Braschosblog: Markus Daniel und sein America’s Cup Zwölfer “French Kiss”

Der Bayernzwölfer

Passt scho: der Bayernzwölfer "French Kiss" von Markus Daniel. © Thomas Eibenberger

Passt scho: der Bayernzwölfer “French Kiss” von Markus Daniel. © Thomas Eibenberger

Es ist nicht einfach, im Bermudadreieck zwischen den Koordinaten Arbeit, Familie und Seglerleben zu bestehen. Zuviel Arbeit passt nicht zu Familie und Boot, beim Schwerpunkt Familie kommen Segeln und Arbeit zu kurz. Wer oft segelt macht zwar viel richtig, aber es muss schon passen. Höchste Zeit, das Seglerleben als genau austariertes, einzig großen Meistern dauerhaft gelingendes Gesamtkunstwerk zu würdigen.

Nichtsegler, Familienmitglieder und Kollegen unterschätzen das völlig, speziell wenn letztere keine Ahnung vom Thema haben. Wie soll man beispielsweise am Montag und Dienstag mit Sonnenbrand, lädierten Lippen, Schwielen an den Händen und blauen Flecken konzentriert arbeiten können, wenn das ganze Büro schaukelt wie Samstags der Arbeitsplatz an Bord?

Das Absenz-Kontingent

Der Münchener Hotelier Markus Daniel hat seine seglerische Sturm und Drang Zeit im Flying Dutchman ausgelebt und später mal einen Klassiker mit dem zutreffenden Namen „Toy for the boy“ für den Starnberger See zurechtgemacht. Die Winter wurden im Eissegelschlitten überstanden. Dann entschied er sich angesichts des gefürchteten Ultimatums „dei Boot oder i“ – so hart können Ehefrauen sein – schweren Herzens für eine dringend gebotene Auszeit. Mit demonstrativem Landleben (mit dem Hund Gassi gehen, Wochenendausflüge mit dem Auto) schuf er ein Absenz-Kontingent für später auf dem Wasser.

Bei der ersten Begegnung mit Markus Daniel hatte er diese Anomalie mit dem beherzten Kauf und wieselflinker Inbetriebnahme eines Zwölfers aber schon wieder Richtung Segeln korrigiert. Daniels neues Segelspielzeug lag gerade in Cannes. Ein 19 m langes, knapp 4 m breites und 24 Tonnen schweres America’s Cup Schlachtschiff Baujahr 1987.

Auf die „French Kiss“ hatte ihn Segelfreund Höflinger aufmerksam gemacht. Sie stand hoch und trocken als Skulptur auf einem Markplatz in Turin. Und der Höflinger hatte Daniels Martyrium so ganz ohne Boot nicht mehr länger mit ansehen können.

Nun ist das Herumstehen grundsätzlich nicht die schlechteste Verwendung für einen Flügelkielzwölfer. Man kann ihn aus verschiedenen Abständen und Perspektiven lange anschauen und über den Sinn dieses Leitwerks ganz unten grübeln. Und Italiener sind bekanntlich sehr visuelle Leute.

Aber noch besser als Zwölfer gucken ist eigentlich nur kaufen, abholen, auftakeln und segeln. Genau das hatte Markus Daniel gemacht. Er fuhr spontan nach Turin und erklärte seiner Frau nachher ziemlich beiläufig, wie clevere Segler das beherrschen: „Du Spohdzl, I hob a Schifferl ’kauft, goahns günstig“.

“Ich war mal mit einem FD in Kiel und sah in Schilksee die einstige `Sverige´ von 1977 und die ehemalige `Azzurra III´ von 1986”, sagt Daniel. “Da war wohl eigentlich schon klar, dass ich das mal mache. Nur wusste ich’s halt nur selbst noch nicht.“ Der Weg zum Zwölfer kann ein verschlungenes Fahrwasser sein. Er führt aber zum Ziel, sofern man so einen Hau wie der Daniel hat.

Das Schnäppchen hatte schon einmal, im Herbst 1985 an einer vielbeachteten Location gestanden, dem Pariser Trocadéro Platz und tout Paris, ach was, die grande nation guckte hin, als Frankreich den Griff nach der bodenlosen Kanne zelebrierte. So was kann der Franzose: Sich mit einer Supersause derart in Zugzwang bringen, dass es nachher aber auch was werden muss.

Taufe vor dem Eiffelturm

Der Zwölfer mit der Segelnummer F 7 wurde anlässlich des 26. America’s Cups von Philippe Briand gemeinsam mit Dassault Flugzeugingenieuren mit Software zur Simulation von Strömungs- und Druckverhältnissen, ohne Messreihen im Schlepptank und Windtunnel entworfen.

Am 12. Oktober 1985 wurde zu Füßen des Pariser Eiffelturms getauft. Die weltweit tätige Firma KIS von Serge Crasnianski, einem Apparatebauer für den Schlüsselschnelldienst, Visitenkarten, Gravuren und Fotoabzüge, soll dank des zehn Millionen Sponsorings damals nach eigenen Angaben einen deutlich gesteigerten Umsatz gemacht haben.

Der 26. America’s Cup 1987 im australischen Fremantle war einer der am härtesten ausgefochtenen der Segelgeschichte. 12 Herausforderer aus sechs Ländern (England, Frankreich, Italien, Kanada, Neuseeland und den USA) kamen mit 25 Booten. Sie mussten an der windreichen australischen Westküste bei ruppigem Seegang zunächst einmal im Rahmen der Louis Vuitton Pokals einen Herausforderer ermitteln.

Dabei kam die weithin unterschätzte, vom damaligen AC-Newcomer Pajot diszipliniert geführte „French Kiss“ der „Société des Regates Rochelaises“ recht weit. Erst im Halbfinale musste sie sich den Neuseeländern mit 0:4 geschlagen geben. Die Pokalregatten vor Fremantle waren die letzten, die im damals weitgehend ausentwickelten 12er ausgetragen wurden. Die „French Kiss“ ist also nicht irgendeine „last edition“, sondern eine erfolgreiche.

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Erdmann Braschos

Sein Spezialgebiet umfasst Mega-Yachten, Klassiker, Daysailor und Schärenkreuzer. Mehr über Erdmann findest Du hier.

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Ein Kommentar „Braschosblog: Markus Daniel und sein America’s Cup Zwölfer “French Kiss”“

  1. avatar Kollege sagt:

    der Danilu baut gerade ein Haus oben in den österreichischen Bergen

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