UFO: Neue Zahlen über Container-Verluste – gehen „nur“ ca. 1.500 Boxen jährlich über Bord?

Wenn Container baden gehen

130 Millionen Container werden jährlich über die Meere transportiert. Wie viele gehen davon im schweren Seegang oder bei Katastrophen tatsächlich über Bord? 

Container, Statistik, UFO

Gehen gerne “baden” – Container kurz vorm “Absprung” © WSC

Es ist der Alptraum aller Hochseesegler. Knapp unter der Wasseroberfläche, mit bloßem Auge kaum auszumachen, treibt im Seegang ein schwimmender Container. Und Murphy’s Law (was schiefgehen kann, geht schief) schlägt mit voller Härte zu.

Skipper, Crew und Boot kollidieren in der riesigen Wasserwüste ausgerechnet mit diesem UFO (Unidentified Floating Object), ein großer Schaden im Rumpf zwingt die Segler in die Rettungsinsel… Tausende Seemeilen vom nächsten Ufer entfernt, auf Gedeih und Verderb dem Schicksal ausgeliefert. Zuletzt brachte Robert Redford dieses dramatische Szenario einem breiteren Publikum mit der Ausstrahlung von „All is lost“ im Kino näher. 

Doch ist das Risiko wirklich so groß, einen Container zu rammen? In vielen Fachartikeln und TV-Beiträgen auf der ganzen Welt wird das Thema „UFOs“ auf hoher See immer wieder „aufgekocht“. Dabei unterscheiden die Studien nur selten zwischen Kollisionen mit treibenden Containern, Baumstämmen oder etwa Walen. Letztere scheinen, zumindest nach Beobachtungen in den letzten drei Jahren, viel häufiger Opfer von Kollisionen zu sein, als bisher angenommen. 

Zahlen? Fehlanzeige!

Was letztendlich nichts an der Gefahr durch Container ändert. Denn mittlerweile wurde wissenschaftlich nachgewiesen, dass über Bord gegangene Container mit einem bestimmten Füllstand, der noch reichlich Auftriebs-Luft im Inneren beibehält, tatsächlich tage- und wochenlang meist knapp unter der Meeresoberfläche weiter treiben können. 

Container, Statistik, UFO

Die MOL Comfort 2013 im Indischen Ozean © Gcaptain

Was bisher in der Diskussion und Berichterstattung jedoch fehlte, sind verlässliche Zahlen. Umweltschutzorganisationen auf der einen, Reederei-Verbünde auf der anderen Seite gaben (logischerise) stark voneinander abweichende Zahlen in Umlauf. Von zehntausenden Containern, die jährlich über Bord gehen, ist genauso die Rede gewesen wie von „ein paar Hundert, die sofort versanken“. Der gemeinsame Nenner: Es fehlt an belastbaren Daten und Zahlen. Mal wird „grob geschätzt“, mal wird „repräsentativ“ bei (viel zu wenigen) Container-Reedereien nachgezählt. 

Entsprechend sind statistische Werte, die jetzt vom weltweiten Reederei und Carrierschifffahrtsverbund World Shipping Council, bekannt gegeben wurden, von umso größerem Interesse. Denn das WSC befragte alle Mitglieder und erhielt offenbar von allen verlässliche Antworten. Die WSC-Reedereien transportieren auf ihren Containerschiffen mehr als 80% des weltweiten Containerhandels. 

Container, Statistik, UFO

Statistische Werte für Container-Verluste lt. WSC © WSC

Demnach sind weltweit in den Jahren 2008 bis 2016 per anno 1582 Container über Bord gegangen. Diese Werte beinhalten Schifffskatatrophen (etwa Verlust des gesamten Containerschiffes samt Ladung) genauso wie die fast schon üblichen Verluste einzelner, schlecht gesicherter Container im rauen Seegang auf Hoher See. So sind die überaus hohen Verluste im Jahre 2013 (5.578 Container) zu 77 Prozent dem Totalverlust des Carriers MOL Comfort im Indischen Ozean geschuldet. 

Weniger als gedacht?

Zieht man zudem die Annahme hinzu, dass nur ca. zehn Prozent aller über Bord gegangenen Container nicht sofort sinken, sondern noch weiter treiben, verringert sich die Anzahl der Kollisionsgefahrenträger nochmals erheblich. 

Kollidierte wahrscheinlich mit einem Container: Sinfonie Sylt © ZDF Terra X-Press

Kollidierte wahrscheinlich mit einem Container: Sinfonie Sylt © ZDF Terra X-Press

Auch wenn diese Angaben keinen wissenschaftlichen oder zumindest objektiven Anspruch erheben dürfen, geben sie doch zumindest einen gewissen Anhaltspunkt. Zieht man allerdings in Betracht, dass ausgerechnet die 20 Prozent aller Containerreedereien, die NICHT im WSC organisiert sind, durchaus die tiefschwarzen Schafe der Branche sein könnten, wären auch die o.g. Zahlen nur noch leicht belastbar. 

Was bleibt ist die Tatsache, dass für Segler weiterhin das Risiko bestehen bleibt, zwischen den Abermilliarden Wellenbergen auf einen Container zu „treffen“. Doch vielleicht „beruhigt“ es ja ein wenig, wenn man weiß, dass die Chance dafür deutlich geringer ist als ein Lotto-Jackpot, Murphy’s Gesetz nicht einberechnet.

WSC-Bericht

avatar

Michael Kunst

Näheres zu miku findest Du hier
Spenden
http://blueocean.berlin/magicmarine-team-werden/

3 Kommentare zu „UFO: Neue Zahlen über Container-Verluste – gehen „nur“ ca. 1.500 Boxen jährlich über Bord?“

  1. avatar addi sagt:

    “Murphy’s Gesetz nicht einberechnet” …
    Einen Container habe ich zwar noch nicht getroffen, aber die eine oder andere Boje / Tonne schon. Mitten auf dem Meer, wo eigentlich nix sein sollte. Murphy’s Law …

    Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 0

  2. avatar phantom34 sagt:

    Was soll uns dieser artikel nun sagen oO?

    Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 2

    • avatar Prit sagt:

      Container sind schlimmer als der Weiße Hai und das Bermuda Dreiek zusammen !!!1!!!

      Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *