Forschungsinstitute. Bei der Vendée Globe passiert das, bei The Ocean Race, bei Transatlantikregatten und inzwischen bei fast jedem größeren Rennen der IMOCA-Klasse. Und um eines gleich vorwegzunehmen: Das ist gut so.
Wenn ohnehin Boote über Ozeane fahren, teilweise durch Regionen, in denen vergleichsweise wenige Messdaten erhoben werden, wäre es geradezu unsinnig, diese Möglichkeit nicht zu nutzen. Die IMOCA-Klasse arbeitet seit Jahren mit wissenschaftlichen Organisationen zusammen, zahlreiche Boote tragen Messsysteme an Bord und die gesammelten Daten fließen tatsächlich in internationale Datenbanken und wissenschaftliche Arbeit ein. Niemand muss den Wert dieser Programme kleinreden. Im Gegenteil, man sollte davon möglichst noch mehr machen.
Mehr ist mehr?
Was mich zunehmend triggert, ist die Art, wie das kommuniziert wird. Denn inzwischen entsteht bei manchen Offshore-Projekten der Eindruck, als sei das Datensammeln nicht eine sinnvolle Begleiterscheinung des Rennsports, sondern beinahe dessen eigentliche Existenzberechtigung. Pressemitteilungen, Videos und Social-Media-Beiträge erzählen ausführlich, wie wichtig die erhobenen Daten für die Ozeanforschung sind, wie abgelegen die Gebiete seien, durch die die Boote fahren, und welchen Beitrag der Segelsport damit für unseren Planeten leistet. Das alles stimmt. Es ist nur eben nicht die ganze Geschichte.

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