Bootsbau: Innovative Komposit-Konstruktion auf der Süderelbe

"Waansinn 2"

Auf der Hamburger Süderelbe schwimmt eine innovative Kreation: Preiswert, nachhaltig, endlos kippsicher, variabel und vielseitig. SegelReporter berichtet exklusiv.

Überzeugender Stabilitätsumfang, schmale Shroud Base, konsequente Kompositbauweise, Klüverbaum für den Code 0 © IM Axel

Überzeugender Stabilitätsumfang, schmale Shroud Base, konsequente Kompositbauweise, Klüverbaum für den Code 0 © IM Axel

Die Welt des Segelns ist facettenreich. SegelReporter berichtet über 4,75 m lange Klein- , Ziemlichgroß– und richtige Riesengroßsegler. Über Bayrische Zwölfer–  oder schleswig-holsteinische Guggersegler. Über bezaubernde Wahinen und mordsinnovative Ostwestfalen. Über Bauschaum–  und echte High-Tech-Boote.

Aber bei diesem Spagat und investigativen Recherchen in der ganzen Welt wird beinahe eine naheliegende Innovation wie diese hier übersehen. Sie heißt „Waansinn 2“ und liegt längsseits an der Hamburger Süderelbe.

Innovativer Kompositbau

Wie unschwer zu erkennen, handelt es sich dabei um einen zeitgemäßen Kompositbau. Das Boot ist aus verschiedenen, für ihren jeweiligen Zweck besonders geeigneten Komponenten zusammengefügt. Der zentrale Schwimmer aus emailliertem Blech verzeiht die heute üblichen Kontakte mit Treibgut. Die beiden seitlichen Auftriebskörper punkten mit ausgezeichnetem Stabilitätsumfang.

Der Blick von achtern zeigt durchdachte Details wie die liebevoll recycelte Pinnenverlängerung oder das variable Auftriebskonzept mit smarten Add-ons © IM Axel

Der Blick von achtern zeigt durchdachte Details wie die liebevoll recycelte Pinnenverlängerung oder das variable Auftriebskonzept mit smarten Add-ons © IM Axel

Der leewärtige Behälter bleibt leer, die Luv Seite könnte mit Wasser befüllt und angehoben werden. Das spart der Besatzung das unnötig anstrengende und auf Dauer lästige Ausreiten. Das ergibt ein wahnsinnig steifes Schiff. Vor- und Achterdeck aus Holz halten die Schiffsenden leicht. Nicht ganz klassisch ist die Maserung quer zur Mittschiffslinie. Das gibt’s nicht mal bei Mobos.

Die Konstruktion nutzt in lässiger Manier zentrale Erkenntnisse aus mehreren Jahrhunderten Bootsbau. Das voluminöse Vorschiff begünstigt theoretisch wie bei der Conger-Jolle frühes Angleiten. Dieser reibungsarme Fahrtzustand wird durch die beiden seitlichen, angewinkelten Auftriebskörper noch begünstigt.

Inspiriert vom Plattboden

Vom Plattbodenschiff inspiriert ist das Seitenschwert. Die vor den Bug gesetzte Nase streckt die Vorsegelbasis für Performance orientierte Vorsegel bis hin zum kühlen Code Zero. Der geringe, auf die Rumpfbreite limitierte Abstand der Püttinge zum Mastfuß (Stichwort Shroud Base) verrät die konsequente Ausrichtung auf Am Wind Kurse. Auch eine überlappende Genua kann eng geschotet werden.

Das Konzept ist wohltuend unbeeinflusst von geschwindigkeitshemmenden Vermessungen und modischen Mätzchen wie heute übliche Kimmkanten (Chines) oder Targabügel, Badeplattformen oder den in die Plicht eingelassenen Grill.

Bei kleinen Booten ist die Zuladung, etwa durch Mitnahme des Bordhunds oder einer Freundin ein Thema. Der hierzu erforderliche zusätzliche Auftrieb ist problemlos durch unterschiedliche viele, unter das Gefährt gebundene Fender auszugleichen.

 Nachhaltig

Praktisch alle Komponenten lassen sich nach Aufgabe oder Beendigung des Segelsports – sei es Altershalber oder durch Langeweile – mit wenigen Handgriffen und gängigem Bordwerkzeug wieder rasch ihrer ursprünglichen Verwendung zuführen. Damit ist die „Waansinn 2“ dem heutigen Bootsbau um manche Bootslänge voraus.

Dank der Rollen unter den beidseitigen Auftriebskörpern ist die amphibische Nutzung in das gesamte Konzept clever integriert. Das Boot lässt sich sogar hinter dem Fahrrad, also emissionsfrei – ohne normalverblödende Hybridlösungen – problemlos mit nach Hause nehmen und hochkant in die Garage stellen.

Das hält die Betriebskosten gering und die üblichen Winterlagerarbeiten können mit angenehm kurzen Wegen zuhause ausgeführt werden. Die seitlich mitgeführten Auftriebskörper werden dann wieder daheim wie üblich befüllt und zu den üblichen Terminen vor dem Haus deponiert.

Dank an IM Axel

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Erdmann Braschos

Sein Spezialgebiet umfasst Mega-Yachten, Klassiker, Daysailor und Schärenkreuzer. Mehr über Erdmann findest Du hier.
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3 Kommentare zu „Bootsbau: Innovative Komposit-Konstruktion auf der Süderelbe“

  1. avatar T.K. sagt:

    Und dat Ding zischt!

    Also ganz klar Braschos Traumboot!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 16 Daumen runter 1

  2. avatar Thomas sagt:

    Ein Artikel, ebenso begeisternd wie das vorgestellte Fahrzeug!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

  3. avatar Sven 14Footer sagt:

    Die Besonderheit des Cockpits wurde nicht weiter hervorgehoben. Hier hat man die Wellnessoase mit dem Cockpit verquickt. Selbstverständlcih mit Lenzöffnung. Baut man das Boot, wie oben wieder zurück, kann man auch gleich sein Duschbad wieder in ein Wannenbad zurückbauen. Genial auch, die Kühlmöglichkeit und Aufbewahrungsschrank für die Lebensmittel mit einem Sitz zu kombinieren.

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